Ausnahmen gibt es

Touristen-Gebühr für Venedig startet ab 25. April: QR-Code nötig – hohe Bußgelder drohen

  • schließen

In Venedig startet der erste Tag mit einer Eintrittsgebühr. Der Bürgermeister weist Abzocke-Vorwürfe ab. Einheimische sollen entlastet werden – aber auch die UNESCO spielt eine Rolle.

Venedig – Um den Massentourismus unter Kontrolle zu bringen, greifen immer mehr Urlaubsländer und Städte zu drastischen Maßnahmen. Während Einheimische auf den Kanaren gegen den „Ausverkauf“ ihrer Inseln demonstrieren, verbot Amsterdam den weiteren Hotelbau. Italien sorgte besonders mit einer Maßnahme für internationales Aufsehen: Wer 2024 in bestimmten Monaten nach Venedig reisen möchte, muss Eintritt für die Stadt zahlen.

Venedig startet mit Fünf-Euro-Eintritt

Nun startet die Stadt mit der Maßnahme: Ab Donnerstag, den 25. April, gilt erstmals die umstrittene Tagesgebühr. Die Tickets gab es bereits im Vorfeld zu kaufen, sie kosten fünf Euro. Die Sonderabgabe müssen alle zahlen, die zwischen 8.30 Uhr und 16.00 Uhr in die Lagunenstadt wollen. Wer rein will, muss online einen QR-Code erwerben, der an den wichtigsten Zugangspunkten in die Stadt kontrolliert wird.

„Unser Ziel ist es, Venedig lebenswerter zu machen“, begründet Bürgermeister Luigi Brugnaro die Maßnahme. Vorwürfe der Touristen-Abzocke weist er vehement zurück: „Es geht nicht darum, Geld zu machen.“ Die Stadtverwaltung verweist zudem darauf, dass die Gebühr nur an bestimmten Tagen erhoben werden solle, an denen traditionell besonders viele Besucher in die Lagunenstadt strömen. Wer die Gebühr nicht zahlen wolle, könne als Tagestourist auf andere Daten ausweichen.

Erster Venedig-Gebührentag startet am 25. April

Insgesamt gibt es 29 Gebühren-Tage, an denen der Touristenansturm in der italienischen Stadt am höchsten ist. In der ersten Welle gilt die Eintrittsgebühr bis zum 5. Mai. Außerdem werden Tagesbesucher auch an allen folgenden Mai- und Juni-Wochenenden zur Kasse gebeten. Zusätzlich gilt die Ticketpflicht für zwei Wochenenden im Juli. Die Kontrollen sollen „sehr sanft“ ausfallen, so der Bürgermeister. Übernachtungsgäste betrifft die Gebühr übrigens nicht – und für Kinder unter 14 Jahren und Studenten gelten Ausnahmen.

Touristen, die aber trotzdem versuchen, ohne zu bezahlen durch die Maschen zu schlüpfen und erwischt werden, müssen mit einem Bußgeld rechnen. Dieses geht theoretisch von 50 bis 300 Euro – die Behörden wollen aber nach eigenen Angaben zumindest vorerst lieber auf Überzeugung denn auf Strafe setzen.

In Venedig beginnen die Eintrittsgebühren. (Symbolfoto)

„Keine Revolution“: Venedig möchte Weltkulturerbe und Einheimische schützen

Der Bürgermeister findet: „Es ist keine Revolution, aber der erste Schritt hin zu einem System, der den Zugang von Tagesbesuchern reglementiert“, sagt Brugnaro. „Ziel ist es, die Lebensqualität in der Stadt für diejenigen zu verbessern, die dort leben und arbeiten.“ Während Venedigs historisches Stadtzentrum nur noch gut 50.000 Einwohner hat, kommen zu Spitzenzeiten bleiben dort etwa 100.000 Touristen pro Nacht, plus zehntausende Tagesbesucher.

Die Tagesgebühr hat aber noch einen anderen Hintergrund: Venedig reagiert damit nämlich auch auf den Druck der Unesco. Diese hatte die Stadt sowie die dazugehörigen Lagunen 1987 zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt. Im vergangenen Jahr drohte die UN-Organisation damit, Venedig als „gefährdetes“ Welterbe einzustufen – wegen „unzureichender Schutzmaßnahmen“ mit Blick auf den Massentourismus. Erst nachdem der Stadtrat im September die Tagesgebühr beschlossen hatte, entschied das Welterbekomitee, Venedig doch nicht auf die Liste des gefährdeten Welterbes aufzunehmen. (jh/AFP)

Rubriklistenbild: © Bihlmayerfotografie/IMAGO

Kommentare