VonYannick Hankeschließen
Eine Studie aus den USA zeigt, dass Fertiggerichte das Darmkrebs-Risiko deutlich erhöhen. Vor allem Männer sind besonders gefährdet.
Berlin/Massachusetts – Fertiggerichte können das Risiko für Darmkrebs um fast 30 Prozent erhöhen. Das haben Forscher der Tufts und der Harvard Universität in Massachusetts in den USA herausgefunden. Dabei sind vor allem Männer, nicht nur in Deutschland, besonders gefährdet. Die Ergebnisse, die im Fachmagazin BMJ publiziert wurden, basieren auf Untersuchungen, die mit mehr als 46.000 Männern und 160.000 Frauen aus drei Kohortenstudien durchgeführt wurden.
Gründe für Darmkrebs: Konsum von Fertiggerichten erhöht Risiko – Männer besonders gefährdet
Konkret wurden alle vier Jahre die Ernährungsgewohnheiten der Teilnehmer mit Fragebögen protokolliert. Das Ziel der Forscher war es, einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Fertigprodukten und dem Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, herzustellen. Was besonders auffällig war: Wenn Männer viele verarbeitete Produkte zu sich nehmen, weisen sie ein fast 30 Prozent höheres Risiko auf, Darmkrebs zu entwickeln als diejenigen, die nur selten oder gar keine Fertigprodukte zu sich nehmen. Die Körpergröße kann indes aber auch über das Risiko für Krebs oder Diabetes entscheiden.
Bei Frauen wiederum konnte dieser Zusammenhang aber nicht festgestellt werden. Es seien vor allem kohlensäurehaltige Getränke, Würste, Kekse, Instantgerichte oder abgepackte Snacks, die Zucke, Öle sowie Fette enthalten, die das Darmkrebs-Risiko erhöhen. „Die Inhaltsstoffe verändern die Zusammensetzung des Mikrobioms im Darm ungünstig und erhöhen das Risiko für Gewichtszunahme und Fettleibigkeit. Diese wiederum sind etablierte Risikofaktoren für Darmkrebs“, heißt es in diesem Kontext von Lu Wang, Hauptautor der Studie.
Wie tödlich ist Darmkrebs?
Von 100 Menschen mit Darmkrebs leben nach fünf Jahren noch etwa 62. Je niedriger das Krankheitsstadium, desto besser ist die Aussicht auf Heilung. Deshalb zur Darmkrebsvorsorge gehen, selbst, wenn man die Symptome für Darmkrebs nicht auf Anhieb erkennt, um die Lebenserwartung drastisch zu erhhöhen.
Erhöhtes Risiko für Darmkrebs: Welche Fertiggerichte und Lebensmittel hierfür verantwortlich sind
Es kämen aber auch noch Lebensmittelzusatzstoffe wie Emulgatoren und künstliche Süßstoffe, die Entzündungen im Darm begünstigen, hinzu. „Außerdem verfügen diese Lebensmittel kaum über Nährstoffe und bioaktive Verbindungen, die für die Vorbeugung von Darmkrebs von Vorteil sind, wie Ballaststoffe, Kalzium und Vitamin D“, fügt Wang ergänzend an.
- kohlensäurehaltige Getränke
- verarbeitetes, rotes Fleisch/Würste
- Kekse
- Instantgerichte
- abgepackte Snacks
- regelmäßiger hoher Alkoholkonsum
Vor allem verarbeitetes, rotes Fleisch und Wurst stehen schon länger im Verdacht, eine elementare Rolle mit Blick auf die Darmkrebs-Entstehung einzunehmen. „Regelmäßiger Verzehr von rotem Fleisch (etwa Schwein, Rind, Wild) und verarbeitetem Fleisch (unter anderem Wurstwaren, Pökelfleisch) und regelmäßiger hoher Alkoholkonsum sind dagegen mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko verbunden“, warnt etwa die Deutsche Krebsgesellschaft. Der falsche Lebensstil kann gar 22 Jahre kosten.
Was für Schmerzen hat man bei Darmkrebs?
Darmkrebs zeigt erst im Spätstadium ein typisches Krankheitsbild. Dazu gehören bei Krebs des Grimmdarms Schmerzen im Bauchbereich und bei Krebs im Mastdarm im Becken bzw. der Lendenwirbelsäule. Eventuell ist der Tumor sogar zu tasten, besonders wenn er auf der rechten Seite des Grimmdarms oder im Mastdarm sitzt.
50 bis 70 Prozent aller Darmkrebs-Tumore können durch gesundes Essen verhindert werden
Was Mut macht: Mit gesundem Essen können laut Schätzungen 50 bis 70 Prozent aller Darmkrebs-Tumore verhindert werden. „Wir beobachten in den letzten Jahren eine Zunahme von jüngeren Patienten, die schon mit unter 50 erkranken“, sagt Prof. Dr. Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Endokrinologie und Nephrologie am Universitätsklinikum Ulm, gegenüber der Bild.
Grundlegend würde es Hinweise geben, dass Übergewicht, Bewegungsmangel, aber auch ungesunde Ernährung Gründe hierfür sein könnten. „Darmkrebs ist tückisch. Wenn man Symptome hat und damit zum Arzt geht, ist es oft schon zu spät. Viele Patienten haben dann bereits eine fortgeschrittene Krebserkrankung“, warnt Seufferlein. Deswegen sei die Vorsorge umso wichtiger. Schließlich ist Darmkrebs heutzutage gut behandelbar. „80 Prozent der Erkrankungen könnten verhindert werden“. Doch wird noch im Konjunktiv gesprochen.
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