Sechs Meter hohe Wellen

Adria-Fähre gerät zwischen Kroatien und Italien in Sturm – Sechs Stunden Odyssee

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Die Fähre Marko Polo geriet in schwere See, riesige Wellen brachte eine kroatische Adriafähre in Bedrängnis. (Montage)
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Auf ihrer Fahrt von Kroatien nach Italien ist eine Passagierfähre in einen heftigen Sturm geraten. Nach stundenlanger Strapaze gelangte das Schiff in den Hafen von Ancona.

Ancona/Split – Die Adria ist eines der Sehnsuchtsziele der Mitteleuropäer. Schier endlose Strände am italienischen Ufer, kristallklare Kies- und Felsufer an der kroatischen Seite. Die meisten Touristen kennen die Adria als große Badewanne, die im Sommer vor sich hin plätschert. Doch im Winter zeigt sich das Nebenmeer des Mittelmeers von einer ganz anderen Seite. Heftige Winde peitschen das Wasser auf, der Seegang sorgt manchmal dafür, dass Inseln vom Festland aus tagelang nicht erreichbar sind:

Sechs Meter hohe Wellen drohen kroatische Auto-Fähre sinken zu lassen

Dennoch sind die Schiffsverbindungen in den Weihnachtsferien ausgebucht, da Gastarbeiter und Pendler die Feiertage bei ihren Familien verbringen wollen. So auch die Fähre Marko Polo der kroatischen Reederei Jadrolinija, die regelmäßig zwischen den kroatischen Küstenstädten Zadar und Split sowie der italienischen Hafenstadt Ancona verkehrt.

Bei einer Überfahrt nach Ancona geriet die Autofähre, die Platz für 1500 Passagiere hat, mitten in der Adria in schwere See. Heftiger Tramontana-Sturm aus dem Norden peitschte das Meer. Sechs Meter hohe Wellen klatschten auf den Rumpf. Die Gischt spritzte über Deck. Doch das eigentliche Problem waren die Autos und Lkws, die auf Fähren teils vertaut unter Deck parken. Ein Abrutschen bei Schieflage eines Schiffes kann den Schwerpunkt verlegen, sodass die Fähre sehr schnell kippen und sinken kann.

Der Kapitän entschied sich aus Sicherheitsgründen dafür, einen anderen Kurs zu nehmen und das Unwetter zu umschiffen. Außerdem beschlossen die italienischen Behörden, den Hafen wegen der hohen Wellen für mehrere Stunden zu schließen. Auf dem offenen Meer gab es Böen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 180 km/h. Selbst im Hafenbecken vom Ancona waren es noch 110 km/h. Die Marko Polo kam somit mit satten sechs Verspätungen in Ancona an, vorsichtshalber von einem Schlepper gezogen, da es noch relativ großen Wellengang gab. Eine Überfahrt von Split nach Ancona dauert normalerweise gut elf Stunden.

Kroatische Passagiere erleben eine Tortur und nehmen sie mit Galgenhumor

Für die Passagiere war die Überfahrt eine Tortur. „Obwohl es zu den besten Seeschiffen der Jadrolinija gehört, war diese Tatsache den Passagieren egal“, schreibt das Portal morski.hr. Ein User schickte der Redaktion des Portals ein Video, dass die mehr als haushohen Wellen zeigt, die auf das Schiff trafen. Auch bei Facebook wurde die Sequenz eifrig geteilt. Die Passagiere hätten die Unannehmlichkeiten mit Galgenhumor genommen, zumal schließlich nichts Ernsthaftes passiert ist.

Ein User schreibt bei Facebook: „Gut gemacht, Glückwunsch an den Kapitän und die ganze Crew für eine gute Arbeit bei den sehr schlechten Wetterbedingungen auf See.“ Ein Seemann schreibt: „Für uns Matrosen ist das normal und das Schiff ist dazu gemacht, zu rollen und auf stürmische See zu treffen. Jeder kann bei schönem Wetter aufs Meer fahren, aber es ist nicht für immer schönes Wetter.“ Es gibt aber auch kritische Stimmen: „Ich verstehe nicht, warum sie bei so einem Wetter gefahren sind, wofür gibt es eine Wettervorhersage?“, kommentiert ein anderer User.

Die betroffene kroatische Fähre ist schon über 50 Jahre alt

Die Marko Polo-Fähre ist das zweitgrößte Passagierschiff, das derzeit unter kroatischer Flagge fährt. Das größte ist die Dalmacija, ebenfalls eine Fähre der Reederei, die in Rijeka stationiert ist. Die Fähre Marco Polo ist 128,13 Meter lang und 19,6 Meter breit. Sie wurde 1972 in Frankreich gebaut und fuhr unter dem Namen Peter Wessel zwischen Norwegen und Dänemark. Jadrolinija kaufte sie 1988. Die Marko Polo-Schiff verfügt über 158 Kabinen mit 574 Betten. Das Schiff verfügt über ein großes Café mit Tanzfläche und 368 Sitzplätzen, einer Kinderecke, einem Restaurant für 222 Gäste, eine Lounge mit 80 Sitzen, eine Aperitifbar für 60 Gäste und eine Kapelle.

Am Festland sorgen heftiger Schneefall in Kroatien für heftige Behinderungen. Im November war eine kroatische Fähre gesunken, nachdem sie ein Riff gerammt hatte. Im Januar wäre eine andere Fähre in Italien beinahe gesunken, nachdem sie von acht Meter hohen Wellen getroffen wurde. Das kühle Winterwetter lockt auch Riesenhaie in die kroatische Adria. Vor kurzem wurde dort auch ein abgeschossenes Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg konserviert.

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