VonMartina Lipplschließen
Fiebersaft für Kinder ist derzeit Mangelware in Apotheken. Auch Magensäureblocker und bestimmte Antibiotika sind knapp. Apotheken in Deutschland kämpfen derzeit mit Lieferengpässen.
München – Schnell mal in der Apotheke ein Rezept für Antibiotika einlösen oder einen Fiebersaft für das Kind kaufen, das kann gerade ein Problem sein. In den Apotheken in Deutschland kommt es seit einiger Zeit immer wieder zu Lieferengpässen. Das Angebot für einige Mittel wird knapp – extrem knapp. Patienten und Patientinnen müssen auf Alternativen ausweichen. Es hört sich einfacher an, als es ist. Apotheker und Hausärzte schlagen Alarm. Denn, die kalte Jahreszeit und damit die Erkältungssaison steht erst noch bevor.
„Die Lage ist schlimm“ – Diese Medikamente werden in Deutschland knapp
„Die Lage ist schlimm“, sagte der Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein, Thomas Preis vergangene Woche. So etwas habe er in über 30 Berufsjahren nicht erlebt. Trotz der dramatischen Lieferengpässe „gelingt es Apotheken und Arztpraxen Arzneimitteltherapien sicherzustellen“, betonen Thomas Preis und Dr. Oliver Funken, Vorsitzender Hausärzteverband Nordrhein in einer Pressemitteilung.
Was ist ein Lieferengpass?
Ein Lieferengpass ist, laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), eine „über voraussichtlich 2 Wochen hinausgehende Unterbrechung einer Auslieferung im üblichen Umfang oder eine deutlich vermehrte Nachfrage, der nicht angemessen nachgekommen werden kann.“
Apotheker und Hausärzte fordern Produktion in Deutschland
„Früher war Deutschland die Apotheke der Welt, heute sind es Indien und China. Und das führt zu vielen Lieferproblemen“, erklären Preis und Funke. Die Arzneimittelproduktion müsse wieder nach Europa zurückverlegt werden, fordern sie. Auch die Rabattverträge der Krankenkassen würden die Engpässe bei den Arzneimitteln nach Ansicht der Hausärzte und Apotheker verschärfen. 80 Prozent der Arzneimittel, die in Deutschland verkauft werden, sind Generika. Wirkstoff-gleiche Nachfolgeprodukte eines bewährten Originalpräparats sind in der Regel viel billiger.
Aus Kostengründen werden Generika in meistens in Indien oder China hergestellt. Pharmaunternehmen stehen jedoch unter Druck. Steigende Energiepreise und Materialkosten machen auch den Pharmariesen zu schaffen. Die gestiegenen Preise können Hersteller nicht ohne weiteres an Kunden weitergeben. Einige Produzenten ziehen sich aus dem Markt zurück, wenn der Wirkstoff zu teuer wird und sich das Geschäft nicht mehr lohnt. Bei den Fiebersäften für Kinder war das der Fall.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) listete Medikamente mit Lieferengpässen in einer Datenbank auf. Aktuell sind es 298 (Stand: 28. November). Zudem sind Zusatzinformationen zu den gemeldeten Lieferengpässen zu finden.
- Schmerzmittel – wie Ibuprofen
- Antibiotika – betroffene Wirkstoffe: Amoxicillin und Phenoxymethylpenicillin
- Krebsmedikamente – wie Tamoxifen
- Diabetes-Medikamente
- Immunsuppressiva
- Blutdrucksenker
Engpässe bei Arzneimitteln in Deutschland gibt es in Deutschland immer wieder. Doch für viele knappe Medikamente gibt es Alternativen. Ein Lieferengpass bedeute nicht gleichzeitig einen Versorgungsengpass, betont das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf seiner Webseite. (ml mit Material der dpa)
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