VonNico Reiterschließen
Trotz hoher Temperaturen bis Anfang Juni: Eine längere Schönwetterphase ist nicht in Sicht. Unwetter und Sturzfluten drohen die nächsten Wochen.
Frankfurt – Dominik Jung, Meteorologe von Wetternet, analysiert die Niederschlagsmengen bis zum Monatsende. Die anhaltenden Gewitter der letzten Wochen geben Anlass zur Sorge. Er warnt vor den potenziellen Auswirkungen der aktuellen Wetterbedingungen: „Es entstehen schwere Schäden und es besteht bei Sturzfluten Lebensgefahr. Bleiben Sie aus dem Keller, verlassen Sie Kellerwohnungen. Diese können zur tödlichen Falle werden.“ Im Saarland kam eine Frau nach einem Rettungseinsatz ums Leben. Für die kommenden zwei Wochen prognostiziert er durchschnittlich 70 Liter Niederschlag pro Quadratmeter.
Unwetter könnten zwei Wochen anhalten: Tief Katinka hängt über Deutschland fest
Das Tiefdruckgebiet Katinka verharrt seit einigen Tagen über Deutschland und scheint sich zwischen einem Hochdruckgebiet über Osteuropa und einem Tiefdruckgebiet über Westeuropa eingeklemmt zu haben. Diese Situation führt zu stagnierender Luftbewegung, wodurch Schauer und Gewitter kaum oder gar nicht von ihrer Position weichen. Es sieht so aus, als ob diese Wetterverhältnisse für die nächsten zwei Wochen anhalten könnten, was wiederholte Gewitter mit starkem Regen und daraus resultierende Überschwemmungen zur Folge hätte.
Regensummen bis Donnerstag: Experte kann Wetterkarten „nicht für bare Münze nehmen“
Die genaue Richtung, in die das Tiefdruckgebiet zieht, lässt sich nicht langfristig vorhersagen. „Diese Wetterkarten kann man aufgrund der aktuellen Wetterlage nicht für bare Münze nehmen“, sagt Jung bei der Betrachtung der prognostizierten Niederschläge für die kommenden Tage. Schauer und Gewitter bewegen sich langsam, führen jedoch zu plötzlichem, starkem Regen.
Das deutsche Modell prognostiziert von Nordrhein-Westfalen bis Nordbayern 50 bis 60 Liter Regen pro Quadratmeter. Das französische Modell zeigt Regen in einem Querstreifen über der Landesmitte sowie einzelne starke Schauer in Berlin und Brandenburg. Auch hier besteht die Gefahr von Sturzfluten. Der Streifen in der Mitte des Landes scheint für mehrere Modelle die Gefahrenzone Nummer eins zu sein. Die genauen Punkte zu bestimmen, ist laut Jung jedoch nicht möglich. Aber eines ist sicher: „Aus dieser Nummer kommen wir so schnell auf nicht mehr raus.“
Hohe Temperaturen mit Niederschlag bis Anfang Juni – „Längere Schönwetterphase ist einfach nicht in Sicht“
Die Unwetter der letzten Tage werden sich in den kommenden Wochen fortsetzen. In Norddeutschland bleibt es bis Anfang Juni angenehm, mit Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad. Trotzdem werden die Temperaturen von Schauern und Gewittern mit Sturmflutgefahr begleitet. Auch im Westen steigen die Temperaturen im Laufe des restlichen Mais auf bis zu 25 Grad, mit einigen Ausreißern, die die 30-Grad-Marke erreichen könnten. Doch auch hier bleibt das Wetter wechselhaft. Obwohl es im Osten gegen Ende Mai zu einigen warmen Sommertagen mit bis zu 30 Grad kommen kann, ist eine trockene Phase. „Längere Schönwetterphase ist einfach nicht in Sicht“, so Jung. Im Süden sieht es ähnlich aus, die Temperaturen bleiben jedoch bei 28 Grad.
„Könnte noch weiter nach oben gehen“: Frühling 2024 auf Platz 3 der wärmsten seit Aufzeichnung
Mit erwarteten Temperaturen von bis zu 30 Grad zählt der diesjährige Frühling zu den wärmsten und liegt derzeit auf Platz 3 seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881. „Und es könnte noch weiter nach oben gehen, denn bis Ende Mai bleibt es in vielen Landesteilen recht warm“, so Jung.
Die Sommerprognose zeigt eine Temperatursteigerung von 0,5 bis 1 Grad im Vergleich zum Klimamittel der Jahre 1991 bis 2020. Daher wird der kommende Sommer nicht extrem heiß sein. Dennoch lässt sich nicht vorhersagen, was dies für die Temperaturen in einzelnen Wochen oder Monaten bedeutet. Es könnten dennoch Hitzewochen mit über 40 Grad auftreten. (nr)
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