14 spürbare Erdbeben in zwei Wochen – Experten rätseln über „sehr ungewöhnliche“ Serie in Tirol
VonMomir Takac
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Eine ähnliche Erdbeben-Serie gab es 1921: In Tirol erleben die Menschen seit zwei Wochen täglich Erdbeben. Das neueste war das bislang stärkste.
St. Johann in Tirol – Dass in den Alpen immer mal wieder leicht die Erde bebt, ist nicht ungewöhnlich. Tirol in Österreich ist das gewohnt. Doch jetzt sind Seismologen irritiert. Sie beschäftigt eine Erdbebenserie in dem an Bayern grenzenden Bundesland, die „sehr ungewöhnlich“ ist.
Erdbebenserie seit zwei Wochen in Tirol – Erdstoß auch in Bayern zu spüren
Wissenschaftler des Österreichischen Erdbebendienstes GeoSphere Austria registrieren seit nunmehr vierzehn Tagen in Tirol unentwegt Erdstöße. Die meisten ereigneten sich in der Region um St. Johann in Tirol. Die Serie startete am 13. Januar mit einem Beben der Stärke 3,0, am Morgen des 23. Januars (4.50 Uhr) geschah das bislang schwerste mit einer Magnitude von 3,8. In einer ersten Meldung von GeoSphere Austria war die Stärke noch mit 4,0 angegeben worden. Innerhalb der nächsten Stunde waren in dem Gebiet zwei Nachbeben registriert worden.
Dem Erdbebendienst zufolge befand sich das Epizentrum zwischen St. Ulrich am Pillersee und Waidring in zehn Kilometer Tiefe. Den Erdstoß vernahm man auch in Bayern. „War auch deutlich in Bad Reichenhall OT Karlstein zu spüren! War ein ordentlicher Ruck!“, schrieb ein Nutzer auf der Facebook-Seite „Erdbeben in Deutschland“. Bad Reichenhall liegt an der Grenze zu Österreich nahe Salzburg. Eine andere Userin empfand es als „ziemlich gruselig“.
Leichte Schäden nach Erdbeben in Tirol gemeldet
GeoSphere Austria schrieb am Dienstag (23. Januar) auf seiner Seite, „das Beben wurde stark verspürt“. Es seien mehr als 1.500 Meldungen (Stand: 13.00 Uhr) aus der Umgebung des Erdbebens eingelaufen. Aus dem Bereich des Epizentrums seien „leichte Gebäudeschäden wie Haarrisse oder kleine Schäden am Verputz“ gemeldet worden. Personen haben zudem gemeldet, dass kleine Gegenstände umkippten oder verschoben wurden.
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Der Dienst hat eigenen Angaben zufolge in den vergangenen beiden Wochen knapp 60 Beben in der Region aufgezeichnet, von denen man 14 spürte. Eine vergleichbare Serie habe es 1921 gegeben. Die aktuelle scheint den Wissenschaftlern allerdings ein wenig Kopfzerbrechen zu bereiten. Die Serie sei „sehr ungewöhnlich“, da es sich um mehrere aufeinanderfolgende Erdstöße mit relativ hoher Magnitude handelte, sagte Seismologin Sophie Authried ORF Tirol.
Noch stärkeres Beben in Tirol nicht ausgeschlossen
„Theoretisch kann sich das Ganze im Laufe der Zeit wieder beruhigen. Es kann aber auch sein, dass in den nächsten Wochen noch weitere Beben nachkommen. Wir befinden uns (im Raum Waidring, d. Red.) im Bereich von Magnitude 3 bis 3,5. Das ist für den österreichischen Raum relativ hoch“, erklärte Authried. Laut der Seite erdbebennews.de könne bei „fortdauernder Bebenserie auch ein neues, eventuell sogar noch stärkeres Erdbeben nicht ausgeschlossen werden.“ Im Januar ereignete sich auch in Kärnten ein für die Gegend relativ starkes Erdbeben.
Die Beben im Raum Waidring seien ein Zeichen für „aufgebaute tektonische Spannungen“. Die Verkeilungen der Kruste lösen sich nun. „Da es sich aber nicht um riesige aufeinander treffende Platten handelt, sind Magnituden, wie wir sie in Japan hatten, ausgeschlossen. Es kann aber trotzdem zu einer Magnitude von 3 oder 3,5 oder auch höher kommen. Und das macht sich an der Oberfläche spürbar.“ Am Neujahrstag war Japan von einem Erdbeben der Stärke 7,6 erschüttert worden. (mt)