Bergretter fassungslos

Alpen-Tortur in Österreich: Deutsche Eltern ignorieren Warnung und bringen Kinder in Lebensgefahr

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Die deutsche Familie ignorierte die Warnung des Hüttenwirts und begann den Alpen-Ausflug. Die Konsequenz: Notlage in Österreichs Hochgebirge.

Salzburg – Es sollte eine aufregende Bergwanderung im Österreich-Urlaub werden, doch sie endete fast in einer Tragödie. Eine fünfköpfige Familie aus der Nähe von Heidelberg geriet am Freitag (30. Mai) im österreichischen Tennengebirge (Salzburg) in Lebensgefahr. Trotz eindringlicher Warnungen des Hüttenwirts wagten sich die Eltern mit ihren drei Kindern (8, 10 und 14 Jahre) auf eine anspruchsvolle Hochgebirgstour – mit katastrophaler Ausrüstung und ohne alpine Erfahrung.

Alpen-Fiasko mit drei Kindern: Deutsche Familie ignoriert Warnung und muss gerettet werden

„Die Familie war durchnässt, unterkühlt und völlig erschöpft“, schildert Einsatzleiter Stefan Koller von der Bergrettung Werfen der Kleinen Zeitung den dramatischen Zustand der Familie bei ihrer Rettung mitten in der Nacht. Weder Stirnlampe noch Regenausrüstung oder Biwaksack waren mit im Gepäck. Die Eltern trugen Trekkingschuhe, die Kinder sogar Laufschuhe: „Völlig ungeeignet für hochalpines Gelände“, so der entsetzte Bergretter.

Die Familie übernachtete zunächst auf der Ellmaualm in Werfenweng (1533 Meter). Dort warnte der Hüttenwirt die Urlauber eindringlich vor der geplanten siebenstündigen Tour über die anspruchsvolle Hochthronleiter (rund 2500 Meter Höhe) zur Söldenhütte. Der Grund: schlechte Ausrüstung und widrige Wetterbedingungen mit Altschneefeldern und Nebel. Im Nebel verirrten sich einen Monat zuvor auch zwei deutsche Familien auf dem Schafberg.

Doch die Familie aus Baden-Württemberg ignorierte alle Warnungen und brach am Freitag gegen 8.30 Uhr trotzdem auf. Ein beinahe fataler Fehler, wie sich später herausstellen sollte.

17 Stunden in Österreichs Alpen: Deutsche Familie steckt im Hochgebirge fest

Der Vater meldete sich ab 18 Uhr mehrmals telefonisch bei der Söldenhütte und kündigte immer wieder eine spätere Ankunft an, wie die Bergrettung Salzburg berichtet. Doch als die Familie um 21 Uhr immer noch nicht eingetroffen war, verständigte der dortige Hüttenwirt die Rettung. Um 23 Uhr wählte der Vater schließlich selbst den Notruf: Die Familie stecke im Bereich der Tauernscharte (2100 Meter) fest, ein Weitergehen sei nicht möglich.

Elf Bergretter der Ortsstelle Werfen machten sich noch in der Nacht auf den gefährlichen Weg. Am Seil gesichert, führten sie die völlig erschöpfte Familie über teils vereiste Schneefelder zur nächsten Hütte. Erst um 3.15 Uhr morgens erreichten sie sicher die Unterkunft – nach insgesamt 17 Stunden Irrlauf durch das Hochgebirge.

Aufwendiger Einsatz mitten in der Nacht: Die deutsche Familie musste zur nächsten Hütte transportiert werden.

Österreich-Touristen brachten sich selbst in Gefahr: Bergrettung fassungslos – „Man sollte Rat annehmen“

„Die Familie war 17 Stunden lang unterwegs, und sich der Gefahr nicht bewusst“, kritisiert Salzburger Bergrettung. Besonders erschreckend: Die Urlauber aus Deutschland hatten laut Bericht keinerlei alpine Erfahrung.

Touren in den Alpen müssen gründlich geplant werden, betont die Bergrettung. Und schreibt mit Blick auf die eigensinnige Familie aus Deutschland: „Man sollte auch den Rat der Hüttenwirte annehmen, die ortskundig sind und über die aktuellen Bedingungen am Berg genau Bescheid wissen.“

Alpen-Touren lieber nur mit der richtigen Ausrüstung

Die Bergrettung Salzburg empfiehlt: Festes Schuhwerk, warme und regenfeste Kleidung, Biwaksack, Erste-Hilfe-Paket, warme Getränke, Proviant und ein Mobiltelefon mit Ersatzakku gehören zur Grundausstattung für Bergtouren. Zudem sollten Wanderer ihre Kondition realistisch einschätzen und nur Touren planen, für die sie auch ausreichend Erfahrung mitbringen.

Die gerettete Familie aus Baden-Württemberg hatte großes Glück im Unglück. Dank des schnellen Einsatzes der Bergretter kamen alle mit einem Schrecken davon – die Kinder und Eltern blieben unverletzt. Ein ganz ähnliches Szenario durchlebte eine Schweizer Familie in den Dolomiten. (moe)

Rubriklistenbild: © Bergrettung Werfen

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