VonSophia Sichtermannschließen
Sie fühlen sich weder als Generation X noch als Millennials: Eine „vergessene“ Generation. Ein Generationenforscher erklärt, was die Xennials ausmacht.
„Wir sind diejenigen, die nahtlos zwischen zwei Welten wandeln können. Wir sind der Übergang von analog zu digital. Wir sind zu wild, um Millennials zu sein, aber zu technisch, um Xer zu sein“, schreibt ein Reddit-Nutzer über seine „vergessene“ Mikro-Generation, die „Xennials“. Das Wort ist eine Kombination von Gen X und Millennials, das die Jahrgänge genau zwischen der Gen X (1965 bis 1980) und den Millennials (1981 bis 1995) beschreibt.
Viele Forschende definieren Xennials als Menschen, die zwischen 1977 und 1983 geboren sind. In ihrer Jugend haben sie die Musik von Nirvana, No Doubt und Take That gehört und Spiele auf ihrem Super Nintendo oder in der echten Welt gespielt. Sechs Jahre sind zwar ein vergleichsweise kurzer Zeitraum für eine Generation, doch es gibt einige Faktoren, die die heute 41- bis 48-Jährigen einzigartig machen.
Xennials haben als Generation ein besonderes Technologie-Verständnis
„Xennials hatten eine komplett analoge Kindheit und teilweise auch analoge Jugend. Mit Smartphones und Social Media kamen sie erst als Erwachsene in Berührung“, sagt Generationenforscher Rüdiger Maas BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Xennials haben ein besonderes Verhältnis zu Technologie, was sie von den Millennials unterscheidet, die als „Digital Natives“ definiert werden.
Dadurch, dass Xennials die Einführung bestimmter Technologien miterlebt haben, hätten sie ein besonders großes IT-Verständnis. „Sie haben noch Programmieren gelernt“, erklärt der Experte. Sie seien „unglaublich offen für neue Digitalisierungsthemen.“
Viele Xennials seien „stolz“ auf ihre digitalisierten Autos und Smart Homes. Der Generationenforscher vermutet: „Wahrscheinlich haben sie von allen Generationen die meisten Apps auf dem Smartphone“. Die meisten Xennials verbänden die Digitalisierung mit Effizienzsteigerung, während nachfolgende Generationen digitale Technologien stärker für Entertainment und Social Media nutzten.
Xennials vertreten „alte Werte“ in der Arbeitswelt – und sind spezielle Eltern
Nicht nur ihre Beziehung zu digitalen Technologien macht die Generation der Xennials besonders. Anders als die Generation Y und Generation Z haben sie ein traditionelles Verständnis von Arbeit: „Was die Xennials noch von der Gen X übernommen haben, sind diese alten Werte in der Arbeitswelt. Hierarchien und 40 Stunden arbeiten sind für sie normal“, erklärt der Generationenforscher.
Im Gegensatz dazu wollen Xennial-Eltern speziell die Erziehung anders gestalten als die Boomer-Generation vor ihnen. „Xennials als Eltern legen einen großen Fokus auf ihre Kinder, da sie selbst das Gefühl haben, in ihrer Erziehung zu wenig Aufmerksamkeit erhalten zu haben“, erklärt Maas BuzzFeed News Deutschland.
Das könne dazu führen, dass es einige Eltern mit dem Behüten ihrer Kinder übertreiben. Überhaupt ist es ihnen wichtig, ihren Kindern, von denen die meisten wohl der Gen Alpha angehören, viele Möglichkeiten zu bieten, etwa Hobbys oder Reisen.
Mikrogeneration zwischen Gen X und Millennials: Gibt es Xennials überhaupt?
Während sie sich selbst als Brücken- oder Mikro-Generation bezeichnen, äußert Generationenforscher Maas Zweifel, ob es die Xennials überhaupt gibt: „Zwischengenerationen wie Xennials oder Zillenials sind oft Marketing-Erfindungen.“ Der Begriff selbst komme aus der Populärwissenschaft, die Existenz der Xennials als eigene Generation sei wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Viele Menschen können sich aber genau mit diesem Begriff identifizieren und erkennen sich in der Zwischengeneration wieder. Ein Reddit-Nutzer fasst die Lebenseinstellung der (selbsternannten) Xennials zusammen: „Wir haben mehr Hoffnung als die Gen X, aber weniger blinden Idealismus als die Millennials.“
Rubriklistenbild: © IMAGO /Future Image

