Große Umstellung

Alternative Rezeptur immer beliebter: Traditions-Wursthersteller stellt vegane Lyoner her

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Fleischersatzprodukte sind gefragt wie nie. Nun versucht sich auch ein Wursthersteller aus dem Schwarzwald an veganen Produkten.

München – In Deutschland wird immer weniger Fleisch gegessen. Waren es im Jahr 2014 noch rund 70 Kilo pro Kopf, liegt der Wert 2023 bei 53 Kilo, wie Daten der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) zeigen. Vor allem der Verbrauch von Schweinefleisch geht zurück. Auf diese Entwicklung reagieren zahlreiche Lebensmittelhersteller: Denn auch wenn weniger tierische Produkte gegessen werden, steigt die Nachfrage bei Fleischersatzprodukten rasant an. Das hat auch die Traditionsfirma Schwarzwaldhof erkannt. Sie produziert nun vegane Lyoner.

Der Zuwachs an Nachfrage bei Fleisch-Alternativen hat „uns bewegt, uns für die Zukunft zu rüsten“, erklärte Geschäftsbereichsleiter Andreas Göhring dem Südkurier. Die Frage war dann, auf welcher Basis die neuen Produkte entstehen sollen. Weizen und Soja hätte man mit Spurenhinweis kennzeichnen müssen, auch deswegen fiel die Wahl auf Erbsenprotein. Die Textur sei Fleisch zudem am ähnlichsten.

Schwarzwaldhof entwickelt vegane Produkte: „Farbe, Konsistenz und Geschmack müssen passen“

Als nächstes ging es für die Firma an die Entwicklung: „Zuerst haben wir kleinste Chargen im Labor hergestellt“, sagt Sebastian Ruhlich vom Vertrieb der Firma. Der Betrieb habe dann Kontakt zu Gewürzhändlern aufgenommen, die eine Grundrezeptur für entsprechende Produkte anbieten: „Farbe, Konsistenz und Geschmack müssen passen“, erklärt Jürgen Schneider. Sodass veganer Speck eben nach Speck duftet, und veganer Fleischersatz nach Fleisch schmeckt.

Häufiger Irrglaube: Diese 8 Lebensmittel sind oft nicht vegan

Verschiedene Nudeln in unmarkierten Verpackungen.
Nudeln sind nicht automatisch vegan, da in einigen Nudelprodukten Ei ist. Das ist aber nicht die Regel und die gute Nachricht für Veganer ist: Ei muss immer in der Zutatenliste aufgeführt sein.  © Imago
Gummibären von Haribo stehen auf einer Platte.
Wer sich schon mal gewundert hat, warum manche Gummibärchen im Supermarkt als „vegan“ verkauft werden, bekommt hier Klarheit: Viele Gummibärchen enthalten Gelatine, das nicht vegan ist – und auch für viele Vegetarier tabu ist. Gelatine entsteht durch das Auskochen tierischer Knochen, um das darin enthaltene Kollagen zu bekommen.  © David Inderlied/Imago
Ein Behälter mit der Bezeichnung E441, das für Gelatine steht
Gelatine muss aber in der Zutatenliste aufgeführt werden. Gelatine wird oft mit der Bezeichnung E441 aufgeführt. Es gibt auch Gelatine, die nicht aus tierischen Produkten gewonnen wird.  © Imago
Ein Korb mit verschiedenen Brötchen
Die meisten Brote und Brötchen bestehen nur aus Mehl, Wasser und Salz – alles durchweg vegan. Trotzdem ist auch hier Vorsicht geboten. Ein Blick auf die Zutatenliste von vor allem industriell gefertigten Brotwaren verrät, dass darin die Zutat „E920“ steckt. E920 ist das Kürzel für Cystein, das aus den Borsten, Haaren, Krallen oder Federn von Tieren gewonnen wird.  © Imago
Äpfel in einem Supermarkt in Deutschland
Obst ist nicht immer vegan? Ja, auch bei diesem Lebensmittel muss man aufpassen. Auf den Regalen liegen glänzende Äpfel, Pflaumen oder Birnen, ihr Glanz lädt den Käufer ein, sie einzustecken. Doch genau diese sollten Veganer lieber nicht einpacken, denn der Glanz entsteht durch Bienenwachs oder Schellack. Der Überzug soll nicht nur den Glanz erzeugen, sondern auch eine Austrocknung der Früchte vermeiden.  © Manfred Segerer/Imago
Eine Frau hält einen Löffel in eine rote Marmelade
Ob Erdbeer-, Himbeer- oder Kirschmarmelade: Häufig werden sie im Herstellungsprozess gefärbt, damit sie eine besonders attraktive rote Farbe bekommen. Und auch bei anderen roten Lebensmitteln wird nachgeholfen, wie beim Ketchup, oder sogar auch in zahlreichen Kosmetika. Die rote Farbe entsteht durch Karmin, das aus dem Blut von Schildläusen gewonnen wird.  © Flavia Morlachetti/Imago
Ein Mann schüttet Rotwein in ein Weinglas.
Auch bei Wein und vielen Säften wird Gelatine während des Herstellungsprozesses verwendet. Zwar wird die Gelatine hier später wieder entfernt, sodass sie nicht mehr in den Getränken enthalten ist. Dennoch ist allein der Einsatz als Klärmittel für viele Veganer schon ein No-Go.  © Imago
Saisoneröffnung Schweizerhaus in Wien, Österreich: Bier auf einem Tisch.
Die schlechte Nachricht: Im Ausland sollten Veganer lieber auf Biere verzichten. Die gute Nachricht: Inländische Biere, die nach deutschem Reinheitsgebot gebraut wurden, sind immer vegan und damit absolut in Ordnung. Im Ausland aber kommt auch beim Bier häufig Gelatine zum Einsatz.  © Isabelle Ouvrard/Imago
Label Vegan auf Lebensmittelverpackung, European Vegetarian Union
Leider müssen viele der hier genannten tierischen Produkte nicht immer gelistet werden, oder sie verstecken sich hinter kryptischen Kürzeln, die nicht jeder kennt. Ganz grundsätzlich kann aber gesagt werden: Wer ein Produkt kauft, dass das europäische V-Label hat, ist auf der sicheren Seite. Vegan gekennzeichnete Produkte verwenden zu keinem Zeitpunkt tierische Produkte.  © H.Tschanz-Hofmann/Imago

Zuerst versuchte sich die Firma aus Baden-Württemberg an einem Landjäger: „Wir sind bekannt für Schwarzwälder Spezialitäten, also wollten wir auch auf diese Produkte einsteigen“, erklärte Schneider. Einen veganen Landjäger herzustellen, sei jedoch mit eine der schwersten Aufgaben: „Durch Trocknung verändert sich das Erbsenprotein und wird eine stark bröselige Masse.“ Schließlich ging die Firma auch die Entwicklung eines veganen Bacons und eines veganen Wurstsalats an. Der Farbstoff für den Bacon wird aus Karotte gewonnen. Schließlich werden im März 2023 die ersten Chargen von veganen Lyonern hergestellt. Schneider erzählt von der Reaktion auch im eigenen Betrieb: „Besonders die Fleischer waren anfangs sehr kritisch. Im Laufe der Zeit kam die Akzeptanz.“

Veganer Wurstsalat „als erstes vergriffen“ - und auch im Europa Park beliebt

Den veganen Wurstsalat gibt es inzwischen bei Edeka Südwest zu kaufen. Göhring erzählt von der positiven Resonanz auf einem Event: „Beim Fest der Pferde auf den Immenhöfen war er als erstes vergriffen“, sagt Göhring. Auch bei einem Test im Europa Park habe es „viele Neugierige, die ihn probieren wollen“ gegeben. Der Bacon kommt schließlich im vierten Quartal 2023 auf den Markt.

Umerziehen wolle die Firma niemanden, lediglich auf sich verändernde Bedingungen reagieren. Außerdem gebe es gesundheitliche Vorteile: Die neuen Produkte haben „wenig Fett und über die Erbsen eine Quelle mit hohem Eiweißanteil.“ Testprodukte werden in drei Edeka-Märkten in Freiburg verkauft, hierbei gebe es „sehr tolle Rückmeldungen“. Auch das Marketing-Team habe sich etwas einfallen lassen: Statt der roten Bollenhüte, die traditionell im Logo der Firma auftauchen, gibt es grüne. Die Bollenhüte sind Teil der Tracht im Schwarzwald.

Unter den Veggie-Schnitzeln kam der Sieger bei einem Test jüngst von einem Discounter. Bei Weingummi sollten Vegetarier und Veganer indes genau aufpassen - denn nicht immer steht auf den Produkten, was genau drin ist. (cgsc)

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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