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Für Kroatien ist der Tourismus ein großer Pfeiler in der Wirtschaft. Doch wann wird Tourismus zu viel und unangenehm für Einheimische und Besucher?
Dubrovnik – Für viele Länder ist Tourismus essenziell und macht einen großen Teil der Wirtschaft aus. Doch was, wenn die Besucherströme irgendwann zu viel werden und negative Folgen für die Bevölkerung, aber auch die Touristen haben? In der kroatischen Stadt Dubrovnik ist dies der Fall. Im Jahr 2017 wurde die Stadt in eine Liste der zehn Touristenziele, die man unbedingt meiden sollte, gewählt. Ein Weckruf für den damals neu angetretenen Bürgermeister Mato Frankovic. „Wir mussten was tun“, erklärt der Amtsinhaber. Auch in der kroatischen Stadt Split soll nun etwas geändert werden, auch weitere Orte in Kroatien verschärfen Regeln gegen Urlauber.
Massentourismus in Kroatien: Dubrovnik als Drehort für Game of Thrones
Dubrovnik ist ein Besuchermagnet. Vor allem in den Jahren 2016 und 2017 kamen besonders viele Touristen. Mit ein Grund dafür war der damalige Hype um die Fantasy-Serie „Game of Thrones“, welche zu Teilen in der mittelalterlichen Stadt gedreht wurde. Viele Fans kamen, um die Drehorte zu begutachten.
Doch die Besucher wurden zu viel. So erklärt es auch Damir Mesovic, der bereits seit mehr als 30 Jahren in der Stadt lebt und als Reiseleiter arbeitet, gegenüber der Deutschen Presse Agentur: „Wenn zu viele kommen, ist es für uns, die wir hier leben, nicht gut, aber auch nicht für die Gäste, die kommen.“ Der Bürgermeister erzählt, wie zu Hochzeiten bis zu sieben oder acht Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig, in der Stadt anlegten. Bis zu 25.000 Touristen drängelten sich dann in der Altstadt.
Platzmangel in kroatischer-Touristenstadt Dubrovnik: Touristen drängelten sich
Dabei kann die Hauptschlagader, der Stradun, welcher nur 350 Meter lang ist, nur 7000 Menschen aufnehmen. Heute dürfen nur noch zwei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig am Hafen anlegen, diese müssen mindestens acht Stunden bleiben, statt wie zuvor nur viereinhalb Stunden. Zudem müssen auch für Ausflügler, die mit dem Bus kommen, Zeitfenster angemeldet werden. Auch Amsterdam geht gegen die Besucherströme durch Kreuzfahrtschiffe vor. Hier wird ein Kreuzfahrtterminal aus der Innenstadt verlegt.
Unangemessenes Verhalten wird unterbunden. So ist es unter der Androhung von Geldstrafen verboten, in der Altstadt nur Badekleidung zu tragen. „Wir haben diese Strafen, aber darum geht es nicht“, winkt der Bürgermeister ab. „In der Regel sagen wir bloß: Bitte, ziehen Sie sich doch ein Hemd an!“ Auch in Venedig sollte man sich etwas überwerfen. Denn hier zahlt man 250 Euro Strafe, wenn man in der Stadt Badekleidung trägt.
Massentourismus in Kroatien: Verbot von Rollkoffern?
Nach einem Interview mit der Zagreber Zeitung Jutarnji List, verbreitete sich die Falschnachricht, dass man für das Ziehen von Rollkoffern in Dubrovnik 265 Euro Strafe zahlen müsse. Der Bürgermeister kündigte ein Verbot von Rollkoffern in der Stadt jedoch nur an. Es wird lediglich empfohlen, auf die Koffer zu verzichten.
Mesovic ist dankbar für die Maßnahmen des Bürgermeisters. Sowohl die Begrenzung der Touristenströme, als auch den Appell, dass die Besucher sich respektvoll verhalten, hält er für gelungen. Die Idee, Rollkoffer zu verbieten, ergibt für ihn jedoch keinen Sinn: „Wie sollen Gäste, die ein sehr teures Apartment in der Altstadt gebucht haben, ihren 20 Kilogramm schweren Koffer 250 Meter weit schleppen?“
Zukunft des Tourismus in Dubrovnik: „Nur ein Tourismus, der nachhaltig ist, hat eine Zukunft“
Gebracht haben die Maßnahmen Frankovics laut einer Studie von Nebojsa Stojcic, Professor für Ökonomie an der Universität Dubrovnik, etwas. „Wir haben festgestellt, dass die Lenkung der Touristenströme eine gleichmäßigere zeitliche Verteilung der Belastung der Altstadt zur Folge hat“, erklärt er. Dennoch sei dies keine langfristige Lösung. „Immerhin reden jetzt alle darüber, dass Dubrovnik etwas für nachhaltigen Tourismus tun will“, so Frankovic. „Nur ein Tourismus, der nachhaltig ist, hat eine Zukunft“, erklärt der Bürgermeister der Stadt. Es gibt auch viele Ziele außerhalb des Massentourismus. Schon einmal Urlaub in Georgien oder Albanien gemacht? (Anna-Lena Kiegerl/dpa)
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