Spektakel in freier Wildbahn: Seit über 100 Jahren erstmals ein Großer Ameisenbär gesichtet
VonLennart Schwenck
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Nach über einem Jahrhundert wurde wieder ein Riesenameisenbär in Rio Grande do Sul entdeckt. Mit dem Fund hoffen Experten auf eine Wiederansiedlung der Art.
Barra do Quaraí – Wildtierkameras haben zum ersten Mal seit mehr als 100 Jahren einen Riesenameisenbären – auch Großer Ameisenbär genannt – in Brasilien gefilmt. Diese Sensation wurde dem brasilianischen Biologen Fábio Mazim und seinem Team zuteil. Die Aufnahmen entstanden im Wildpark Parque Estadual Do Espinilho im Südwesten von Rio Grande do Sul. Es ist das erste Mal seit den 1890er Jahren, dass das Tier im Bundesstaat Rio Grande do Sul gesichtet wurde, wie Noticias Ambientales berichtet,
Sichtung von seltenen Ameisenbär ein Zufallstreffer
Fábio Mazim entdeckte den Ameisenbären, als er Hunderte von Stunden Filmmaterial für eine Wildtierstudie des Instituto Pro-carnivoros auswertete. „Wir haben über einen Zeitraum von sechs Monaten mehrere Videos aufgenommen. Das Tier scheint in einem sehr guten Zustand zu sein und sich in dem Gebiet etabliert zu haben“, erklärt der Biologie begeistert gegenüber Noticias Ambientales. Im Moment sei es nicht möglich zu bestimmen, ob es sich um ein Männchen oder ein Weibchen handle, oder ob es ein oder mehrere verschiedene Individuen seien.
Erfolgreiches Wiederansiedlungsprojekt: Ameisenbären vermehren sich
Die brasilianische Tierärztin Flavia Miranda vom Tamandua-Institut bestätigte die Bedeutung der Entdeckung: „Es ist fast sicher, dass dieses Tier aus der argentinischen Provinz Corrientes eingewandert ist und zu der in den Sümpfen von Iberá wieder angesiedelten Population gehört; die geografische Nähe und die morphologischen Merkmale, die wir bei dem Tier beobachtet haben, lassen uns zu diesem Schluss kommen“, erklärt sie in dem Medienbericht.
Alicia Delgado, Mitglied von Rewilding Argentinien und Koordinatorin des Wiederansiedlungsprojekts für Riesenameisenbären in Iberá, erinnert sich an die Freilassung des ersten Ameisenbärenpaars in Colonia Carlos Pellegrini 2007: „Es war ein Moment großer Emotionen und auch einer gewissen Unsicherheit, da es das erste Mal war, dass ein Versuch unternommen wurde, diese Art an einem Ort wieder anzusiedeln, an dem sie verschwunden war“, so die Biologin.
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Delgado weiter: „Mit der großen Unterstützung der Behörden, der lokalen Bevölkerung und vieler Wissenschaftler konnte die anfängliche Kritik an dem Projekt abgebaut werden, und heute ist die Rückkehr des Riesenameisenbären einer der größten Erfolge im Naturschutz weltweit“.
Das Wildtier-Projekt hat bisher mehr als 110 Ameisenbären ausgewildert. Die nun nach Brasilien vorgedrungene Population zeigt, dass die Wiederherstellung der Natur durch grenzübergreifende Zusammenarbeit möglich ist. Experten planen nun, das gesichtete Individuum zu fangen, um seine Eigenschaften und Gesundheit zu untersuchen. (ls)