Wenn der Retter zum Opfer wird

Angefahren, angespuckt, beleidigt – Feuerwehr fordert harte Strafen für Angriffe auf Einsatzkräfte

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Ein Löschfahrzeug der Feuerwehr fährt mit Blaulicht zu einem Einsatz (Symbolbild).
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Sie werden bei Einsätzen beschimpft, beleidigt oder attackiert. Feuerwehrleute, Polizisten und Rettungssanitäter haben es satt. Als Antwort auf Aggressionen will der Feuerwehrverband Verurteilungen sehen.

Berlin – In Hessen werden auf der Fahrt zur Einsatzstelle Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr mit Eiern beworfen. Auf der A9 bilden Kfz-Halter keine Rettungsgasse. Einsatzkräfte und Rettungssanitäterin bahnen sich zu Fuß den Weg zum Unfallort und werden von den Autofahrern beleidigt. Solche und ähnliche Szenarien kennen Feuerwehrleute, Polizei und Rettungssanitäter. Der Deutsche Feuerwehrverband fordert nun ein hartes Durchgreifen bei Angriffen auf Einsatzkräfte. „Der Staat muss dafür Sorge tragen, dass Feuerwehren, aber auch Rettungsdienste und Polizei als Vertreter des Staates nicht ohne harte Strafen angegriffen werden“, sagt Karl-Heinz Banse, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Die Gesetze geben das her.“

Feuerwehr fordert, dass Strafen auch durchgesetzt werden

Es sei bereits alles geregelt. „Wir brauchen keine härteren Strafen. Ich möchte nur, dass diese Strafen durchgesetzt werden. Ich möchte, dass Urteile gefällt werden“, so Banse. Es könne nicht sein, dass seine Leute gefährdet oder fast überfahren werden. Und das letztendlich als Bagatelldelikt dargestellt würde. Sebastian Späthe, Sprecher der Johanniter Unfallhilfe in Leipzig berichtet, dass seine Kolleginnen und Kollegen aus den Rettungsdiensten eine steigende Aggression bei den Einsätzen beobachten. Oft handele es sich um verbale Anfeindungen.

Feuerwehr und Einsatzkräfte bedrohen – „Das geht gar nicht.“

In Baden-Württemberg waren im vergangenen Jahr Feuerwehrleute und Rettungsdienste öfters der Gewalt ausgesetzt als im Jahr zuvor. Die Zahl der Straftaten gegen sie stieg um fünf auf 187. Innenminister Thomas Strobl (CDU) appelliert an die Menschen im Land, sich „wie eine Schutzmauer vor unsere Einsatz- und Rettungskräfte zu stellen“. Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungsdienste verdienten Respekt und Anerkennung. „Wer Einsatzkräfte bedroht oder gar verletzt, beschädigt das gesellschaftliche Klima und den Zusammenhalt, er überschreitet eine rote Linie“, sagte Strobl gegenüber der Deutschen Presse Agentur. „Das geht gar nicht.“

Die Polizei in Hamburg berichtet von mehr Gewalt gegen Beamte in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres. Insgesamt sind 1958 Fälle verzeichnet. Das seien 184 mehr als im Vorjahreszeitraum, teilt Polizei der Deutschen Presse Agentur mit. Darunter waren allein 899 tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte.

Allein in Bayern melden das Bayerische Rote Kreuz (BRK) und die Johanniter einen spürbaren Rückgang. Offizielle Zahlen für 2022 liegen noch nicht vor. Doch in der internen Statistik seien weniger Fälle aufgeführt als in den beiden Vorjahren, so BRK-Sprecher Sohrab Taheri-Sohi.

Laut einer Statistik des Innenministeriums ist die Zahl der tatsächlich erfassten Fälle, in denen die Retter Opfer einer Straftat werden, seit Jahren relativ konstant. Eine Übersicht des Innenministeriums zeigt, dass von 2015 bis 2021 jeweils mehr als 100 Angehörige von Feuerwehr und Rettungsdiensten Opfer einer Straftat wurden.

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Feuerwehr und Einsatzkräfte – Wer ist schon bereit mitzumachen, wenn er angespuckt wird

Der Feuerwehrverband beklagt die zunehmende Respektlosigkeit: „Der Respekt gegenüber denjenigen, die anderen helfen, der sollte wieder größer werden.“ Das sei nicht zuletzt wichtig für die Motivation ehrenamtlicher Kräfte. „Wer ist schon bereit, irgendwo mitzumachen, wenn er damit rechnen muss, an der Einsatzstelle angespuckt zu werden“, sagte Präsident Banse.

Nach seinen Worten würden Einsatzkräfte von Schaulustigen bei ihrer Arbeit behindert. „Wir wissen, dass wir manchmal weniger Einsatzkräfte haben. Aber man muss heute bei fast jedem Einsatz zusätzliche Kräfte abstellen, die verhindern, dass die Schaulustigen zu dicht an die Einsatzstelle herankommen.“ So werden ihm zufolge bei Unfällen auf Bundesstraßen oder Autobahnen zwei bis drei Retter benötigt, um Planen als Sichtschutz zu spannen. „Damit soll verhindert werden, dass Gaffer Bilder machen. Das ist ein Problem.“ (ib/dpa)

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