VonKarolin Schaeferschließen
Vor allem junge Menschen leiden offenbar vermehrt unter der „Speisenkarten-Angst“. Für die Gen Z kann der Restaurantbesuch zur regelrechten Tortur werden.
München – Die Generation Z, die zwischen den späten 1990er und frühen 2000er Jahren geboren wurde, fehlt nicht nur immer öfter bei der Arbeit. Nun wurde offenbar ein neues Phänomen der Gen Z bekannt, die sogenannte „Speisekarten-Angst“.
Neues Phänomen der Gen Z: Junge Menschen leiden unter „Speisekarten-Angst“
Eine Umfrage der Marktforschungsagentur OnePoll stellte fest, dass in den USA besonders junge Erwachsene darunter leiden. Aber nicht nur die Gen Z, sondern auch Millennials würden Ängstlichkeit oder Stress, wenn es um die Auswahl der Speisen im Restaurant geht, empfinden. Als Millennials werden Menschen bezeichnet, die zwischen den frühen 1980er und den späten 1990er Jahren geboren wurden. 41 Prozent der 2000 Befragten gaben an, ängstlich beim Restaurantbesuch zu sein. Demnach hatten jüngere Befragte weitaus mehr Angst beim Bestellen, als beispielsweise Boomer (Jahrgänge von Mitte der 1950er bis Ende der 1960er Jahre) mit 15 Prozent.
Eine andere Umfrage kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Wie die New York Post unter Berufung auf eine Untersuchung der britischen Restaurantkette Prezzo berichtete, würden 86 Prozent der rund 2000 Befragten im Alter zwischen 18 und 24 Jahren unter dieser Angst leiden. Untersucht hatte die Kette, wie entspannt sich junge Menschen bei einem Restaurantbesuch fühlen. Im Vergleich dazu würden 67 Prozent aller Teilnehmer unter dieser Angst leiden. 34 Prozent der Befragten in der Gen Z gaben sogar an, so ängstlich zu sein, dass sie sich nicht trauen, die Bestellung dem Kellner mitzuteilen.
Gen Z leidet vermehrt unter „Speisekarten-Angst“: Das sind mögliche Gründe
„Obwohl sich die meisten Menschen darauf freuen, in der Weihnachtszeit auswärts zu essen, wissen wir, dass es für einige stressig sein kann“, erklärte Prezzo-CEO Dean Challenger gegenüber der New York Post. Grund für diese Angst könnten die gestiegenen Preise fürs Auswärtsessen sein. Auch die Sorge, auf der Speisekarte nichts Passendes zu finden oder im Nachhinein die Bestellung zu bereuen, trage dazu bei. 40 Prozent der Befragten der Gen Z gaben zudem an, nicht essen zu gehen, wenn sie vorab nicht in die Speisekarte schauen können.
Gabriel Rubin, Professor für Rechtswissenschaften an der Montclair State University, stellte fest, dass die Gen Z Schwierigkeiten habe, außerhalb von sozialen Medien Kontakte zu knüpfen. „Sie sind Digital Natives, aber aufgrund von Covid und anderen Faktoren haben sie wichtige soziale Fähigkeiten in der realen Welt verpasst“, sagte der Wissenschaftler der New York Post. Deshalb könnten auch so scheinbar banale Dinge wie essen gehen zur Belastung werden.
Auch andere können die Sorge vor dem Restaurantbesuch nachvollziehen. „Ich habe das und ich bin ein Boomer“, schrieb ein Nutzer beim Kurznachrichtendienst X. „Genau deshalb wurden diese Tisch-Bestell-Apps erfunden“, meinte ein anderer.
Gen Z wird häufig kritisiert: „Langfristige Ziele sind nicht mehr erreichbar“
Die jüngere Generation wird vor allem im Zusammenhang mit der Arbeitswelt scharf kritisiert. Oft wird der Gen Z nachgesagt, sie sei zu faul oder zu wählerisch. Dabei haben junge Menschen in Zeiten von Krisen und Pandemie ein großes Bedürfnis nach Sicherheit. „Langfristige Ziele wie ein Haus oder Auto sind nicht mehr erreichbar“, sagte Rüdiger Maas vom Institut für Generationenforschung der Hamburger Morgenpost.
Zudem würden verstärkte Smartphone-Nutzung, ständige Erreichbarkeit, Druck in sozialen Medien und Cybermobbing eine zusätzliche Belastung bedeuten. „Und wenn ich das Gefühl habe, mehr belastet zu sein, dann nehme ich es auch so wahr“, erklärte der Psychologe. Gleichzeitig sorge sich die Gen Z mehr um ihre Gesundheit und nehme vor allem psychische Belastungen ernster als vorherige Generationen.
Eine Studie zeigte zuletzt, dass vor allem Millennials die größten Fans des Homeoffice sind. Wer sich weder den Millennials noch der Gen Z wirklich zugehörig fühlt, könnte ein Zillennial sein.
Rubriklistenbild: © Jose Carlos Ichiro/imago

