Versteck in der Wand

Sensationsfund bei Renovierung: In „Zeitkapsel“ sind mehrere Milliarden Mark

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Interessanter Fund bei Renovierungsarbeiten: In einer Wand entdeckte ein Ehepaar einen alten Brief und viele Milliarden Mark.
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Ein Paar findet beim Renovieren in einer Wand einen fast 100 Jahre alten Schatz. Sie sind aber nicht die ersten, die darauf stoßen.

Ansbach – Jedes Gebäude erzählt seine Geschichte. Sei es an der Fassade oder im Innenleben. Manchmal ist das ziemlich offensichtlich. Zumeist aber wird besondere Aufmerksamkeit gefordert. Und selbst langjährigen Bewohnern bleibt eine Menge verborgen.

Paar findet Brief aus dem Jahr 1926: Auch alte Zeitung und viel Geld in Wand versteckt

Im Falle eines fränkischen Ehepaares verhalfen nach dessen Angaben Renovierungsarbeiten zu einer Zeitreise über fast ein Jahrhundert. Ihre Entdeckung samt Beweisbildern teilen sie auf Reddit mit anderen Usern. In der Gruppe „Kurrent“, die sich mit der früheren deutschen Schrift gleichen Namens beschäftigt.

In jener Schrift wurde der erste von zwei Briefen verfasst, die das Paar zusammen mit einer alten Zeitung und einer ganzen Menge Geld aufstöberte. Während sie aufgeräumt hätten, sei ihnen eine versteckte Tür in einer Wand aufgefallen, berichten sie. Dahinter seien sie auf diesen besonderen Schatz aus der Vergangenheit gestoßen.

Fast 100 Jahre alter Brief gefunden: Verfasser klagt über Hyperinflation - „Um alles betrogen“

Der Fund fasziniert die User, binnen weniger Tage sammelten sich mehr als 100 Kommentare an. Einer springt auch auf die Bitte an, den ersten in Kurrent verfassten Brief zu entschlüsseln. Demnach klagte der damalige Schreiber über die Folgen der Hyperinflation. „Wer auf den Ersparnissen seines Lebens im Alter sorgenfrei ruhen und davon leben wollte, sah sich in kurzer Zeit um alles betrogen und musste Unterstützung aus öffentlichen Mitteln annehmen, während der sonst arme Tagelöhner bei seinem täglichen Verdienst doch reich war dem anderen gegenüber“, heißt es demnach.

Am 26. Oktober 1923 sei eine Billion Mark auf eine Goldmark umgerechnet worden, womit der höchste Stand der Entwertung erreicht gewesen sei. „Damit hatte der Zahlenwahnsinn sein Ende erreicht. Tausende von Deutschen hatten damit keine Mark, sondern nur noch Pfennige in Händen, es war wie ein schrecklicher wüster Traum, der doch Wahrheit war“, entschlüsselt der User weiter.

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Brief zur Hyperinflation in 1920er Jahren entdeckt: „Erinnerung an Deutschlands tiefste Not“

Der Brief wurde demnach am 30. Oktober 1928 beim Tapezieren versteckt, und zwar von Konrad Hertel, demnach Oberverwalter bei der allgemeinen Ortskrankenkasse Ansbach-Land. Adressiert war er an „die kommenden Geschlechter zur Erinnerung an Deutschlands tiefste Not“. Was im Rückblick reichlich makaber klingt, mit dem Wissen, welches Unheil wenige Jahre später über das Land hereinbrach.

So schreiben es auch andere User: „Poah, das ist brutal. 1928 glaubt er, das Schlimmste überstanden zu haben.“ Oder: „Erinnert an dieses Simpson-Meme…das Schlimmste…das Schlimmste bis jetzt.“

Zweiter Brief aus dem Jahr 1960: Verfasserin befürchtet nahenden Krieg und schimpft auf Russland

Dem Post aus Ansbach zufolge findet sich auf der Rückseite des Blattes eine weitere Nachricht vom 18. Mai 1960. Darin ist zu lesen, dass der Brief beim Tapezieren gefunden wurde und Deutschland „wieder eine schwere Zeit durchzustehen“ habe. Dies liege an den Besatzungsmächten, von denen Russland „die schwierigste“ sei: „Jede Nacht fliehen Hunderte von Menschen aus Ostdeutschland (von Russen besetzt) nach Westdeutschland, um dem unmenschlichen Terror zu entgehen.“

Erwähnt wird in dem Schreiben von Mathilde Fastner der heraufziehende Konflikt zwischen Russland, das zwei Tage zuvor eine vier Tonnen schwere Rakete ins All geschickt habe, und den anderen Alliierten. Der russische Ministerpräsident habe die Gipfelkonferenz mit den USA, England und Frankreich platzen lassen, „seine Forderungen waren für die freie Welt unannehmbar“. Die Verfasserin befürchtet einen nahenden Krieg und wünscht sich: „Wenn dieses Papier wieder einmal gefunden wird, dann ist hoffentlich in der Welt Frieden eingekehrt (…).“ Außerdem hofft sie auch einen weltweiten Handel und eine freie Welt.

Mit Letzterem kann die Erde aktuell nur bedingt dienen, wie sich täglich zeigt. Auch unter in den Kommentaren wird darüber diskutiert, inwiefern sich die Geschichte doch immer wiederholt oder zumindest in großen Teilen ähnelt.

Sensationsfund aus Wand soll ins Museum: „Leute sollen sich an Zeitkapsel erfreuen“

Der User, der den ersten Brief entschlüsselte, ist umso erstaunter und schreibt: „Eine Zeitkapsel von 1926, die 1960 schon mal gefunden wurde.“ Sein Vorschlag: „Ich würde selbst eine Nachricht schreiben, dazu legen und sie wieder verstecken, damit sich in Jahrzehnten wieder einer drüber freuen kann.“ Diese Meinung teilen mehrere Reddit-Nutzer.

Der Verfasser des Ursprungs-Posts hat jedoch andere Pläne, wie er verrät: „Meine Frau und ich haben uns entschieden, dass wir diese Zeitkapsel nicht wieder in die Wand tun, sondern einem örtlichen Museum vorbeibringen.“ Ihre Wahl fiel demnach auf das Markgrafenmuseum. Auf diesem Weg hoffen sie, „dass mehr Leute sich an dieser Zeitkapsel und dem Zeitgeschehen erfreuen“ können.

Die Deutsche Post findet einen Karton mit 17 Jahre alten Briefen und stellt die nachträglich zu. Eine Frau aus Niederbayern hat mehr als 100 Brieffreundschaften auf der ganzen Welt. (mg)

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