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Omikron BA.5 ist mittlerweile als Corona-Variante in Deutschland vorherrschend. Doch wie groß ist das Infektionsrisiko von dem Subtyp und BA.4?
Berlin – Omikron BA.5 und die Ansteckung mit dem Subtypen bestimmt das Corona-Geschehen in Deutschland. Bereits bei über 50 Prozent liegt der Anteil der Omikron-Untervariante BA.5 vom Coronavirus inzwischen. Das vermeldet das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem Wochenbericht von Donnerstag, 23. Juni 2022. Da der Anteil von Omikron BA.5 bereits zuvor kontinuierlich gestiegen ist, dürfte bereits von einem weiteren Anstieg ausgegangen werden. Selbiges gilt für die Omikron-Untervariante BA.4. Die Frage aller Fragen: Wie ansteckend sind diese beiden Corona-Varianten Omikron BA.5 und BA.4 überhaupt?
Omikron BA.5: Wie lange man mit der Corona-Variante ansteckend ist – Experten Ciesek gibt Einschätzung
Das „European Centre for Disease Prevention and Control“ (ECDC) sieht bislang jedoch keine Anzeichen dafür, dass die in Portugal entdeckte Omikron-Untervariante BA.5 zu einem schwereren Krankheitsverlauf führen könnte, als es bei anderen Omikron-Linien der Fall ist. Dasselbe nimmt die Gesundheitsbehörde der Europäischen Union (EU) auch für die Omikron-Untervariante BA.4 an.
Weder Omikron BA.4 noch Omikron BA.5 würden nach derzeitigem Stand wieder mehr Lungenzellen infizieren und damit schwere Krankheitsverläufe hervorrufen. Eine absolute Gewissheit gibt es für diese Annahme jedoch noch nicht. „Ich halte es für möglich, dass BA.5 wieder etwas pathogener sein könnte, aber das ist abschließend nicht geklärt“, heißt es von Virologin Sandra Ciesek im Corona-Podcast vom NDR. Pathogen meint dabei, dass die Viren eben einen deutlich schweren Verlauf verursachen können.
Omikron BA.5 und BA.4 noch ansteckender als andere Omikron-Untervarianten
Präventiv wurden die Corona-Untervarianten Omikron BA.4 und BA.5 schon Mitte Mai 2022 von der EU-Gesundheitsbehörde ECDC als besorgniserregende Varianten eingestuft. Was die Untervarianten der Omikron-Variante vom Coronavirus vor allem von der Delta-Variante unterscheidet? Sie sind deutlich ansteckender. Auch gegenüber Omikron BA.2 sind BA.4 und BA.5 deutlich infektiöser.
Omikron BA.4 und BA.5 ist es möglich, den Immunschutz, der beispielsweise durch eine Impfung oder eine bereits überstandene Corona-Infektion vorhanden ist, noch besser zu umgehen, als es bei Omikron BA.1 und BA.2 der Fall war. Heißt in der Praxis: Beim wem eine Infektion Omikron BA.1 oder BA.2 nicht lange zurückliegt, der kann sich durchaus erneut anstecken – und zwar mit beiden Untervariante Omikron BA.5, aber auch mit Omikron BA.4.
Erhöhte Ansteckung durch Omikron BA.4 und BA.5: Durch Mutationen im Spike-Protein ansteckender als andere Varianten
Die Ursache für die mögliche erhöhte Ansteckung durch Omikron BA.5 und BA.4 liegt vermutlich in Mutationen im Spike-Protein des Virus begründet, mit denen es letztendlich an menschliche Zellen andockt. In diesem Kontext gilt es auch zu wissen, dass die Omikron-Untervarianten BA.1 bis BA.5 nicht eine aus der anderen hervorgegangen sind. Vielmehr haben alle einen gemeinsamen Ursprung, aus dem sie sich dann getrennt voneinander entwickelt haben.
Spekulativ ist hingegen noch, was die nähere Corona-Zukunft, vor allem mit Blick auf den Herbst 2022, bringen könnte. Wenn die Temperaturen sinken und die Freizeit wieder mehr in Innenbereichen verbracht wird, kann sich das natürlich auch in einem Anstieg der Infektionszahlen widerspiegeln. Im Speziellen, wenn sich Omikron BA.5 bis dahin weiterhin rasant ausbreitet.
Omikron BA.5: Wie die Inkubationszeit bei der extrem ansteckenden Corona-Variante ausfallen kann
Eine Gewissheit, wie lange die Inkubationszeit bei Omikron BA.5 ausfällt, gibt es nach aktuellem Stand der Forschung noch nicht. Grundsätzlich besteht jedoch die Annahme, dass sich die Inkubationszeit nach einer Omikron-Infektion im Allgemeinen auf durchschnittlich drei Tage beläuft. Dies hatten bereits mehrere Studien ergeben. Für das Coronavirus an sich soll die Zeit zwischen der Infektion mit dem Erreger und dem Auftreten erster Symptome übrigens bei fünf bis sechs Tagen liegen.
Jedoch muss hinsichtlich der Inkubationszeit zwischen den verschiedenen Omikron-Subvarianten unterschieden werden. So gibt es beispielsweise hinsichtlich der Inkubationszeit von Omikron BA.2 und den damit verbundenen Symptomen noch keine eindeutige zeitliche Eingrenzung. Auch hier erscheinen drei Tage bis zum Auftreten erster Symptome realistisch. Die offizielle Bestätigung vonseiten der Wissenschaft steht aber noch aus.
Karl Lauterbach (SPD) warnt vor Personalengpässen wegen enormer Ausbreitung von Omikron BA.5
Auch, wenn eine Infektion mit Omikron BA.5 oft „nur“ einen milden Krankheitsverlauf mit sich bringt: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnt davor, die Corona-Lage nicht zu unterschätzen.
Denn durch die hohe Übertragungsrate von Omikron BA.5 sei in Deutschland vor allem in systemrelevanten Branchen mit Personalengpässen zu rechnen. Hierzu zählen beispielsweise die Menschen, die im Gesundheitssektor aktiv sind. Die Folge: Omikron BA.5 könnte zu vielen Krankschreibungen führen, es drohen große Ausfälle personeller Natur.
Omikron BA.5: Schützen auskurierte Infektionen mit BA.1 und BA.2 vor einer neuen Infektion?
Wer die Hoffnung hatte, dass bereits auskurierte Infektionen mit Omikron BA.1 oder BA.2 vor einer Infektion mit Omikron BA.5 schützen, dem nehmen Wissenschaftler aus Göttingen den Wind aus den Segeln. Dem ist nämlich nicht so. Mutationen verändern nämlich das Spike-Protein der Omikron-Subvariante BA.5, wodurch das Infektionsrisiko weiterhin groß ist und bleibt.
* Transparenzhinweis: Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert, zuletzt am Samstag, 2. Juli 2022, um 17:18 Uhr.
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