Heißester Monat aller Zeiten?

Hitzewelle überrollt Europa: Ort wegen Waldbrand evakuiert – Tote am Strand in Italien

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    Julian Mayr

Europa stöhnt unter einer Hitzewelle. An vielen Orten werden neue Rekord-Temperaturen erreicht – selbst nachts gibt es keine Abkühlung. Mehrere Menschen starben bereits.

Update vom 2. Juli, 19.50 Uhr: Die extremen Wetter-Verhältnisse machen sich in Deutschland nicht nur in Form von hohen Temperaturen bemerkbar. Die anhaltende Trockenheit führt auch zu erhöhter Waldbrandgefahr. In der Gohrischheide, an der Grenze von Sachsen und Brandenburg, musste aufgrund eines solchen Brandes nun ein Ort samt Wohnheim für schwerbehinderte Menschen evakuiert werden. Betroffen seien insgesamt rund 100 Menschen, davon etwa 45 Heimbewohner. 

„Bitte verlassen Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit alle Gebäude in der Ortslage Heidehäuser umgehend in Richtung Lichtensee“, hieß es bei der Warn-App Nina. Man solle nur das Notwendigste mitnehmen, wurde geraten. Die Brandausdehnung habe sich seit dem Mittag mehr als verzehnfacht, sagte der stellvertretende Gemeindewehrleiter in Zeithain, Raiko Riedel der dpa. Inzwischen seien rund 600 Hektar Fläche von dem Feuer betroffen. Rund 180 Einsatzkräfte seien vor Ort. Das Areal wurde früher als Truppenübungsgelände genutzt. 

Im Osten Deutschland grassiert derzeit ein großer Waldbrand. Einwohner eines Wohnheims für schwerbehinderte Menschen musste evakuiert werden.

An den Rändern seien die Kräfte mit Löschfahrzeugen präsent. Die Ländergrenze zu Brandenburg sei durch das Feuer überschritten, sagte Brandenburgs Innenminister René Wilke.

Update vom 2. Juli, 17.25 Uhr: Die aktuelle Hitzewelle fordert die nächsten Todesopfer. Wie der Corriere della Sera berichtet, starben auf Sardinien zwei Menschen am Strand. Ein 75-jähriger Mann wurde in an der Nordostküste der Ferieninsel von plötzlichem Unwohlsein erfasst. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Der zweite Todesfall ereignete sich dem Medienbericht zufolge in San Teodoro, am Strand von Lu Impostu. Ein 60-jähriger Mann klagte ebenfalls über plötzliches Unbehagen.

In Frankreich kam ein Mädchen (10) beim Besuch der Schlossanlage von Versailles zu Tode, berichtet Le Figaro. Die genaue Todesursache muss noch geklärt werden. Das Kind soll sich jedoch kurz vor ihrem Tod über die enorme Hitze beklagt haben.

In Sardinien fielen zwei Menschen am Strand der extremen Hitze zum Opfer. (Collage)

Nächster Hitze-bedingter Stromausfall in Italien

Update vom 2. Juli, 14.57 Uhr: In Italien hat die extreme Hitze in der Touristen-Metropole Florenz mehrere Stromausfälle verursacht und für Chaos gesorgt. Wie der Corriere Fiorentino berichtet, waren am Nachmittag im Zentrum der Stadt zahlreiche Menschen stundenlang ohne Strom. Demnach blieben Häuser, Hotels und Geschäfte dunkel, auch Alarmanlagen waren vorübergehend deaktiviert. Außerdem ging an Kassen und Geldautomaten nichts mehr.

Aus Sicherheitsgründen wurde das bekannte Kaufhaus La Rinascente auf der Piazza della Repubblica während des Stromausfalls geräumt. Augenzeugen zufolge nutzten einige Kundinnen und Kunden die chaotischen Zustände, um ohne zu bezahlen zu verschwinden.

Hitze erfasst Europa: LKW-Fahrer in Italien stirbt – zwei Leichen bei Brand in Spanien entdeckt

Update vom 2. Juli, 10.56 Uhr: Ganz Europa kämpft mit den Auswirkungen der Hitze. In Italien ist ein Todesopfer zu beklagen. Laut repubblica.it wurde ein 70-jähriger Lkw-Fahrer am frühen Morgen tot in seinem Fahrzeug auf einem Rastplatz an der A4 Sirmione–Peschiera del Garda in der Provinz Brescia aufgefunden. Der Verstorbene litt demnach an einer Vorerkrankung, ob die Hitze bei seinem Tod eine unmittelbare Rolle spielte, sei nicht auszuschließen.

In Spanien starben indes zwei Menschen bei einem Großbrand, der seit Dienstag in der Stadt Torrefeta in der Gemeinde La Segarra (Lleida) in Katalonien wütet. Dem Bericht zufolge hatte die Feuerwehr die beiden Toten innerhalb des Brandgebiets in der Gemeinde Coscò gefunden, die sich 20 Kilometer vom Brandherd entfernt befindet.

Hitzewelle in Europa: Temperaturrekord in Deutschland – Ortsteil in Brandenburg zeitweise evakuiert

Update vom 2. Juli, 5.09 Uhr: Der deutsche Hitzerekord fiel am Dienstag im bayerischen Kitzingen. Hier wurden 37,8 Grad gemessen, teilt der Deutsche Wetterdienst mit. Die bisherige Rekordtemperatur des Jahres stammte vom 22. Juni aus Saarbrücken-Burbach im Saarland mit 36,2 Grad. Doch schon am heutigen Mittwoch könnte der bayerische Rekord wieder geknackt werden, es bleibt heiß.

Laut Prognose erreicht auch die Waldbrandgefahr in Deutschland am Mittwoch ihren vorläufigen Höhepunkt. Am Dienstag waren 52 Bewohner des Ortsteils Kleinbahren im Elbe-Elster-Kreis (Brandenburg) wegen zwei größerer Waldbrände evakuiert worden. Am Abend durften sie jedoch wieder zurück, die Feuer sind laut Katastrophenschutzstab unter Kontrolle.

Traktoren unterstützen die Löscharbeiten bei Waldbränden in Brandenburg – am Tag darauf steigen die Temperaturen weiter.

Update vom 1, Juli, 19.07 Uhr:  Die extremen Temperaturen in vielen Teilen Europas forderten bereits mehrere Todesopfer. Nun ist ein etwa zweijähriger Junge Medienberichten zufolge von seinem Vater in Spanien im Auto vergessen worden und vermutlich an einem Hitzschlag gestorben. Die Feuerwehr in der Stadt Valls, etwa 80 Kilometer südwestlich von Barcelona, habe kurz nach 15 Uhr einen Notruf erhalten und ein Rettungsteam entsandt, berichteten die Zeitung „La Vanguardia“ und andere Medien der Region übereinstimmend. 

Als die Sanitäter vor Ort eintrafen, habe der Vater seinen Sohn bereits in einen klimatisierten Raum gebracht. Aber alle Versuche, das Kind wiederzubeleben, seien gescheitert, hieß es in den Berichten. Am Dienstagnachmittag (1. Juli) wurden in dem Ort etwa 37 Grad im Schatten gemessen. Im Inneren eines Autos, das in der prallen Sonne wie ein Treibhaus wirkt, können die Temperaturen aber auf weit über 50 Grad steigen. Warum der Vater sein Kind im Auto vergessen hatte, war laut dpa zunächst nicht bekannt. Die Eltern erhielten den Angaben zufolge psychologische Betreuung und die Polizei eröffnete ein Ermittlungsverfahren.

Massiver Stromausfall in Bergamo aufgrund von extremer Hitze

Update vom 1. Juli, 17.23 Uhr: Die norditalienische Stadt Bergamo ist seit heute Nachmittag (1. Juli) von einem großflächigen Stromausfall betroffen. Wie der Corriere di Bergamo berichtet, soll der Blackout mit der anhaltenden Hitzewelle in Verbindung stehen. Laut dem Zeitungsbericht fielen in mehreren Stadtteilen Ampeln aus, Menschen saßen in Aufzügen fest, Alarmanlagen heulten unkontrolliert. Das Zentrum, Wohngebiete, Büros und Geschäfte waren ohne Strom.

Der Energieversorger Enel bestätigte Störungen im Mittelspannungsnetz, vermutlich durch Überlastung aufgrund exzessiver Klimaanlagen-Nutzung bei der Rekordhitze. Gegen 17 Uhr begann die Stromversorgung in einigen Stadtteilen wieder zu funktionieren. In Italien ist auch in den kommenden Tagen kaum Entspannung in Sicht. Für 18 Städte gilt auch für Mittwoch (2. Juli) und Donnerstag (3. Juli) weiterhin die höchste Hitzewarnstufe, informiert das Gesundheitsministerium in Rom.

Paris wohl am Höhepunkt von Hitzewelle: Spitze des Eiffelturms für Besucher geschlossen

Update vom 1. Juli, 16.12 Uhr: Weite Teile Europas steuern auf den Höhepunkt der aktuellen Hitzewelle zu. Betroffen von den hohen Temperaturen ist auch die französische Hauptstadt Paris. Am heutigen Dienstag werden Temperaturen von mehr als 38 Grad erwartet. Seitens der Verwaltung wurde deshalb die höchste Stufe 4 des Hitzeplans aktiviert. Parkanlagen sind nachts geöffnet, gefährdete Personen sollen einfacher Hilfe erhalten und auch städtische Schwimmbäder bleiben länger offen.

Geschlossen hingegen ist das Wahrzeichen der Stadt, der Eiffelturm. Zumindest teilweise. Auf die Spitze des 330 Meter hohen Monuments können Besucher heute und morgen Mittwoch nicht. Zugänglich seien hingegen der erste und zweite Stock des Eiffelturms. Ebenfalls geschlossen sind laut Le Monde landesweit mehr als 1900 Schulen. Es dürfte jedoch der vorläufige Höhepunkt der Extremhitze in Paris sein. Ab Mittwoch (2. Juli) sollen die Temperaturen dem Wetterdienst lachainemeteo.com zufolge wieder zurückgehen.

Paris stöhnt unter hohen Temperaturen. Der Eiffelturm ist zwischenzeitlich wegen der Hitze gesperrt.

Europa von extremer Hitze heimgesucht: Temperaturen über 40 Grad erwartet

Update vom 1. Juli, 10.56 Uhr: Italien hat die ersten Toten der aktuellen Hitzewelle zu beklagen. Wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtet, starb am Montag ein 47-Jähriger, der in der Gegend von Bologna auf einer Baustelle kollabierte. Ein 70-Jähriger ertrank bei schweren Alpen-Unwettern, die sich nach der Hitze entluden, im Hochwasser des Flusses Frejus.

Die Hitzewelle ist außergewöhnlich. Laut BBC verzeichnen Deutschland, Frankreich und die Benelux-Staaten am Dienstag und Mittwoch (2. Juli) Temperaturen zwischen zwölf und 16 Grad über dem Durchschnitt. Besonders heftig fällt das Extrem-Wetter in Paris und dem Val de Loire aus, hier werden Temperaturen von bis zu 41 Grad erwartet. Frankreich hat die höchste Hitze-Alarmstufe ausgerufen und warnt auch Menschen in guter körperlicher Verfassung.

Update vom 1. Juli, 5.15 Uhr: Rote Wetter-Warnstufe auch in großen Teilen von Frankreich. 16 Départements haben eine Extremwetterwarnung ausgegeben, 68 weitere melden Wetterwarnungen der zweithöchsten Stufe. Zum ersten Mal seit fünf Jahren trifft die höchste Warnstufe auch die Hauptstadt Paris, wo bis zu 41 Grad Celsius erwartet werden.

Bereits am Sonntag (29. Juli) wurde das Atomkraftwerk Golfech bei Toulouse abgeschaltet. Aufgrund der Hitzewelle seien die Temperaturen des Flusses Garonne zu hoch, um das Kraftwerk zu kühlen, heißt es in einer Mitteilung. Die Abschaltung ist momentan bis zum 7. Juli vorgesehen.

Hitze-Welle trifft ganz Europa: „Sehr hohe Gefährdung“ – Sogar Arbeitsverbote geplant

Erstmeldung vom 30. Juni, 13.17 Uhr: Berlin – Die Hitzewelle überrollt unter anderem Italien, Spanien, Portugal, Griechenland, Frankreich und Deutschland. Viele Regionen geben die höchsten Hitzewarnstufen heraus, teilweise erwägen die lokalen Regierungen sogar Arbeitsverbote. Meteorologen zufolge könnte der Juni der heißeste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden.

Frankreich, Italien, Spanien, Portugal: Regierungen mancher Regionen denken über Arbeitsverbote nach

Der Wetterdienst in Frankreich hat für Montag (30. Juni) in 84 von 101 Départements Hitzewarnungen ausgesprochen. „Das hatten wir noch nie“, kommentierte Umweltministerin Agnès Pannier-Runacher diese Entwicklung gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Mancherorts werden Temperaturen über 40 Grad erwartet. 200 Schulen bleiben am Montag wegen der extremen Hitze geschlossen und auch Unternehmen wurden aufgerufen, ihre Beschäftigten so gut wie möglich zu schützen. Im Land herrscht zudem Waldbrandgefahr, nahe Narbonne kam es am Sonntag bereits zu großen Bränden.

In Italien gilt in 17 Städten die Alarmstufe Rot, darunter die Metropolen Rom, Mailand und Neapel. In den Regionen Latium, Toskana, Kalabrien, Apulien und Umbrien überlegen die Regierungen, zeitweise Arbeitsverbote einzuführen, um auf die steigenden Temperaturen zu reagieren. Der Juni könnte laut Angaben der spanischen Wetterbehörde AEMET der heißeste Monat aller Zeiten werden. In der andalusischen Stadt Sevilla und anderen südlich gelegenen Ortschaften erreichen die Temperaturen 42 Grad. In der spanischen Ortschaft El Granado wurden sogar 46 Grad registriert, ein Juni-Rekord.

In der südspanischen Stadt Sevilla klettern die Temperaturen auf über 40 Grad (Archivbild).

Menschengemachter Klimawandel lässt Hitzewellen immer früher entstehen

In Barcelona war eine Angestellte bei der Straßenreinigung am Wochenende nach Beendigung ihrer Schicht gestorben. Eine Obduktion soll nun klären, ob die Todesursache ein Hitzschlag war. Die katalanische Hauptstadt bietet offizielle Rückzugsorte bei großer Hitze. In Portugal wurden in der Stadt Mora im Landesinneren ebenfalls ein neuer Hitze-Rekord aufgestellt: 46,6 Grad maß das Thermometer dort, der höchste Juni-Wert in der Geschichte des Landes. In der Hauptstadt Lissabon sollen die Temperaturen laut Wetterexperten auf 42 Grad klettern, zwei Drittel des Landes stehen unter Hitzealarm, wie AP News meldete.

In Griechenland erreichen die Temperaturen in diesen Tagen ebenfalls bis zu 42 Grad, die Waldbrandgefahr im Land ist angesichts der Trockenheit und Hitze hoch. Solche Hitzeperioden wie nun in Europa treten laut Wetterexperten immer früher im Jahr auf, wie Wetterdaten zeigen. Laut dem spanischen Wetterdienst AEMET wurden zwischen 1975 und 2000 lediglich zwei Hitzewellen im Juni verzeichnet – zwischen 2000 und 2024 waren es bereits neun. Wissenschaftlern zufolge steht diese Entwicklung im Zusammenhang mit dem menschengemachten Klimawandel.

Höchstwerte von über 40 Grad am Mittwoch – Temperatursturz am Freitag

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet am Mittwoch mit Spitzenwerten in Deutschland von bis zu 40 Grad. Es werde „der bisher heißeste Tag des Sommers“, so die Wetterexperten. Temperaturen von unter 30 Grad ließen sich demnach nur am Meer oder im höheren Bergland finden. Im Warnlagebericht spricht der DWD von „extremer Wärmebelastung“. Entsprechend gaben die Wetterexperten für viele Regionen eine Hitzewarnung aus. Experten empfehlen, bei großer Hitze viel zu trinken, leichte Mahlzeiten zu essen, die Mittagshitze zu meiden und die Wohnung durch Abdunkeln und gezieltes Lüften kühl zu halten.

Zu Wochenbeginn sagt der UV-Gefahrenindex des DWD zudem eine „sehr hohe gesundheitliche Gefährdung“ voraus. Schutzmaßnahmen seien erforderlich, hieß es. Dazu zählen unter anderem das Tragen von Sonnenschutz sowie einer Sonnenbrille und das Meiden der Mittagshitze. Mancherorts sinken die Temperaturen in Deutschland auch nachts nicht unter 22 Grad. Tropische Nächte sind der Definition nach ab 20 Grad erreicht. Vereinzelt können am Montag und Dienstag Hitzegewitter entstehen, die Temperaturen bleiben aber hoch.

Eine Frau in der südspanischen Stadt Sevilla versucht sich mit einem Sonnenschirm vor der Hitze zu schützen (Archivbild).

Nach dem erwarteten Rekordhoch am Mittwoch kommt am Donnerstag etwas Abkühlung im Nordwesten der Bundesrepublik: Dort klettert das Thermometer laut DWD auf 20 bis 25 Grad, in der Südosthälfte bleibt es warm bei nochmal 29 bis 35 Grad. „In der Nacht zum Freitag über der Südhälfte gebietsweise Regen, teils schauerartig verstärkt, anfangs gewittrig“, heißt es im aktuellen DWD-Bericht weiter. Die Temperaturen sinken dann auf 20 bis 15 Grad in der Südosthälfte Deutschlands, im Norden sogar auf 13 bis 8 Grad.

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