Auch Straße und Schiene verschüttet

Felssturzserie in den Dolomiten: Riesenfelsen donnert auf beliebten Radweg in Italien

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Ein Felsabbruch ist auf dem Radweg im Valsugana im Trentino gestürzt. Der Weg ist bis auf Weiteres gesperrt.
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Eine Serie heftiger Felsstürze sorgt im Norden Italiens für große Sorgen. Eine wichtige Straße und eine Zugverbindung wurden gesperrt. Und ein Radfahrer stand plötzlich vor einem riesigen Felsbrocken.

Valbrenta – Das Valsugana zwischen Trient im Etschtal und Bassano del Grappa am Alpenrand nördlich von Venedig ist ein Geheimtipp unter Italien-Fans. Hier liegen der idyllische Caldonazzosee und der prominente Kurort Levico Terme. Außerdem führt eine gut ausgebaute mautfreie Straße durch das idyllische Tal des Flusses Brenta am südlichen Fuß der Dolomiten Richtung Venedig.

Felssturzserie in Italien: Einer der am besten ausgebauten Radwege der Alpen getroffen

Auch einer der am besten ausgebauten Radwege Norditaliens schlängelt sich durch die teils sehr engen Felsschluchten. Nicht zuletzt führt auch eine Bahnlinie von Trient in die malerisch gelegene Hauptstadt des berühmten Tresterschnapses – nach Bassano del Grappa. Jetzt sind alle aber Verbindungen wegen mehrerer Felsstürze gesperrt.

Am Mittwoch wollte der Pensionist Tiziano R. aus dem Dorf Valstagna im Valsugana eine Tour auf der Radautobahn durch das Valsugana unternehmen. Plötzlich stand er aber bei dem kleinen Ort Enego vor einem tonnenschweren Felsen, der auf die Piste gestürzt war - kurz vor einer Galerie, die den Radweg vor solchen Felsstürzen schützen soll.

Bürgermeister schockiert – der zweite Felssturz innerhalb weniger Tage

Der Bürgermeister von Enego, Marco Frison, ließ die Unfallstelle inspizieren, am Hang oberhalb des abgestürzten Felsblocks hingen weitere Felsbrocken, die nur durch Äste festgehalten am Abgrund hingen. Der Bürgermeister ließ den Radweg laut ildolomiti.it sofort sperren. Ob er bis zum Frühjahr, wenn die Touristen kommen, wieder gesichert sein wird, ist fraglich.

Bereits am 12. Januar hatte es zehn Kilometer weiter südlich einen mächtigen Felssturz im gleichen Tal gegeben, der die Staatsstraße und die Gleise der Bahn durch das Valsugana verschüttete. Auch hier donnerten die Felsmassen unmittelbar vor einer Galerie auf Fahrbahn und Schienen.

Alle Verkehrsadern durch das Tal sind abgeschnitten

Die Provinz Vincenza ordnete sofort eine 45-tägige Sperre für einen zehn Kilometer langen Abschnitt der Staatsstraße an. Auch die alte Straße, die am anderen Ufer der Brenta durch das Tal führt, wurde gesperrt. Außerdem wurde die Einstellung des Bahnverkehrs für zwei Monate angeordnet. Venedig ist für die Anwohner des Tals jetzt nur noch über große Umwege erreichbar. Die mautfreie Abkürzung von Trient nach Venedig ist somit bis auf weiteres auch passé.

Wie lange die Reparaturen und die Felssicherungsarbeiten an den Verkehrsadern tatsächlich andauern werden, ist ungewiss. Bei Facebook wird unter Tiziano R.s Post wird kräftig diskutiert: „Das wird Monate und Monate dauern“, schreibt ein Valentino B. „Es geht nicht nur darum, einen Stein wegzuräumen, sondern darum, einen ganzen Berghang zu sichern“, antwortet ein Paolo G.

Ist der Klimawandel schuld?

Ein Claudio B. fürchtet: „Jetzt geht wieder das Theater los, wer wo zuständig ist.“ Bei der Ursache streiten sich die User: „Klimawandel“, stellt ein Michele P. in den Raum. Ein Francesco S. gibt zu bedenken: „Es lag schon immer Schutt am Fuß der Felswände.“ Eine Beatrice F. erklärt: „Der große Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht beansprucht das Gestein.“ In den vergangenen Wochen hatte es im Valsugana ständige Wechseln zwischen Frost und Plustemperaturen gegeben.

In den vergangenen Monaten hatten mehrere Fels- und ganze Bergstürze die Alpen in Österreich und Italien erschüttert. Zuletzt gingen zwei mächtige Felslawinen am Gardasee ab. Zuletzt brach am Birnhorn bei Zell am See ein Felsen aus einer Wand.

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