Tornado-Rekord in Europa – Experte äußert sich besorgt: „Steigende Zahlen werfen Fragen auf“
VonDominik Jung
schließen
Das European Severe Storm Laboratory (ESSL) hat neue Zahlen veröffentlicht: 2024 wurden in Europa 1034 Tornados bestätigt – mehr als je zuvor.
Frankfurt – Laut European Severe Storm Laboratory (ESSL) entstanden im Jahr 297 Tornados über Land und 737 über Wasser. Von den erfassten Tornados konnten 245 anhand der Internationalen Fujita-Skala (IF-Skala) eingestuft werden. Die meisten bewegten sich im Bereich IF1 bis IF1.5, während 22 Fälle IF2 oder höher erreichten. Neben klimatischen Veränderungen beeinflussen auch präzisere Beobachtungstechniken die Statistik. Die zentrale Frage bleibt: Drohen in Zukunft häufiger und stärkere Tornados?
Ein weiteres interessantes Detail der Statistik zeigt, dass sich Tornados nicht gleichmäßig über den Kontinent verteilen. Besonders betroffen waren Regionen mit einer hohen Wetterdynamik, darunter Küstengebiete sowie Teile Mittel- und Osteuropas. Während viele der Tornados nur geringe Schäden verursachten, gab es vereinzelt Berichte über erhebliche Zerstörungen, insbesondere in dicht besiedelten Gebieten. Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net geht davon aus, dass die Häufung solcher Extremwetterereignisse nicht unterschätzt werden darf, auch wenn nicht jeder Tornado sofort mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden kann.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
Zunehmende Extremwetter-Ereignisse: Deutschland bleibt nicht verschont
Auch in Deutschland wurden 2024 insgesamt 48 Tornados registriert – alle zwischen März und September. Besonders aktiv war der August mit 11 Fällen, vor allem über Wasser. Die meisten wurden als IF1 oder IF1.5 klassifiziert, ein Tornado erreichte IF2. Während in den Wintermonaten kein einziger Fall bestätigt wurde, zeigt die Statistik, dass Tornados hierzulande vermehrt in den wärmeren Monaten auftreten. Die regionalen Unterschiede sind ebenfalls auffällig: Während Norddeutschland durch seine Nähe zu den Küsten vermehrt von Wasser-Tornados betroffen war, gab es in den südlichen Bundesländern mehr Ereignisse über Land.
Besonders in Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit und labilen Wetterlagen traten vermehrt starke Windphänomene auf. Die zunehmende Fähigkeit, Tornados frühzeitig zu identifizieren, habe dazu beigetragen, dass Menschen rechtzeitig gewarnt werden können, erklärt der Wetter-Experte. Trotzdem blieben die Schäden, die durch solche Stürme entstehen, nicht zu unterschätzen. In den USA kamen bei schweren Tornados vergangenes Jahr 15 Menschen ums Leben.
Droht eine drastische Zunahme von Extremwetter in Europa?
Ob dies ein Vorzeichen für eine drastische Zunahme ist, bleibe unklar. Laut Jung sollten keine voreiligen Schlüsse gezogen werden, dennoch könnten Tornados laut ihm künftig häufiger auftreten. Wissenschaftler raten dazu, die Daten der kommenden Jahre genau zu beobachten, um mögliche Trends besser einschätzen zu können. Selbst „schwächere“ Tornados bleiben Jung zufolge gefährlich, da sie Dächer abdecken, Bäume entwurzeln und Verkehrswege blockieren können. Es müsse abgewartet werde, ob sich die steigenden Tornadozahlen als langfristige Entwicklung erweisen oder ob es sich um eine temporäre Schwankung handelt. Klar ei jedoch: Eine bessere Vorbereitung, zuverlässige Warnsysteme und fundierte Forschung werden immer wichtiger, um die Risiken für die Bevölkerung zu minimieren.