„Ausrottung ist fast unmöglich“: Alien-Garnelen am Gardasee verursachen „starke negative Auswirkungen“
VonAndreas Knobloch
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Die sogenannten Alien-Garnelen am Gardasee bereiten Sorgen, so sehr, dass der WWF einschreitet. Die Lebensräume sind in einer prekären Lage.
Padenghe sul Garda – Eine spezielle Tierart hält Experten am Gardasse auf Trab. Eines der liebsten Reiseziele der Österreicher und der Süddeutschen ist der Lago di Garda, wie er in der Landessprache auch genannt wird. Das wunderschöne Panorama und die Möglichkeiten, die zur Verfügung stehen, machen den circa vier Auto-Stunden von München entfernten See zu einem Touristen-Hotspot. Doch in Padenghe sul Garda haben Experten, neben der Insekten-Invasion am Gardasee, gerade andere Tier-Sorgen, als ein zu hohes Urlauberaufkommen.
Gardasee-Problem vom „Killerkrebs“? Tier-Art besorgt Anwohner und Experten
Padenghe sul Garda liegt im Südwesten des Gardasees auf dem Weg von Gardone nach Peschiera. Die nächst größere Stadt ist Brescia. Die WWF (World Wide Fund for Nature) Bergamo Brescia warnt nun in einem Video vor dem Vorkommen des „Rote Louisiana-Flusskrebs“. Viele italienische Medien berichten über das Tier und geben ihm unterschiedliche Spitznamen. Südtirolnews.it nennt es „Alien-Garnele“, Il Saronno und La Voce del Trentino nennen die Garnele der WWF nach: „Killerkrebs“.
Doch was genau ist das Schlimme an der Alien-Garnele, bzw. dem Killerkrebs? In einem kurzen Video von der WWF, das auf Social Media die Runde macht, wird die Problematik erklärt. Viele Tiere seien tot aufgefunden worden, laut italienischen Medien sorgte das für eine gewisse Panik bei Anwohnern und Gästen. Es handelt sich, wie auch gardatoday.it WWF zitiert, um „eine sehr gefräßige, gebietsfremde Art, die einen starken negativen Einfluss auf die Ökosysteme und Lebensräume hat, in denen sie sich ausbreitet“. Der NABU (Naturschutzbund Deutschland) berichtete einst auch von einem Vorkommen der gleichen Art in Berlin und schrieb: „Darüber hinaus ist der knallrote Krebs als Träger einer Pilzerkrankung (Krebspest) eine Gefahr. Gegen diese Erkrankung sind die Tiere selbst immun, für europäische Flusskrebsarten ist die „Krebspest“ hingegen tödlich. Die wanderlustigen Tiere tragen die Infektionen in das nächste Gewässer.“
„Ausbreitung eindämmen“: Experte will keine Gardasee-Panik, spricht aber von Vorsicht
Der „Rote Louisiana-Flusskrebs“ gilt als der am weitest verbreitete Krebs der Welt und gleichzeitig als einer der schädlichsten gebietsfremden Arten. Il Saronno zitiert die italienische Seite www.specieinvasive.it, auf der es heißt: „Eine Ausrottung ist fast unmöglich durchzuführen, außer in besonderen Situationen. Auch in diesem Fall ist die Managementstrategie eher Prävention.“
Der Killerkrebs zeichnet sich durch „hohe Anpassungsfähigkeit, Aggressivität und Fortpflanzungspotenzial aus.“ In Süßwasser-Nähe kann sie sich sehr gut überall ausbreiten, dabei sei egal, ob es sich um Seen, Teiche, Sümpfe, Flüsse oder Bäche handelt. Im Gardasee jagten Taucher auch kürzlich einen „sehr gefräßigen“ Monsterfisch.
Südtirolnews zitiert Paolo Zanollo von der WWF, der meint: „Es gibt keinen Grund zur Panik, aber das Problem darf nicht unterschätzt werden.“ Die invasive Krebs-Art hat allerdings laut Zanollo genügend natürliche Feinde. „Möwen, Reiher und verschiedene Fischarten wie der Flussbarsch, Aal und insbesondere der Wels ernähren sich von ihnen. Eine Studie hat gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Nahrung der Welse aus diesen Krebsen besteht.“ Vom Gardasee werden die Krebse ähnlich wie deutsche Touristen nie ganz wegzudenken sein. Gegen die Tiere gibt es im Gegensatz zu den Touristen aber Möglichkeiten: „Was wir tun können, ist, ihre Ausbreitung einzudämmen“.
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