Vulkanologie

„Bedauernswert unvorbereitet“: Forscher warnen vor Mega-Vulkanausbruch

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Wissenschaftler warnen davor, dass die Menschheit die Gefahr eines Vulkanausbruchs sträflich vernachlässigt. Dabei hat Corona gezeigt, wie fragil wir sind.

Cambridge/Birmingham/Reykjavík – Gut zwölf Jahre ist es her. Da hat der Menschheit in der jüngsten Geschichte ein Vulkan gezeigt, wie sehr das tägliche Leben eines Ausbruches irgendwo auf der Welt, Milliarden von Menschen beeinträchtigen kann. Das war im März 2010, als in Island der Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen Eyjafjallajökull aktiv wurde, Asche ausstieß und in Nord- und Mitteleuropa in weiten Teilen und für mehrere Tage den Flugverkehr einbrechen ließ. Wissenschaftler warnen jetzt davor, dass der nächste Ausbruch eines Vulkans irgendwo auf der Welt noch ganz andere verheerende Folgen nach sich ziehen könnte.

Mega-Vulkanausbruch: Forscher warnen – könnte ähnliche finanzielle Folgen haben wie Corona-Pandemie

Ein massiver Vulkanausbruch könnte die Welt nämlich laut Wissenschaftlern in eine Krise von ähnlichem finanziellem Ausmaß stürzen wie die Corona-Pandemie. Davor warnen Forscher des Centre for the Study of Existential Risk (CSER) an der Universität Cambridge und von der Uni Birmingham. Erst im September des vergangenen Jahres war es zu einem Vulkanausbruch auf der Kanareninsel La Palma gekommen. Zwei Urlauber aus Twistringen (Landkreis Diepholz) hatten den Ausbruch damals live miterlebt.

Wissenschaftler warnen, dass die Gefahr eines massiven Vulkanausbruchs (im Bild der Popocatepetl in Mexiko) noch immer sträflich vernachlässigt wird. (Symbolbild)

In einem Paper, das die Forscher im Fachmagazin „Nature“ veröffentlichten, mahnen sie eindringlich, die Gefahr ernst zu nehmen und mehr Geld in die Beobachtung von Vulkanen und die Vorbereitung auf den Ernstfall zu stecken. Die Welt sei „bedauernswert unvorbereitet“ für einen massiven Vulkanausbruch und die wahrscheinlichen Folgen für globale Lieferketten, Klima und Nahrungsmittel, heißt es darin.

Den Wissenschaftlern zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch der Stärke 7 oder größer in 100 Jahren bei einem Sechstel. Die Analyse von Schwefelkonzentrationen in Eisbohrkernen ergab demnach, dass solche Ausbrüche statistisch gesehen alle 625 Jahre auftreten.

Forscher warnen vor Mega-Vulkanausbruch: abrupte Klimaveränderungen und Kollaps ganzer Zivilisationen

Eruptionen dieses Ausmaßes hätten in der Vergangenheit abrupte Klimaveränderungen und den Kollaps ganzer Zivilisationen ausgelöst, warnte die Risiko-Expertin Lara Mani vom CSER einer Mitteilung zufolge. Sie vergleicht die klimatischen Folgen eines massiven Vulkanausbruchs mit dem Einschlag eines Asteroiden von einem Kilometer Durchmesser auf der Erde.

Obwohl das kombinierte Risiko einer Asteroiden- oder Kometenkollision mit der Erde nur ein Hundertstel der eines massiven Vulkanausbruchs betrage, werde sehr viel mehr Geld in die Beobachtung von Asteroiden gesteckt als in die Erforschung von Vulkanen, bemängeln die Forscher. „Das muss sich dringend ändern. Wir unterschätzen das Risiko für unsere Gesellschaften durch Vulkane massiv“, sagte Mani.

Als Weckruf sollte den Forschern zufolge der Vulkanausbruch auf der Südseeinsel Tonga im Januar des Jahres 2022 dienen. Hätte er länger angedauert, mehr Asche und Gas emittiert oder in einer Region mit mehr kritischer Infrastruktur stattgefunden, wie dem Mittelmeer, wären die Folgen wohl verheerend gewesen, so die Wissenschaftler.

Ausbruch 1815 in Indonesien sorgte für „Jahr ohne Sommer“ – Forscher warnen vor der Gefahr eines Mega-Vulkanausbruchs

Der bislang letzte Ausbruch der Stärke 7 ereignete sich im Jahr 1815 in Indonesien und hatte dramatische klimatische Folgen, die auch in Europa zu spüren waren und zu Hungersnöten, gewaltsamen Aufständen und Epidemien führten. Das auf diesen Ausbruch des Vulkans Tambora folgende Jahr 1816 wird auch als „Jahr ohne Sommer“ bezeichnet.

„Wir leben jetzt in einer Welt mit der achtfachen Bevölkerung und dem vierzigfachen Handel von damals. Unsere komplexen Netzwerke könnten uns noch empfindlicher machen für die Erschütterungen eines großen Ausbruchs“, sagte Co-Autor Mike Cassidy und Vulkanologe von der Universität Birmingham. Abhilfe erhoffen sich die Experten von einer besseren Überwachung vulkanischer Aktivität und der Erforschung von Methoden, um Ausbrüche und ihre Folgen abzumildern. Beispielsweise fordern sie einen Satelliten, der nur für die Überwachung vulkanischer Aktivitäten bestimmt ist.

Gefahr vergleichbar mit Corona-Pandemie: Mega-Vulkanausbruch theoretisch möglich

Die Forscher warnen, es könne noch Dutzende gefährliche Vulkane geben, von denen die Menschheit nichts wisse, besonders in bisher von der Wissenschaft vernachlässigten Regionen wie Südostasien. Bei weniger als einem Drittel der Vulkanausbrüche seit 1950 seien Seismometer zur Erfassung der Bodenschwingungen in der Nähe gewesen und wiederum nur ein Drittel der erfassten Daten sei bislang in eine globale Datenbank eingeflossen.

Zudem mahnen sie mehr Forschung in Geo-Engineering-Methoden an, um beispielsweise von Vulkanen ausgestoßenen Aerosolen etwas entgegenzusetzen oder Magma-Kammern unter aktiven Vulkanen zu beeinflussen. Das Risiko für einen massiven Ausbruch, der die globale Gesellschaft zerstöre, sei erheblich, sagte Mani und fügte hinzu, der aktuelle Mangel an Investitionen sei „einfach verantwortungslos“. (Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Carlos Pacheco/dpa

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