VonJohannes Welteschließen
Eine Bergtour am Großglockner (Österreich) endete in einem 15-stündigem Bergungseinsatz von Bergrettung und Alpinpolizei. Jetzt gibt es eine saftige Rechnung.
Kals am Großglockner – Die Zwillingsbrüder (40) und ein 57-Jähriger aus Tschechien waren am Samstag (6. Januar) zu einer Tour auf den 3798 Meter hohen Berg aufgebrochen. Das Trio wollte mit Skitouren- und Kletterausrüstung eine neue Aufstiegsroute auf den Berg ausprobieren.
Trotz miserablen Wetterberichts ging es ins ewige Eis
Die Männer waren kurz nach sechs Uhr morgens nach achtstündiger Autofahrt trotz schlechter Wetterprognosen vom Lucknerhaus (1920 Meter) bei Kals am Großglockner in Richtung des Ködnitzkees-Gletschers aufgebrochen. Obwohl die Wetterverhältnisse immer schlechter wurden - laut Polizei herrschten Schneefall, starke Windböen und Temperaturen um minus neun Grad - kletterten sie in einer Rinne der Südflanke in Richtung Gipfel. Schließlich konnten sie auf etwa 3200 Meter Höhe weder vor noch zurück und setzten gegen 22.45 Uhr einen Notruf ab.
Es begann eine 15-stündige Rettungsaktion durch die Bergrettung Kals und die Alpinpolizei. 13 Bergretter und ein Polizeibergführer stiegen Samstagnacht um 0.30 Uhr mit Tourenski zur derzeit geschlossenen Erzherzog-Johann-Hütte (3454 Meter) auf und arbeiteten sich bei Tageslicht weiter zu den Verstiegenen vor. Die drei Männer hatten die Nacht im Freien überlebt, weil sie sich eine Biwakhöhle im Schnee gegraben hatten.
Bergsteiger graben Höhle in Schnee, um zu überleben
„Durch Abseilen über ein 200-Meter langes Seil konnten die Retter zu den Verstiegenen vordringen und die Bergung unter widrigsten Verhältnissen nach oben durchführen“, heißt es im Polizeibericht. Die Retter brachten die drei unverletzten aber leicht unterkühlten Männer am Seil zur Hütte und von dort zu Fuß ins Tal. Der Hubschrauber der Alpinpolizei musste einen Bergungsflug wegen des Schneesturms abbrechen.
„Ein Irrwirtz“, so Peter Trembler von der Ortsstelle der Bergrettung in Kals zu dem Plan der Hobby-Alpinisten, eine neue Route auf den höchsten Gipfel der Ostalpen bei derart schlechten Wetterverhältnissen zu auszuprobieren. „Wenn ich merke, dass ich in Schwierigkeiten komme, dann kehre ich um und versuche nicht, mein Gipfelprojekt mit Gewalt durchzuziehen“, so der Bergretter zu unserer Redaktion.
Bergretterchef: „Die Planung der Tour war ein Irrwitz.“
Am Dienstag (9. Januar) stellte die Bergrettung Tirol dem Trio 16 000 Euro in Rechnung. Trembler: „Es war ein Großeinsatz, da mehr als zehn Bergretter daran beteiligt waren.“ Die Stundensätze betrügen pauschal knapp über 1000 Euro. Trembler weiter: „Wenn sie keine Bergeversicherung haben, müssen sie die Rechnung selber bezahlen.“ Hinzu kommen rund 5500 Euro für den Polizeihubschrauber. Voraussetzung dafür sei laut Polizei aber grobe Fahrlässigkeit. Ob die vorgelegen habe, müsse im Zweifelsfalle ein Gericht entscheiden.
Auch an der Ahrnspitze bei Scharnitz (Tirol) haben Bergretter ein Drama verhindert, als sich zwei Schneeschuhwanderer aus Belgien verirrt hatten. Beim Absturz einer Gondel im Ötztal (ebenfalls Tirol) wurden hingegen vier Menschen schwer verletzt, ein Mann lebensgefährlich.

