Im Kanton Bern-Mittelland

Bern: Die Hauptstadt der Schweiz

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Die Nydeggbrücke über die Aare in Bern.

Bern ist die Hauptstadt der Schweiz. Knapp 135.000 Menschen bilden die Bevölkerung der fünftgrößten Stadt der Schweiz, die im Kanton Bern-Mittelland liegt.

Bern – Die Hauptstadt der Schweiz liegt im Westen des mitteleuropäischen Landes, mit guten Anbindungen nach Frankreich und Deutschland. Durch die Stadt fließt der Fluss Aare und im Süden liegt der Hausberg Gurten.

Bern: Geographie und wichtige Daten

Die de facto Hauptstadt der Schweiz wird in der Schweiz selbst als Bundesstadt oder Bundessitz bezeichnet. Dieser Unterschied war der Schweizer Politik sehr wichtig, aufgrund der sehr eigenständig agierenden Kantone im föderalistischen Staatskontext. Da keine Stadt die alleinige Hauptstadt sein soll, wurde zwar Bern als Bundestadt festgelegt, jedoch wurden auch in anderen Städten wie Zürich, Genf und Lausanne wichtige Institutionen angesiedelt, um den dezentralistischen Ansatz der Schweiz zu erhalten.

Die Verteilung der Verantwortlichkeiten auf verschiedene Standbeine ist eng verwurzelt in der Geschichte der Schweiz. Weil Bern alle Funktionen einer modernen Hauptstadt erfüllt, wird Bern heute aber auch vom Großteil der Schweizer Bevölkerung so genannt.

Bern hat etwa 135.000 Einwohner und ist damit auf Platz Fünf der Rangliste der bevölkerungsreichsten Städte in der Schweiz. Vor Bern liegen:

  • 1. Zürich (425.000)
  • 2. Genf (205.000)
  • 3. Basel (180.000)
  • 4. Lausanne (140.000)
  • 5. Bern (135.000)

Die Fläche von Bern entspricht mit gut 50km² nur der Fläche der deutschen Ruhrgebietsstadt Herne. Auch hier ist Bern nicht die Nummer Eins in der Schweiz. Zürich ist beinahe doppelt so groß. Das Klima in Bern ist mild bis kühl, mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von knapp 10 Grad Celsius.

Die Politik der Hauptstadt wird von einem Gemeinderat, einem Stadtrat und dem Stadtpräsidenten Alec von Graffenried gemacht, den man in seiner Funktion auch als Bürgermeister ansehen kann.

Bern: Geschichte

Der Gründer der Stadt ist Herzog Berchthold V.. Urkundlich belegt ist die Gründung ab dem Jahr 1208, die Geschichte der Stadt beginnt mutmaßlich aber bereits im Jahr 1191. Vorher war das Gebiet in der Aareschlaufe jedoch bereits von verschiedenen anderen Völkern bewohnt. So hat man sowohl Überreste einer keltischen Siedlung aus einer frühchristlichen Zeit gefunden, als auch Beweise für eine römische Siedlung, die im Jahr 211 aufgegeben wurde. Auch dazwischen muss es Bewohner der Region gegeben haben, denn man konnte zahlreiche Gräber aus verschiedenen Jahrhunderten nachweisen.

Nach dem Tod von Herzog Berchthold V. im 13. Jahrhundert folgte die Festigung der Stadt als freie Reichsstadt. Die Bevölkerung begab sich unter eine Schirmherrschaft des Hauses Savoyen, die die Stadt Bern gegen die Grafen von Kyburg schützte. Dies funktionierte ähnlich wie ein Protektorat. Durch die bestehende militärische Sicherheit und starke Bündnisse verstand man sich ab dem 15. Jahrhundert als Stadtstaat. Im Jahr 1648 konnte man dank des westfälischen Friedens die volle Souveränität vom Kaiserreich erlangen und war seitdem ein unabhängiger Stadtstaat.

Ende des 18. Jahrhundert überfielen französische Truppen Bern. Kaiser Napoleon konnte nach kurzer Schlacht im Jahr 1798 die Gebietshoheit über das Gebiet der Schweizer Eidgenossenschaft erlangen und die Helvetische Republik ausrufen. Waren alle Gebiete vorher souverän gewesen, so waren sie nun als Einheitsstaat miteinander verbunden und in französischer Tradition stark zentralistisch auf die Hauptstadt ausgerichtet.

Die Schweizer lehnten sich gegen dieses System auf und so kam es bereits 1803 dazu, dass Napoleon verfügte, man möge eine föderalistische Ordnung mit autonomen Kantonen herstellen. Dieser neue Staat bekam den Namen ‚Schweizer Eidgenossenschaft‘. Als Napoleon im Jahr 1815 kapitulieren musste, wurden die Staatsgrenzen der Schweiz im Zuge des Wiener Kongresses international anerkannt.

Ein Bundesvertrag regelte die Entstehung eines Staatenbundes der autonomen Kantone und man verordnete sich eine immerwährende militärische Neutralität, die bis heute eingehalten wird. Durch Streitigkeiten über die zukünftige Ausrichtung der gemeinsamen Politik des Staatenbundes kam es im Jahr 1847 zum Staatenbundskrieg, der 150 Menschen das Leben kostete und bis heute die letzte kriegerische Auseinandersetzung auf Schweizer Boden war. Aus diesem Krieg ging nicht nur die Staatsform hervor, die seit 1848 besteht und noch heute gilt, sondern auch der Status Berns als Hauptstadt. 

Bern: Nach der Schweizer Staatsgründung

Durch den starken Wunsch nach föderalistischer Autonomie der Schweizer Bevölkerung gestaltete sich die Suche nach einer Hauptstadt nicht sehr leicht. Man einigte sich schließlich auf die Bezeichnung als Bundessitz für den Ort, an dem das gesamtnationale Parlament tagen sollte. Während dieser Ort für die Entscheidungen der Politik nach Abstimmung der Kantone Bern sein sollte, verteilte man auf die weiteren Großstädte wie Zürich, Genf und Lausanne andere wichtige Institutionen, um ein Gleichgewicht zu gewährleisten.

Durch die neu gewonnen verfassungsrechtliche Sicherheit kam es am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer massiven Industrialisierung der Schweiz. So wurden in dieser Zeit der Ausbau des Schienennetzes und des Bankenwesens zur Kreditvergabe an aufstrebende Industriebetriebe vorangetrieben.

Im Ersten Weltkrieg bewahrte man die in der früheren Geschichte des Staatenbundes vereinbarte Neutralität, obwohl man sich zeitweise komplett von Konfliktparteien umgeben sah. Durch eine Grenzbesetzung der Schweizer Armee konnte jegliche Kriegshandlung auf dem Gebiet der Schweiz vermieden werden. Die Politik im Inland sah sich allerdings durch den Konflikt zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum vor große Konflikte gestellt.

Während des Zweiten Weltkrieges erhielt die Schweiz abermals ihre Neutralität, machte aber Deutschland gegenüber Zugeständnisse, indem man Juden und politisch Verfolgte nicht als Flüchtlinge aufnahm. Nach dem Krieg wurde die Rolle der Schweiz von den Kriegsgewinnern sehr kritisch betrachtet und man zahlte eine Reparationszahlung über 250 Millionen US-Dollar wegen Einnahmen, die man in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Reich erzielt hatte.

In der Nachkriegszeit trat man zwar mehreren internationalen Organisationen und Freihandelsabkommen bei, konnte sich jedoch zur Wahrung der Unabhängigkeit und Neutralität nie zu einem EU-Beitritt oder der Verwendung des Euro durchringen.

Bern: Politik

Die Politik der Hauptstadt Bern wird in drei verschiedenen Gremien gemacht. Zunächst gibt es den Gemeinderat. Dieser hat fünf Mitglieder, die alle vier Jahre von der Bevölkerung Berns gewählt werden können. Jedes der fünf Mitglieder leitet eine Fachdirektion der Stadt. In diesem Gremium geht es um ausführende (exekutive) Funktionen.

Der Stadtpräsident ist die nächste Institution. Dieser wird aus den Mitgliedern des Gemeinderates gewählt und ist gleichzeitig der Bürgermeister und steht dem Gemeinderat vor.

Die gesetzgebende Funktion übernimmt das Gremium des Stadtrates. Dieser hat 80 Mitglieder, die ebenfalls von der Bevölkerung alle vier Jahre gewählt werden. Diese Institution kümmert sich um die kommunale Gesetzgebung und tagt alle zwei Wochen in öffentlichen Sitzungen im Rathaus von Bern.

Bern: Wirtschaft & Tourismus

Durch die in der Geschichte verankerte Dezentralität der Schweiz ist Bern absichtlich nicht das wirtschaftliche Zentrum der Schweiz. Die Politik achtet hier auf eine weitgehende Verteilung der Kompetenzen unter den einzelnen Kantonen. Da Bern sowohl Sitz der städtischen Verwaltung und der kantonalen Verwaltung, als auch der Landesverwaltung ist, ergibt sich hier ein großer Arbeitsmarkt in der öffentlichen Verwaltung. Die staatlichen Betriebe der Post und der Schweizerischen Bundesbahnen sind ebenfalls in Bern angesiedelt. Nach der öffentlichen Verwaltung sind das Gesundheits- und Sozialwesen die größten Arbeitgeber der Region.

Obwohl Bern zu den teuersten Städten der Welt gehört, ist die Hauptstadt eine der meistbesuchten Regionen der Schweiz. Und das sowohl bei der Schweizer Bevölkerung, als auch bei ausländischen Touristen. Wer nach Bern reist, kommt an folgenden Attraktionen nicht vorbei:

  • Kunstmuseum Bern: Eröffnet im Jahr 1879, kann man hier die Kunstsammlung der Berner Geschichte begutachten.
  • Stadttheater Bern: In diesem Ensembletheater werden Aufführungen aus Schauspiel, Musik und Ballett dargeboten.
  • Gurtenfestival: Zu diesem Musikfestival kommen jährlich bis zu 80.000 Besucher. Internationale Stars treten hier auf.
  • Alststadt von Bern: Die Berner Altstadt ist seit 1983 durch den gut erhaltenen mittelalterliche Stadtkern UNSESCO Weltkulturerbe.

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