80 Prozent teurer

Bald kein Bier mehr? Flaschen werden knapp – Brauereien schlagen Alarm

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Luxus Leergut – Bierflaschen könnten hierzulande bald wortwörtlich zur Neige gehen.
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Aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage werden laut Deutschem Brauer-Bund e.V. die Bierflaschen knapp. Engpässe wegen Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg könnten im Sommer zu großen Problemen führen.

Berlin – Sonnenblumenöl, Mehl, Hefe, all diese Lebensmittel sind gegenwärtig heiß begehrt und schwer erhältlich. Nun könnte, ausgerechnet zur Biergartensaison, auch das flüssige Brot deutschlandweit knapp werden. Grund ist allerdings nicht das Bier selbst, sondern die Flaschen, in denen es im Handel erhältlich ist – denn Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg wirken sich diesbezüglich zu Ungunsten der Brauereien aus.

„Engpässe sehen wir spätestens im Sommer“, ist sich der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds e.V. (DBB), Holger Eichele, sicher. Gegenüber Bild prognostizierte der 49-Jährige harte Zeiten für die Bierbrauer. Hintergrund seien gleich zwei, aus der aktuellen Weltlage resultierende Probleme.

Kein Bier mehr? Brauer-Bund warnt für Sommer: „Stehen vielleicht bald ohne Flaschen da“

Einerseits gründe die missliche Situation in der, durch die Corona-Krise stark in Mitleidenschaft gezogenen Wirtschaft, andererseits in den, im Zuge des Ukraine-Kriegs extrem gestiegenen Energiekosten. „Die aktuelle Energiepreiskrise stellt die energieintensive Glasindustrie vor große Herausforderungen“, bestätigte eine Sprecherin des Bundesverbands Glasindustrie Bild gegenüber. Im Vergleich zum Vorjahr müssten Glasfabrikanten bis zu 500 Prozent, sprich das Sechsfache, mehr berappen, um ihre Energiekosten zu begleichen. Diese wiederum bildeten bis zu ein Fünftel der Betriebskosten der Glasindustrie. Wer keine langfristigen Verträge hat, muss für neue Glasflaschen zurzeit 80 Prozent mehr bezahlen als noch vor einem Jahr“, so die Schlussfolgerung Eicheles.

Des Weiteren bewirkten Logistikprobleme Schwierigkeiten in den Lieferketten. Auch die gegenwärtig horrenden Preise für Benzin und Diesel wirken sich mutmaßlich nachteilig auf die Lage aus. „Weil Lkw-Fahrer fehlen, wird es für die Brauereien und den Getränkehandel immer schwieriger, die Lieferkette aufrechtzuerhalten“, so der Hauptgeschäftsführer des DBB. Die gravierenden Auswirkungen fehlender Flaschen sind der Bierbranche schmerzlich bewusst. „Die Lieferketten der deutschen Getränke- und Brauwirtschaft“, äußerte eine Sprecherin von Radeberger, seien „in der Hochsaison schon in ‚normalen‘ Zeiten angespannt“. Durch die gegenwärtige, politische und wirtschaftliche Lage werde sich die Marktsituation jedoch „absehbar verschärft“ darstellen. Eichele fasst in einem düsteren Ausblick die weitreichenden Folgen für die Bierbrauer zusammen: „Einigen Brauereien droht der Leerlauf, sie stehen vielleicht bald ohne Flaschen da.“

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Stefan Fritsche, Vize-Chef des Brauereiverbands Berlin-Brandenburg, sieht durch die aktuelle Lage insbesondere die „Vielfalt auf dem deutschen Biermarkt“ in Gefahr. „Die Flaschenknappheit trifft vor allem kleine und mittelständische Brauereien, denn: Beliefert werden zuerst die Großen.“ Auch eine Sprecherin von Bitburger bestätigte Bild gegenüber die prekäre Marktlage. Diese sei gezeichnet von „enormen Preissteigerungen“, gepaart mit „knappen Kapazitäten“, sodass die Nachfrage aktuell in einigen Fällen nicht bedient werden könne. „Je heißer der Sommer, desto schwieriger kann die Situation werden“, befürchtet auch Eichele. Daher sollten Bierfreunde „Leergut nicht im Keller horten, sondern es möglichst schnell im Handel zurückzugeben.“ (askl)    

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