„Ansteckendste Subvariante, die bislang entdeckt wurde“

WHO: Gefährliche Omikron-„Kraken“ breiten sich in Europa aus - Einschränkungen nicht unangebracht

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Die Omikron-Sublinie XBB.1.5 ist weltweit auf dem Vormarsch. Auch weil sie als infektiöser als andere Varianten gilt, wurde ihr der Spitzname „Kraken“ verpasst.

Update vom 10. Januar: Nun hat die WHO sich erneut wegen der sich ausbreitenden neuen Omikron-Sublinie XBB.1.5 zu Wort gemeldet. Diese ist demnach auch in Europa auf dem Vormarsch. Jüngste Daten aus einigen Ländern der Region fingen an, auf die zunehmende Präsenz von XBB.1.5 hinzudeuten, sagte der Direktor des WHO-Regionalbüros Europa, Hans Kluge, am Dienstag bei einer Online-Pressekonferenz in Kopenhagen. Fälle würden in kleiner, aber wachsender Zahl entdeckt. Man arbeite daran, die potenziellen Auswirkungen davon zu bewerten. Nach drei langen Pandemiejahren könne man sich keinen weiteren Druck auf die Gesundheitssysteme leisten.

Hinsichtlich der verschärften Corona-Lage in China teilte Kluge die aktuelle Einschätzung der EU-Gesundheitsbehörde ECDC, dass der Anstieg der dortigen Fallzahlen die epidemiologische Lage in Europa voraussichtlich nicht größer beeinflussen wird. Den verfügbaren Informationen zufolge seien die in China zirkulierenden Varianten diejenigen, die auch schon in Europa und anderswo gesehen worden seien.

Man dürfe jedoch nicht selbstgefällig werden, sagte Kluge. Es sei nicht unangebracht, dass Länder Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz ihrer Bevölkerungen ergriffen. Die Staaten, die vorsorgliche Reisemaßnahmen einführten, sollten aber darauf achten, dass diese in der Wissenschaft verwurzelt, angemessen und diskriminierungsfrei seien.

Gefährlicher Omikron-„Kraken“: XBB.1.5 „ansteckendste Subvariante, die bislang entdeckt wurde“

Erstmeldung vom 9. Januar: München - Vom Nordamerika ausgehend breitet sich die Sublinie XBB.1.5 der Corona-Variante Omikron immer weiter aus. Was die Mutante so gefährlich macht: Sie gilt als wesentlich ansteckender als die anderen Varianten. Nach Angaben von Maria Van Kerkhove, bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Leiterin des Programms zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie, ist es die „ansteckendste Subvariante, die bislang entdeckt wurde“.

Omikron-Subvariante XBB.1.5: Spitzname „Kraken“ wegen hoher Infektiosität

Die äußerst hohe Infektiosität führte zu einem unrühmlichen Spitzennamen von XBB.1.5. Der kanadische Biologieprofessor T. Ryan Gregory schlug auf Twitter die Bezeichnung „Kraken“ (der Krake, auch der Riesenkraken) vor. Anscheinend fand der Spitzname einen so guten Anklang, dass er sich seitdem eingebürgert hat.

Omikron-Subvariante „Kraken“: Häufigkeit von XBB.1.5 verdoppelt sich jede Woche

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts wurde „Kraken“ Ende November vergangenen Jahres das erste Mal in einer Stichprobe in Deutschland nachgewiesen. Laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC könnte sie zunehmenden Einfluss auf die Zahl der Corona-Fälle in Europa haben, allerdings nicht schon innerhalb des nächsten Monats, da sie derzeit erst in geringem Umfang vorkomme.

Zwar hat sich laut Richard Neher, Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien am Biozentrum der Universität Basel, die die Häufigkeit von XBB.1.5 etwa jede Woche verdoppelt. Allerdings ist die Basis klein. Wenn sich dieser Trend fortsetze, könne man in der ersten Januarhälfte einen Anteil von drei bis sechs Prozent erwarten.

Die Omikron-Variante XBB.1.5 gilt als besonders ansteckend

Omikron-Subvariante „Kraken“: XBB.1.5 könnte sich in den kommenden Wochen und Monaten in Deutschland ausbreiten

Allerdings könnte sich XBB.1.5 nach Einschätzung anderer Experten in den kommenden Wochen und Monaten in Europa und Deutschland ausbreiten. „Man kann mit einiger prognostischer Sicherheit sagen, dass die Variante auch bei uns die dominante Variante werden wird“, sagte der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb.

Anlass zu großer Sorge gebe es aber nicht. „Wir sehen zwar etwas mehr Fälle in den USA, aber da läuft keine gigantische Welle ab.“ Auch Zeeb sieht bei XBB.1.5 eine noch mal höhere Infektiosität. „Die war bei Omikron schon entwickelt, XBB.1.5 toppt das jetzt noch mal.“

Omikron-Subvariante „Kraken“: Entwicklung in Deutschland sollte genau beobachtet werden

Und was bedeutet die Sublinie konkret für Deutschland? Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat sich bereits besorgt über XBB.1.5 gezeigt. Vergangene Woche twitterte er: „Hoffentlich kommen wir durch den Winter, bevor eine solche Variante sich bei uns ausbreiten kann.“

Immunsystem stärken und so Grippe bis Corona vorbeugen – acht einfache Regeln

Frau hält Glas Wasser in der Hand.
Wer ausreichend trinkt, hält die Schleimhäute in Mund und Rachen feucht. Das ist wichtig, weil diese die erste Schutzbarriere des Körpers gegen Viren und Bakterien darstellen. Trocknen die Schleimhäute aus, können Viren leichter andocken und sich einen Weg in den Körper bahnen. Auch das Lutschen von Bonbons hilft dabei, die Schleimhäute feucht zu halten.  © Tanya Yatsenko/Imago
Korb voll mit Gemüse und Obst
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse sorgt dafür, dass dem Körper wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zugeführt werden. Es wird vermutet, dass ein Zusammenhang zwischen einem gesunden Darm und einem gesunden Immunsystem besteht, denn ein Großteil der Antikörper produzierenden Zellen befinden sich im Darm, informiert das Portal München Klinik, der Gesundheitsversorger der Stadt München. © Oleksandr Latkun/Imago
Frau krault im Schwimmbad
Auch Bewegung macht uns weniger anfällig für Krankheitserreger. Mitverantwortlich ist die antientzündliche Wirkung von Sport und Bewegung auf unseren Körper. Davon profitiert auch unser Immunsystem, so Professor Karten Krüger von der Justus-Liebig-Universität in Giessen im Interview mit der Krankenkasse BKK Provita. Sein Forschungsgebiet: Die Wirkung von Bewegung auf unser Immunsystem. Ihm zufolge wird man seltener krank und übersteht eine Erkrankung besser, wenn man sich regelmäßig bewegt, gut schläft, sich ausgewogen ernährt und ein gutes Stressmanagement pflegt.  © Imago
Hand, die Weinglas und Zigarette hält
Inhaltsstoffe in Zigarettenrauch und Alkohol blockieren die körpereigene Abwehr und machen uns so anfälliger für Krankheiten. Nach einer durchzechten Nacht kann das Immunsystem Studien zufolge sogar bis zu 24 Stunden lang nicht wie gewohnt arbeiten, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Auch Rauchen fördert wie Alkohol Entzündungsprozesse im Körper, was eine erhöhte Anfälligkeit für Atemwegsinfekte zur Folge haben kann. Zudem trocknet Zigarettenrauch die Schleimhäute aus, was deren Abwehrkraft abschwächt.  © macondo/Imago
Frau öffnet das Fenster zum Lüften
Vor allem im Herbst und im Winter sollten Sie regelmäßig lüften. Denn trockene Heizungsluft trocknet die Schleimhäute in Mund und Nase aus. Diese stellen die erste Barriere für Viren und Bakterien dar. Im ausgetrockneten Zustand sind die Schleimhäute weniger widerstandsfähig. © Roman Möbius/Imago
Wanderweg im Bergischen Land nahe der Müngstener Brücke
Bewegung an der frischen Luft stärkt unsere Atemwege. Auch das Immunsystem profitiert, weil über die Haut durch Kontakt mit Sonnenlicht Vitamin D produziert wird. „Es ist wissenschaftlich unstrittig, dass eine ausreichende Vitamin D-Versorgung zur normalen Funktion des Immunsystems beiträgt. Auch zeigen Studien, dass Menschen mit einer unzureichenden Vitamin D-Versorgung ein erhöhtes Risiko für akute Atemwegsinfekte aufweisen und von der Gabe von Vitamin D-Präparaten profitieren können“, heißt es in einem Bericht des Bundesinstituts für Risikobewertung.  © Olaf Döring/Imago
Gestresste Frau im Büro
Stress ist ein wahrer Immunkiller. Durch die Ausschüttung von Stresshormonen verlieren die Immunzellen die Fähigkeit, sich zu vermehren, um Krankheitserreger abzutöten. Auch die Menge an Antikörpern in unserem Speichel verringert sich, so eine Information des Universitätsspitals Zürich.  © Joseffson/Imago
Frau schaltet den Wecker aus
Ausreichend Schlaf zählt zu den Grundpfeilern eines intakten Immunsystems. Wissenschaftler der Universität Tübingen und der Universität Lübeck konnten dem ärztlichen Journal zufolge zeigen, dass bereits nach drei Stunden ohne Schlaf die Funktion der T-Zellen beeinträchtigt war. „T-Zellen zirkulieren ständig im Blutkreislauf und suchen nach Erregern. Die Adhäsion (Anmerkung der Redaktion: bedeutet so viel wie „Haftkraft“) an andere Zellen erlaubt ihnen dabei, im Körper zu wandern und beispielsweise an infizierte Zellen anzudocken, um sie anschließend zu beseitigen“, sagt Erstautor Stoyan Dimitrov.  © Oleksandr Latkun/Imago

Die Befürchtung wird von Zeeb unterfüttert: „XBB.1.5 trifft auf eine wieder nachlassende Immunität von Menschen, deren Impfung oder Infektion schon länger zurückliegt.“ Allerdings sei die Zahl der Nachweise von XBB.1.5 in Deutschland zurzeit noch sehr gering. „Da muss man noch nicht über neue Maßnahmen nachdenken.“ Wichtig sei, die Entwicklung genau zu beobachten.

Luka Cicin-Sain, Virologe im Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung dagegen empfiehlt allen Gefährdeten und Senioren eine Booster-Impfung mit Impfstoffen, die an Omikron angepasst sind. Diese könne auch gegen „Kraken“ helfen.

Rubriklistenbild: © Christian Ohde/imago

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