Kurz vorher abgesprungen

OceanGate-Boss wollte Milliardär und Sohn auf Unglücks-U-Boot locken – „Das hätten wir sein können“

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Der OceanGate-Gründer war bei dem Tauchunglück mit der „Titan“ selbst an Bord. Nun teilt ein Freund des verstorbenen CEOs Chatverläufe der beiden – inklusive Sicherheitsbedenken.

München – Das U-Boot-Unglück um die implodierte „Titan“ hat die Aufmerksamkeit in vielen Teilen der Welt auf sich gezogen. Die mediale Präsenz richtete sich in den vergangenen Tagen stark auf die Suche nach den fünf mittlerweile als verstorben geltenden Insassen und ihrem Tauchboot. Nun hat der Milliardär Jay Bloom, ein Freund des OceanGate-CEO Stockton Rush, der zu den Verstorbenen des Unglücks zählt, Chatverläufe der beiden auf Facebook offenbart. In einem Interview mit CNN teilte er nach der Tragödie seine Gedanken. Auch die Frau des verstorbenen Milliardärs Hamish Harding veröffentlichte die letzte Nachricht ihres Mannes, nachdem er dem U-Boot-Unglück zum Opfer gefallen war.

UnternehmenOceanGate
SitzEverett, Washington, USA
Gründung2009
GründerStockton Rush

„Beschlossen, Nachrichten zu teilen“: Freund von verunglücktem U-Boot-Insassen teilt Chatverläufe

Auf Facebook schreibt Bloom: „Ich habe beschlossen, einige meiner Nachrichten mit Stockton Rush zu teilen“. Demnach habe Rush noch im Februar Bloom und seinen Sohn Sean dazu eingeladen, ihn auf der Tauchmission zur Titanic zu begleiten. Laut Bloom sollte die Mission eigentlich bereits im Mai stattfinden. Diese hätte jedoch wetterbedingt zweimal verschoben werden müssen.

Stockton Rush, CEO von OceanGate, hatte zwei Plätze in der „Titan“ für andere Passagiere geplant. Diese sprangen vor der Unglücks-Tour zur Titanic noch ab.

Der Milliardär habe dem OceanGate-Ceo, dessen Unternehmen Betreiber der „Titan“ ist, seine Sicherheitsbedenken geäußert – beziehungsweise die seines Sohnes. Aus den Nachrichten geht hervor, wie Bloom schreibt, dass ein Freund seines Sohnes die Risiken einer solchen Mission nachgeschlagen hätte und seinen Sohn damit verängstigt habe. Bedenken seien unter anderem gewesen, dass ein Pottwal das U-Boot angreifen könnte und somit den Rumpf des U-Bootes beschädigen würde.

Insasse und Freund diskutieren vor U-Boot-Mission über Sicherheitsbedenken

„Dummes Zeug“, schreibt Bloom über die Bedenken seines Sohnes und auch Rush erwiderte „Ja, dummes Zeug“. Dann versucht der CEO per WhatsApp nochmal seinen Kumpel und dessen Sohn zu überzeugen. „Der Druck da unten ist stärker als 100 Millionen Pfund, kein Pottwal und kein Tintenfisch ist dazu in der Lage, sich mit dem U-Boot anzulegen“. Zudem beschreibt er, dass ein Helikopterflug oder sogar Sporttauchen deutlich gefährlicher seien als die Titanic-Mission. Außerdem betonte der CEO, dass es in den vergangenen 35 Jahren von nicht militärischen U-Booten nie einen Vorfall gegeben habe.

Bereits der „Titanic“-Regisseur James Cameron habe vor dem U-Bootunglück eine böse Vorahnung gehabt. Auch ein ehemaliger Insasse des U-Bootes beschrieb seine Erfahrung mit der „Titan“ als „Himmelsfahrtkommando“.

Doch trotz der Überredungsversuche blieben die Zweifel. „Ich habe einfach nicht geglaubt, dass es das überstehen kann, wenn es so tief ins Meer stürzt“, sagte Sean Bloom am Freitag (23. Juni) in dem Interview mit CNN – ein Tag nachdem bekannt wurde, dass alle Insassen der „Titan“ ums Leben kamen. Im Interview mit dem US-amerikanischen Fernsehsender erinnert sich Jay Bloom, dass Stockton Rush im März noch nach Las Vegas geflogen ist, um ihn zu dazu zu bewegen, die Tickets zu kaufen. „Er brachte mich durch die Titanic-Ausstellung in Luxor. Dann haben wir beim Mittagessen im Luxor Foodcourt über den Tauchgang, einschließlich Sicherheit, gesprochen.“

Er sei mit einem selbstgebauten Flugzeug nach Vegas gekommen – dies habe Blooms Vorbehalte noch verstärkt. „Ich fing an, darüber nachzudenken. Er kommt mit einem zweisitzigen Experimentalflugzeug, um mich zu überreden, mit einem experimentellen U-Boot mit fünf Sitzen, das er gebaut hat, auf den Meeresgrund zu fahren, um die Titanic zu sehen“, sagte Jay. Auch wenn Jay trotz der Zweifel seines Sohnes – zumindest in den veröffentlichen Nachrichten Rush gegenüber – nicht abgeneigt schien, erklärte er dem CEO schließlich, dass die beiden aus Termingründen erst im kommenden Jahr mitfahren könnten.

„Hat sich sehr geirrt“: Vater und Sohn trauern um verstorbenen U-Boot-Insassen

Die Plätze der beiden gingen an Shahzada Dawood und seinen 19-jährigen Sohn Suleman Dawood, der wohl nur aus Liebe zu seinem Vater in das U-Boot gestiegen war, „die bei diesem Ausflug ihr Leben verloren haben“, so Bloom. Das Schicksal der beiden nehme ihn besonders mit. „Alles, was ich sehen konnte, als ich den Vater und den Sohn sah, waren ich und mein Sohn, das hätten wir sein können“, sagte Jay Bloom im Gespräch mit CNN.

Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer

Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“
Sie schufen den Mythos um die 1912 gesunkene „Titanic“: Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“. Der Film gewann elf Oscars. 130 Millionen Besucher zog es in den USA ins Kino, immerhin 18 Millionen in Deutschland. © imago/EntertainmentPictures
Titanic
Die überreste des gesunkenen Luxusdampfers „Titanic“ liegen in rund 3800 Metern Tiefe (undatiertes Archivfoto). © epa PA/epa/dpa
Das Wrack der Titanic.
Titanic Wrack U-Boot.jpg © Atlantic Productions/Magellan/Imago
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.  © Atlantic Productions/dpa
Atlantik
Hier liegt das Wrack der „Titanic“ im Atlantik. © Google/dpa
Titan
Dieses vom American Photo Archive herausgegebene Foto zeigt das Tauchboot „Titan“ von OceanGate Expeditions, das zur Besichtigung der Wrackstelle der „Titanic“ eingesetzt wurde. © American Photo Archive/Alamy/PA Media/dpa
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus.
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus: Eine Reise zur Titanic kostet Privatpersonen mit dem U-Boot rund 250.000 Dollar. © OceanGate Expeditions / AFP
Dieses Archivbild zeigt das Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik.
Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik verschollen (Archivfoto). Das kleine U-Boot ist knapp sieben Meter lang und fünf Personen bis in eine Tiefe von 4.000 Metern befördern.  © OceanGate Expeditions/AP/dpa
Der Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“.
Dieses von American Photo Archive zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“ von OceanGate Expeditions mit den damals reisenden Passagieren. Im Inneren des Tauchboots hat die Besatzung wenig Platz und nur eine bestimmte Menge Sauerstoff, wie eine ältere Fotoaufnahme zeigt. © American Photo Archive Alamy
Hamish Harding
Hamish Harding im Juni 2023 in London. Der britische Geschäftsmann und Abenteurer ist an Bord des Tauchboots, das in der Nähe des „Titanic“-Wracks im Atlantik vermisst wird. © Dirty Dozen Productions/PA Media/dpa
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde.
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde. © Greg Gilbert/dpa/Archivbild
U-Boot wird nahe Titanic-Wrack vermisst
Das U-Boot Titan ist auf dem Weg zur untergegangenen Titanic verschollen. © Dirty Dozen Productions/dpa
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt.
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt. © FP PHOTO / DIRTY DOZEN PRODUCTIONS / HANDOUT
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache, leitet die Suche nach dem verschwundenen U-Boot. Ein Wettlauf gegen die Zeit. © Joseph Prezioso / AFP
Karte wo das Tauchboot vermisst wurde
Die Trümmer des Tauchbootes auf dem Weg zur Titanic wurden gefunden. Eine Karte zeigt, wie nahe es dem versunkenen Schiff gekommen ost.  © Google/dpa
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes.
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes. © AFP PHOTO/DAWOOD HERCULES CORPORATION
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben.
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben. © imago
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks.
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks. © Paul Daly/dpa

Bloom beschreibt, welche Selbstsicherheit Rush über sein Vorhaben an den Tag gelegt habe. Rush habe „eine andere Risikobereitschaft“ als er gehabt. „Er war absolut überzeugt, dass es sicherer sei als die Straße zu überqueren“. Demnach sei sich Bloom sicher, „dass er wirklich glaubte, was er sagte. Aber er hat sich sehr geirrt. Er glaubte leidenschaftlich an das, was er tat“. Über den Verlust seines Freundes und Geschäftspartner trauere Bloom gemeinsam mit seinem Sohn. Seinen Followern gibt er mit: „Morgen ist nicht versprochen, mach das beste aus heute“.

*Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde am Samstag, 24. Juni 2023, 13.10 Uhr, um weitere Informationen ergänzt.

Rubriklistenbild: © Montage:dpa/Imago

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