VonMartina Lipplschließen
Schönheits-OPs in der Türkei sind beliebt. Die niedrigen Preise locken Menschen – auch aus Deutschland. Das geht nicht immer gut aus. Das RKI warnt nun vor Vergiftungen bei einem Botox-Eingriff.
Berlin – Ohne Qualen, ohne Diät purzeln die Kilos – so lautet in etwa ein Versprechen der „Anti-Hunger-Spritze“. Der spezielle Eingriff wird auch Magen-Botox genannt. In der Türkei sind nach diesem Schönheitseingriff Vergiftungsfälle bekannt geworden. Auch in Deutschland gibt es inzwischen zwölf Vergiftungsfälle in fünf Bundesländern, berichtet das Robert-Koch-Institut (RKI) auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Vergangene Woche waren neun Fälle „klinischem Botulismus“ gemeldet worden.
RKI warnt: Vergiftungsfälle nach Magen-Botox in der Türkei
„Alle haben gemeinsam, dass sie sich Ende Februar in der Türkei Behandlungen unterzogen haben, bei denen Botulinum-Neurotoxin in die Magenwand injiziert wird“, teilte das RKI vergangenen Freitag mit. Was bei der Behandlung falsch lief, ist zunächst noch unklar. Das RKI versuche weitere Details zu diesen Behandlungen zu erheben. Das RKI geht angesichts der eher unspezifischen Symptome bei Botulismus von weiteren Erkrankungsfällen in Deutschland aus.
Was ist „Magen-Botox“ eigentlich?
Beim „Magen-Botox“ soll das Nervengift auf die Muskeln des Magens wirken und die Verdauung im Magen verlangsamen. Das soll zu einem längeren Sättigungsgefühl bei den Patienten führen. Der Eingriff wird endoskopisch durchgeführt.
Diese Behandlung sieht eine deutsche Fachgesellschaft mit Skepsis. „Der Nutzen dieses Eingriffs ist bisher nicht gut genug belegt. Wir beobachten das kritisch und sprechen keine Empfehlung aus“, sagte der Präsident der Vereinigung der Deutschen Ästhethisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC), Detlev Hebebrand. Im seriösen Bereich gebe es für Magen-Botoxbehandlungen in Deutschland bisher keinen großen Markt.
„Der Effekt einer solchen Behandlung dürfte kaum länger als etwa sechs Monate anhalten“, sagte Hebebrand. „Dabei ist fraglich, ob der Nutzen des Eingriffs überhaupt über den Effekt eines Scheinmedikaments hinausgeht.“ An Beobachtungsstudien nähmen Menschen mit Motivation zum Abnehmen teil, was die Ergebnisse verzerren könne.
„Bei diesen Magenbehandlungen werden wesentlich höhere Botox-Mengen eingesetzt als etwa gegen Falten im Gesicht“, sagte der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie aus Rotenburg. Es sei unklar, wie lange es dauert, bis der Stoff im Körper wieder abgebaut wird.
Botulismus: RKI warnt – auf diese Symptome sollten Sie achten
Botulismus ist laut dem RKI eine seltene, „jedoch sehr ernste Krankheit“. Die Erkrankung ist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar, betont das Institut. Ursache des Botulismus seien die Botulinum Neurotoxine (BoNT). Diese Toxine sind hochgiftige Stoffwechselprodukte, die von Gram-positiven, obligat anaeroben sporenbildenden Stäbchenbakterien der Gattung Clostridium gebildet werden.
Das RKI appelliert an Menschen mit Symptomen nach einer „Magen-Botox“ in Istanbul ab dem 22. Februar zum Arzt zu gehen. Typische Anzeichen sind laut RKI Seh- und Sprachstörungen und Schwäche in Armen und Beinen. Hinzu kommen Schluck- und Atembeschwerden, die üblicherweise zwischen drei bis zehn Tagen nach der Behandlung auftreten. Auch Übelkeit, Erbrechen und Durchfall können erste Anzeichen einer BoNT-Vergiftung sein. Klinische Symptomatik von Botulismus laut RKI:
- Seh- und Sprachstörungen – wie Augenflimmern, Akkommodationsstörung und Lichtscheu. Die Pupillen sind meist erweitert und nicht lichtreagibel.
- Schwäche in Armen und Beinen – Lähmung der Feinmotorik der Hand
- Schluck- und Atembeschwerden
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— Robert Koch-Institut (@rki_de) March 10, 2023
Fälle von #Botulismus in Deutschland 🇩🇪
Alle haben gemeinsam, dass sie sich Ende Februar in Istanbul in der Türkei 🇹🇷 Behandlungen unterzogen haben, bei denen Botulinum-Toxin in die Magenwand injiziert wird.
⚠️Wichtige Informationen🧵
Mehrere Anbieter in der Türkei beschreiben den Eingriff im Internet auf Deutsch, teils mit Vorher-Nachher-Fotos. Ergänzend wird teilweise zu bewusster Ernährung geraten. Als Nebenwirkungen werden zum Beispiel Übelkeit und Verdauungsstörungen angegeben. Was bei den Behandlungen in der Türkei schief ging, ist bislang unklar. (ml/dpa)
