VonHannes Niemeyerschließen
Das Aus des Wintersport-Gebietes am Kasberg in Oberösterreich scheint besiegelt. Vor Ort ist man entsetzt – besonders über den Zeitpunkt.
Grünau – Von bis zu 1600 Metern Höhe geht es auf insgesamt 23 Pistenkilometern bergab: Das Skigebiet am Kasberg in Oberösterreich zählte zu den Geheimtipps unter den Wintersport-Fans. Umso trauriger dürfte manch einer sein, dass er sich zukünftig dort wohl nicht mehr die Pisten hinab wird stürzen können. Und das liegt nicht an im milden Winter fehlenden Schnee im Gebiet. Denn bergab ging es am Kasberg zuletzt nicht nur auf Skiern oder dem Snowboard, sondern auch mit den Finanzen. So sehr, dass nun das Aus des Skigebietes bei Grünau im Almtal bevor steht.
Bereits seit Monaten wurde für eine Lösung zur Rettung des Gebietes gekämpft – allerdings erfolglos. Die Betreiberfirma sei zahlungsunfähig, ein Insolvenzvertrag scheine unausweichlich, wie die Oberösterreicher Nachrichten berichten. Bereits im vergangenen Betriebsjahr habe der Verlust 1,3 Millionen Euro betragen, berichten österreichische Medien übereinstimmend. Das Land will das Gebiet aber mit maximal einer Million Euro bezuschussen. Der Landesrechnungshof erklärte das Gebiet ohne weitere Steuergelder bereits als „nicht überlebensfähig“.
Skigebiet am Kasberg vor dem Aus – Bürgermeister spricht von „Schocknachricht“
Vor Ort ist das Entsetzen über das Ende des Skigebietes dementsprechend groß. Grünaus Bürgermeister Klaus Kramersberger sprach gegenüber dem Radio ORF Oberösterreich von einer „Schocknachricht“. Das Vorgehen der Verantwortlichen um Landesrat Markus Achleitner habe ihn „sehr überrascht“.
Besonders ärgert Bürgermeister Kramersberger der Zeitpunkt der Entscheidung. Der SPÖ-Politiker berichtete dem ORF, dass man erst kürzlich auf der Gesellschaftersitzung beschlossen habe, einen Masterplan zur Rettung in Auftrag zu geben. Seit über eineinhalb Monaten sei man „sehr dahinter gewesen, dass man das in dieser kurzen Zeit zusammenbringt.“ Am 13. Juli hätte man einen Termin mit dem zuständigen Landesrat gehabt. Kurz zuvor kam nun die Information des Landesrates, dass man den unterstützenden Betrag von 300.000 Euro verweigern werde.
Skigebiet-Aus am Kasberg trifft auch Gastronomen: „Wie es jetzt weitergehen wird? Ich weiß es nicht“
Auch die Gastronomie vor Ort ist vom Aus des Gebietes betroffen. „Wir müssen jetzt schauen, dass wir den Winter erhalten und er keineswegs aus unserer Krone bricht“, sagte Hermann Hüthmayr, Hüttenwirt im Hochberghaus am Kasberg zum ORF. Bis zuletzt habe er noch geglaubt, dass es nicht soweit kommen würde, da so viele Oberösterreicher hier Skifahren gelernt hätten, das Gebiet somit eine große Tradition hat. Auch um seine eigene Zukunft sorgt er sich. „Wie’s weitergeht nach 50 Dienstjahren und vielen Ehrungen, die ich jetzt zurückgeben werde, wie es jetzt mit dem Hochberghaus weitergehen wird, da müssen wir nachdenken. Ich weiß es nicht“, so Hüthmayr zum ORF.
Nicht nur in Österreich, auch in Bayern sorgen sich viele um die Zukunft des Wintersports. Lohnt sich Skifahren im Freistaat noch? Grafiken und Analysen über den vergangenen, viel zu warmen Ski-Winter. (han)
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