Aktionsplan gegen Personalmangel

Flughafen-Chaos: Bundesregierung will Arbeitskräfte aus der Türkei holen

+
Flughafen Chaos in Düsseldorf: Passagiere brauchen starke Nerven.
  • schließen

Lange Schlangen beim Check-in und vor der Sicherheitskontrolle – Flughäfen in Deutschland sind am Limit. Es fehlt überall an Personal. Fachkräfte aus dem Ausland sollen jetzt zeitnah helfen.

Düsseldorf/Berlin – Flugpassagiere müssen momentan gute Nerven haben. Stundenlange Wartezeiten am Flughafen sind zermürbend. Der Flug in den Sommerurlaub gleicht einem Glücksspiel. Flüge werden einfach kurzfristig gestrichen. Viele Urlauber erreicht die Nachricht oft erst am Flughafen. Es fehlt überall an Personal. Beim Check-in, in den Sicherheitskontrollen sowie in der Flugzeugabfertigung. Viele Stellen sind unbesetzt. Der Corona-Personalabbau rächt sich jetzt. Beispiel Flughafen Düsseldorf (NRW): am Wochenende herrschten teils chaotische Zustände beim Gepäck. Eine Störung an der Gepäcktransportanlage dürfte der Grund dafür gewesen sein. Viele Passagiere sind wohl ohne Koffer am Urlaubsort gelandet.

Flughafen Chaos: Hilfskräfte aus dem Ausland zu den Sommerferien

In einer gemeinsamen Aktion will die Bundesregierung jetzt Abhilfe für die Flughäfen schaffen, berichtet die Bild am Sonntag (BamS). Verkehrsminister Volker Wissing (FDP), Innenministerin Nancy Faeser (SPD) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) ziehen demnach jetzt an einem Strang. Ziel sei es, Fachkräfte aus der Türkei nach Deutschland zu holen, wie die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise schreibt.

Von dieser Lösung war bereits in der ARD-Talksendung „Hart aber fair“ die Rede. 2.000 ausgebildete Arbeitskräfte stünden in der Türkei bereit, die an deutschen Flughäfen in der Gepäckabfertigung einspringen könnten, sagte Matthias von Randow, Chef des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Das Problem sei laut Randow, dass nach deutschem Recht in jedem Einzelfall geprüft werden müsse, ob für die Arbeit nicht auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt Personal zu finden sei. Diese Einzelfallprüfungen dauerten nach Randows Ansicht viel zu lange. Nun zeichnet sich offenbar doch eine „schnelle“ Lösung ab, obwohl Bundesverkehrsminister Volker Wissing vergangene Woche nicht mit einer baldigen Entspannung an den deutschen Flughäfen rechnete:

  • Verkehrsminister Wissing nehme die Situation ernst und möchte gemeinsam mit Faeser und Heil den Bürgerinnen und Bürgern helfen. Personalengpässe sollen abgestellt und eine temporäre Lösung präsentiert werden, erklärte Wissing laut BamS.
  • Arbeitsminister Heil will demnach die Einreise von dringend benötigtem Personal aus dem Ausland für eine vorübergehende Tätigkeit in Deutschland ermöglichen. „Dabei wollen wir jede Form von Sozialdumping und Ausbeutung ausschließen. Die Arbeitgeber müssen Tariflohn zahlen und für die befristete Zeit anständige Unterkünfte bereitstellen“, sagte Heil in der BamS.
  • Hilfskräfte aus dem Ausland könnten bei der Gepäckabfertigung eingesetzt werden, so Innenministerin Faeser. Doch beim Thema Sicherheit „gibt es keine Abstriche“, betont die SPD-Ministerin. „Ich bin der Bundespolizei sehr dankbar, dass sie mit so massivem Personaleinsatz dafür sorgt, dass wir alle sicher fliegen können.“
FDP-Verkehrsminister Volker Wissing plant Aktion gegen Personalnot an deutschen Flughäfen.

Kritischer Punkt Sicherheitskontrolle – Flughafen Düsseldorf steuert dagegen

Während es beim Gepäck am Flughafen Düsseldorf hakte, lief es beim kritischen Punkt Sicherheitskontrolle problemlos.  „Wir haben in Düsseldorf 10 bis 15 Minuten Wartezeit und sind damit sehr zufrieden“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Gerade noch rechtzeitig hatte die Bundespolizei einen zweiten Dienstleister zur Unterstützung verpflichten können. Der Hauptdienstleister rekrutierte zudem zusätzliche Hilfskräfte. Für den Flughafen Düsseldorf hatte die Bundespolizei einen zweiten Dienstleister zur Unterstützung verpflichten können.

Selbst, wenn die Personalreserven aufgestockt werden: Es drohen Streiks bei den Billigfluglinien Easyjet und Ryanair in Spanien. (ml)

Kommentare