VonLinus Prienschließen
Aufgrund des Coronavirus wird zum Teil mit Sorge auf den Herbst geschaut. Gerade ging ein neues Infektionsschutzgesetz durch den Bundestag. Die Experten sind sich jedoch uneinig.
Berlin - Der Virologe Christian Drosten warnte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung vor einer möglichen Corona-Welle im Winter. Selbst wenn die Verläufe dann leichter wären, werde dies wahrscheinlich zu erheblichen Arbeitsausfällen führen. Neue Virusvarianten des Coronavirus machten wieder stärker krank, sodass viele Menschen ganz unabhängig von Isolationsverordnungen gar nicht zur Arbeit gehen könnten, auch wenn sie nicht gleich ins Krankenhaus müssten. Der Virologe Hendrik Streeck äußerte eine optimistischere Herbst-Prognose.
Corona-Herbst: Drosten rät zur Maskenpflicht in Innenräumen
Der Corona-Experte forderte bessere Vorkehrungen der Politik, etwa eine erneute Maskenpflicht in Innenräumen. Außerdem müsse die Politik für die Sammlung von Daten sorgen, auf deren Grundlage schnell Maßnahmen zur Eindämmung von Corona-Wellen beschlossen werden könnten, forderte Drosten.
Der Wirtschaft riet Drosten in der Süddeutschen Zeitung, sich mit Stellvertreterregelungen und Team-Bildung auf eine Krankheitswelle vorzubereiten: „Ich gehe auch davon aus, dass es durchaus auch Firmen geben wird, die mal für zwei Wochen schließen müssen“, sagte der Virologe.
Corona-Herbst: Virologe Streeck kritisiert das neue Infektionsschutzgesetz
In einem Interview mit dem Focus ordnete der Virologe Hendrik Streeck den Maßnahmenkatalog des neuen Infektionsschutzgesetzes ein: „Ihm ist deutlich anzumerken, dass er ein Kompromiss aus verschiedenen Ansichten des weiteren Umgangs mit der Pandemie ist.“ Aus diesem Grund sei das Gesetz nicht kohärent. Was die Maskenpflicht betrifft, ergäbe es dem Virologen zufolge keinen Sinn zwischen Flugzeugen und Zügen zu unterscheiden.
Des Weiteren fehlen Streeck „konkrete Schwellenwerte“, ab denen unterschiedliche Maßnahmen in Kraft treten würden. Auf der anderen Seite gäbe es in den Bundesländern unterschiedliche Situationen, was etwa das Infektionsgeschehen oder die verfügbaren Krankenhausbetten betrifft. Aus diesem Grund könne es auch keinen „universalgültigen Schlüssel“ zum Verordnen von Maßnahmen geben. Positiv hob Streek den „Entscheidungsspielraum“ der Länder hervor. Somit sei mehr Flexibilität gewährleistet.
Corona-Herbst: „Es kann gut sein, dass die befürchtete massive Welle ausbleibt“
Für den kommenden Herbst warnt Streeck beim Focus davor, Maßnahmen aus reiner Sorge zu erlassen: „Nach zweieinhalb Jahren Pandemie wissen die Bürgerinnen und Bürger nur zu gut, wie man mit Corona umgehen muss. Das kann man auch mal positiv hervorheben. Es wäre aus meiner Sicht hier legitim, Eigenverantwortung zuzulassen.“
Mit Hinblick auf eine befürchtete große Welle gab sich der Virologe optimistischer, als sein Kollege Drosten: „Es kann gut sein, dass die befürchtete massive Welle ausbleibt“. Streeck betonte die hohe Immunität in Deutschland. „Trotz allem ist es gut, Vorbereitungen zu treffen. Maßnahmen sollten aber nur bei einer konkreten Gefahrenlage eingesetzt werden“.
Corona-Mutation: Kein Grund zur Sorge vor gefährlichen Mutationen
Streeck geht zudem davon aus, dass sich das Coronavirus weiterentwickeln wird: „So ein Virus unterliegt Selektionsdruck, sodass in absehbarer Zeit weitere Immunfluchtvarianten entstehen.“ Dies müsse jedoch nicht unbedingt relevant sein. Die hohe Immunität in Deutschland gehe durch eine Mutation nicht komplett verloren. Man sei gut damit beraten, Mutationen zu beobachten. Dennoch gelte: „Es gibt keinen Grund zu befürchten, dass es bei jeder neuen Variante wieder härtere Maßnahmen braucht oder sie gefährlich für uns alle wäre.“ (lp/AFP)
Rubriklistenbild: © Malte Ossowski/SVEN SIMON via www.imago-images.de
