Neue Immunbarriere gegen Covid

Rätsel um Corona-Immunität gelöst? Forscher finden Protein mit molekularem Klettverschluss  

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Warum erkranken manche Menschen nicht schwer an Corona? Forscher aus Australien könnten nun eine Antwort auf die Frage gefunden haben.

Sydney - Es gibt immer noch Menschen, die nicht am Coronavirus erkrankt sind. Haben sie bisher einfach Glück gehabt oder verfügt ihr Körper über einen bestimmten Stoff, der sie immun gegen das Virus macht? Eine Antwort darauf könnte eine neue Studie geben, deren Ergebnisse am 9. Februar im Fachmagazin PLOS Biology veröffentlicht wurden.

Natürliche Corona-Immunität: Protein LRRC15 haftet an Spitzen des Virus wie ein Klettverschluss

Die Untersuchung wurde von Greg Neely, Professor für Genomik am Charles Perkins Centre der Universität von Sydney, in Zusammenarbeit mit Doktor Lipin Loo und Matthew Waller durchgeführt. Dabei fanden sie in der Lunge das Protein LRRC15, das wie ein Klettverschluss an Sars-CoV-2 haftet und es damit ineffektiv macht.

Das LRCC15 bindet sich an das Spike-Protein von Sars-CoV-2 und verhindert so, dass sich das Virus an menschliche Zellen andockt, wie hier in der Grafik dargestellt.

Für ihre Untersuchung nutzte das Team menschliche Zellen in Gewebekulturen, um das gesamte menschliche Genom nach Proteinen zu durchsuchen, die sich an Sars-CoV-2 binden können. Dabei stießen sie auf LRRC15, das an das Spike-Protein von Sars-CoV-2 andockt und so verhindert, dass menschliche Zellen infiziert werden. LRRC15 wirke „ein bisschen wie ein molekularer Klettverschluss, indem es an der Spitze des Virus klebt und es dann von den Zielzelltypen wegzieht“, erklärte Dr. Lipin Loo dem britischen The Guardian die Wirkungsweise.

Natürliche Immunität gegen das Coronavirus: LRRC15 scheint Teil einer neuen Immunbarriere zu sein

„Wir haben Lungen von Patienten untersucht, die an Covid oder anderen Krankheiten gestorben sind, und festgestellt, dass die schweren Covid-Patienten Tonnen von diesem LRRC15 in ihren Lungen hatten“, sagte Greg Neely dem The Guardian. Vor einer Sars-CoV-2-Infektion ist LRRC15 beim Menschen nicht vorhanden. Das Protein scheint Teil einer neuen Immunbarriere zu sein, die zum Schutz vor einer schweren Covid-19-Infektion beiträgt und gleichzeitig die antivirale Reaktion des Körpers aktiviert, so der Genomik-Professor.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
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HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. © dpa
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16)
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. © dpa
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Auslöser der Tuberkulose sind Bakterien (Mycobacterium tuberculosis)
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Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

Doch warum sind Patienten trotz des Vorhandenseins von LRRC15 an Covid-19 gestorben? Die Forscher gehen davon aus, dass diese nicht genug von dem Protein produziert haben, damit es Schutz bieten kann. Oder es wurde zu spät produziert, um zu helfen.

Der Gegenbeweis wäre es festzustellen, wie hoch der LRRC15-Level bei Patienten ist, die Covid-19 überlebt haben. Doch das ist nicht möglich, da eine Lungenbiopsie bei lebenden Menschen nicht durchzuführen ist. Allerdings gehen die Forscher davon aus, dass Überlebende mehr von diesem Protein gebildet haben als diejenigen, die an Covid gestorben sind. „Unsere Daten deuten darauf hin, dass höhere LRRC15-Spiegel dazu führen würden, dass Menschen weniger schwere Krankheiten haben“, sagte Neely.

Natürliche Immunität gegen das Coronavirus: LRRC15 gibt Hoffnung auf neue Medikamente

Es gibt eine separate Studie, die die Theorie der Forscher aus Australien unterstützt. Bei einer Untersuchung aus London, für die Blutproben auf LRRC15 untersucht wurden, wurde festgestellt, dass der LRRC15-Spiegel im Blut von Patienten mit schwerem Covid-Verlauf niedriger war als bei Patienten mit mildem Covid.

Die Hoffnung von Greg Neely ist es nun, auf Basis von LRRC15 neue Medikamente zu entwickeln, die eine Virusinfektion blockieren. Es könnte sogar eine Lungenfibrose, gegen die es keine gute Behandlung gibt, unterdrücken. Auch Covid-19 kann zu einer Lungenfibrose führen, bei der das Lungengewebe beschädigt und vernarbt wird. Ein Resultat könnte Long-Covid sein.

Rubriklistenbild: © Science Photo Library/imago

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