„Gelegenheit nicht verstreichen lassen“

Corona-Impfpflicht: Lauterbach rechnet mit Unions-Idee ab – und fürchtet „traurige Situation“ im Herbst

SPD-Gesundheitsminister Lauterbach sagt für den Herbst eine „traurige Situation“ voraus, falls sich nicht mehr Menschen gegen Corona impfen lassen. Die Sichtweise der Union behagt ihm nicht.

Berlin - Noch nie hat Deutschland so viele Corona-Neuinfektionen wie an diesem Donnerstag (24. März) verzeichnet: 318.387 binnen 24 Stunden, 300 Todesfälle an oder mit dem Sars-CoV2-Virus kamen hinzu. Die Schulen zum Beispiel sind am Limit. Für eine allgemeine Impfpflicht zeichnet sich indes im Bundestag aktuell keine Mehrheit ab.

Der soll nach jetzigem Stand Anfang April über das Thema entscheiden. In der Ampel-Koalition tragen vor allem Teile der FDP eine allgemeine Impfpflicht nicht mit. Die Union aus CDU/CSU unter Fraktionschef Friedrich Merz beharrt darauf, zunächst nur einen „Vorratsbeschluss“ für eine mögliche spätere Impfpflicht zu fassen.

Wie halten es die Nachbarländer? Die Corona-Impfpflicht in Österreich: schon Geschichte, also zumindest ausgesetzt. Seit dem 23. März sind die Corona-Regeln dort allerdings wieder verschärft. Das könnte auch hierzulande drohen, warnt Gesundheitsminister Karl Lauterbach.

Corona in Deutschland: Lauterbach warnt vor verstreichenden Gelegenheiten

„Beenden wir die Pandemie in diesem Jahr“, sagte der SPD-Politiker heute im Bundestag. „Wir haben es in der Hand (...) Wir sollten diese Gelegenheit nicht verstreichen lassen.“

Sonst werde im Herbst erneut die Debatte über Corona-Schutzmaßnahmen beginnen: „Reicht das Infektionsschutzgesetz aus? (...) Was müssen wir schließen? Müssen die Kinder Masken tragen?“, sagte Lauterbach. „Der einzige zuverlässige Weg aus der Pandemie heraus ist die allgemeine Impfpflicht.“

Lauterbach am 23. März in der Bundestag-Generaldebatte

Corona-Impfpflicht: Lauterbach (SPD) kritisiert Vorschlag von CDU/CSU

Lauterbach appellierte ausdrücklich an CDU und CSU, einer allgemeinen Impfpflicht zuzustimmen. Er wisse, dass diese dort viele Unterstützer habe, sagte er. Der eigene Vorschlag der Unionsfraktion reiche nicht. „Wir dürfen es nicht verschieben. Wenn wir zu spät beginnen mit der Impfpflicht, dann haben wir die Impfpflicht erst durchgezogen für das nächste Frühjahr. Das wäre zu spät.“

Auf Twitter empfahl Lauterbach zu dem Themenkomplex ein Interview mit dem Virologen Christian Drosten:

Corona-Herbst 2022: Lauterbach ohne Impfpflicht pessimistisch

Auch in der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) vom Donnerstag (24. März) ist Lauterbach mit seinem Appell zu lesen. In dem Interview rechnete er fest mit einer Bundestags-Mehrheit für die Impfpflicht: „Weil es anders nicht geht. Wir werden sonst im Herbst eine traurige Situation vorfinden“

Es sei weiterhin ein „Kampf“, hohe Covid-Todeszahlen zu vermeiden. „Ich bin nicht sicher, ob wir das im Herbst noch einmal schaffen würden“, sagte Lauterbach der NOZ. „Auch für unsere Wirtschaft hängt viel davon an. Kommt eine Herbstwelle, war es das mit dem Aufschwung.“

Lauterbach macht ungute Corona-Prognose für den Herbst 2022

Um vollständigen Impfschutz zu erreichen, brauche es mindestens vier Monate. „Ab Mitte Juni müsste mit dem Impfen für den Herbst begonnen werden. Dann können wir es schaffen, ohne drastische Einschränkungen bis ins nächste Frühjahr zu kommen“, erklärte Lauterbach.

„Ohne Impfpflicht ab Sommer reden wir ab Oktober wieder über Masken, Homeoffice-Pflicht, 2G, 3G.“, betonte Lauterbach und fuhr fort: „Ich setze auf die Kraft des Arguments. Die ganze Bundesregierung ist sich der Bedeutung dieser Weichenstellung bewusst.“ (frs)

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