VonYannick Hankeschließen
Deutsche Forscher legen in einer Studie dar, dass eine bestimmte Genvariante das Sterberisiko bei Corona um rund 35 Prozent reduziert. Wie ist das möglich?
Berlin – Rund um das Coronavirus wird viel geforscht. Seit Ausbruch der Pandemie wurden unzählige Studien erhoben, wissenschaftliche Erkenntnisse häufen sich allein in Deutschland. So auch an der Uni Duisburg-Essen (UDE), wo ein Forscherteam herausgefunden hat, dass eine bestimmte Genvariante das Sterberisiko bei Corona-Infektionen um rund 35 Prozent verringert. Das hätte ihre Studie ergeben.
Corona in Deutschland: Genvariante kann Sterberisiko um rund 35 Prozent senken
Konkret wurden hierfür die Krankheitsverläufe von 1570 Corona-Patienten untersucht, die zwischen dem 11. März 2020 und dem 30. Juni 2021 auf das Coronavirus getestet worden waren. Das teilte die UDE in Bezug auf die Studie um die Genvariante, die das Sterberisiko um rund 35 Prozent senken kann, am Montag, 1. August 2022, mit. Veröffentlicht wurden die entsprechenden Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Frontiers in Genetics“. Bei der angesprochenen Variante handelt es sich um „GNB3 TT“, die rund zehn Prozent der Bevölkerung in Europa in sich tragen.
„GNB3 ist ein Gen, welches eine wichtige funktionelle Untereinheit der sogenannten G-Proteine verschlüsselt. Die G-Proteine sind in vielen Prozessen im Körper beteiligt. Unter anderem konnte unsere Arbeitsgruppe in eigenen Vorarbeiten bereits zeigen, dass die in der Studie beschriebene Genvariante eine Aktivierung von Immunzellen zur Folge hat“, heißt es von Studienautorin Birte Möhlendick gegenüber der dpa.
Corona in Deutschland: Schnelle, gute Immunantwort mit großer Rolle bei Covid-19-Infektion
Eine frühzeitige, vor allem aber auch adäquate Immunantwort spiele bei dem Verlauf von Covid-19 eine große Rolle. „So haben wir in dieser Studie zum einen geschaut, ob die Patienten mit unterschiedlich schweren Verläufen verschiedene Immunantworten haben und ob die Genvariante in GNB3 gegebenenfalls dafür verantwortlich ist“, sagt die Wissenschaftlerin vom Institut für Pharmakogenetik.
Wie bereits bekannt, konnten wir auch beobachten, dass ein jüngeres Lebensalter und das Fehlen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes das Risiko um die Hälfte reduziert, nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 zu sterben.
Von den 1570 Studienteilnehmern hätten 13 Prozent (205 Personen) einen milden Verlauf gehabt. 48 Prozent (760 Personen) wären ins Krankenhaus gekommen und wiederum 19 Prozent (292 Personen) seien von Intensivmedizinern behandelt worden. Gar 20 Prozent (313 Personen) seien sogar gestorben.
Corona in Deutschland: Studie berücksichtigt Omikron und Subvarianten noch nicht
„Wir konnten auch zeigen, dass die Zellen von Menschen mit dem GNB3 TT-Genotyp am stärksten auf das Coronavirus reagierten, was möglicherweise erklärt, warum bei diesen Genträgern das Todesrisiko so stark reduziert ist“, erklärt Birte Möhlendick. Da die Studie jedoch nur bis in den Juni 2021 erreicht, sind die aktuelle Omikron-Variante, die erst im Herbst 2021 nachgewiesen wurde, und ihre Subvarianten wie Omikron BA.5 oder Omikron BA.2.75 noch nicht mit erfasst. Immerhin: Laut Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gibt es zumindest keine weiteren Corona-Varianten mehr.
Schon frühere Studie hatten gezeigt, dass Gene mit Blick auf Corona eine tragende Rolle spielen können. Beispielsweise haben Corona-Infizierte mit einer anderen Genvariante eine dreimal höhere Wahrscheinlichkeit, künstlich beatmet werden zu müssen. Das fand ein Team vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig bereits 2020 heraus. Und auch die Blutgruppe eines Menschen hat Einfluss darauf, wie leicht er sich mit Corona infiziert und wie schwer er daran erkrankt. (mit Material der dpa)
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