Studie aus Dänemark

Corona erhöht Risiko für Alzheimer – „Leider keine Panikmache“ warnt Lauterbach auf Twitter

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Covid-19 erhöht wahrscheinlich das Risiko für Alzheimer und Parkinson, laut einer neuen Studie.
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Covid-19 erhöht das Risiko für Alzheimer laut einer neuen Studie aus Dänemark. Das gilt aber auch für andere Viruserkrankungen. Lauterbach reagiert prompt auf Twitter.

Berlin – Eine Coronainfektion kann bei Menschen zu neurologischen Erkrankungen führen. Mediziner haben diesen Zusammenhang bereits früh erkannt. Dänische Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass Covid-19 das Risiko für Alzheimer, Parkinson und einen ischämischen Schlaganfall (Hirninfarkt) erhöht. Die Forschung zeigt jedoch auch, dass nach Covid-19 kein höheres Risiko für diese neurologischen Störungen bestand als für andere Atemwegserkrankungen, wie Influenza oder einer ambulant erworbenen bakteriellen Lungenentzündung.

Lauterbach zu Covid-19 und Alzheimer: „Leider keine Panikmache“

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) fielen Berichte der neuesten Covid-Studie aus Dänemark sofort ins Auge. „Leider keine Panikmache“, twittert Lauterbach. „Es ist gut, auf diese Gefahr hinzuweisen. Sich im Sommer vorbeugend zu infizieren, ist nicht schlau. Angepasste Impfstoffe kommen.“ Offenbar will der 59-Jährige die Corona-müde Bevölkerung aufrütteln. Auch nochmals eindringlich vor einer absichtlichen Ansteckung mit dem Coronavirus im Sommer warnen. Eine Empfehlung in dieser Art kursierte in den vergangenen Wochen und sorgt teils für heftige Diskussionen. Vergessen scheint offenbar bei einigen der brisante Steak-Vergleich von Virologen Christian Drosten zu sein. Das Immunsystem des Körpers ist komplex. Eine Virusinfektion kann harmlos sein, aber mitunter auch lebensbedrohlich.

Die neue Studie aus Dänemark zeigt, dass Covid-19-Patienten neurologische Probleme entwickeln können. Ärzte sollten ihre Patienten im Auge behalten. Doch auch Atemwegserkrankungen, wie Influenza oder eine ambulant erworbene bakterielle Lungenentzündung erhöhen das Risiko einer neurologischen Erkrankung.

Covid-19: Forscher werten Daten von fast einer Million Patienten aus

Im Rahmen der Studie werteten die Forscher elektronische Patientenakten von über der Hälfte der dänischen Bevölkerung aus. Basis für die Analyse waren Daten von 919.731 stationären und ambulanten Patienten im Zeitraum zwischen Februar 2020 und November 2021. Davon wurden 43.376 Menschen positiv auf Corona getestet. Gleichzeitig wertete das Forscher-Team Daten von Influenza-Patienten aus, die in einem entsprechenden Zeitraum (Februar 2018 bis November 2019) vor der Pandemie an Grippe oder an einer bakteriellen Lungenentzündung erkrankt waren.

Ist Covid-19 ein Risiko für bestimmte neurologische Erkrankungen?

  • Die Studie umfasst 919.731 Personen (Februar 2020 bis November 2021): davon 43.262 Personen mit einem positiven Covid-Test ohne Influenza A/B-Vorgeschichte. 876.356 ohne positiven Covid-Test.
  • 1.474 Personen mit ambulant erworbener Lungenentzündung ohne Covid-19 in der Vorgeschichte und 8.102 mit Influenza A oder B (Februar 2018 bis November 2019).

Corona-Infektion erhöht Risiko für Alzheimer? Das Ergebnis der neuen Studie aus Dänemark

„Abgesehen vom ischämischen Schlaganfall scheinen die meisten neurologischen Erkrankungen nach Covid-19 nicht häufiger aufzutreten als nach Influenza oder ambulant erworbener bakterieller Lungenentzündung“, erklärte Pardis Zarifkar, Hauptautorin der Studie und Forscherin der Abteilung für Neurologie, Rigshospitalet, Universitätskrankenhaus Kopenhagen in einer Pressemitteilung.

Frühere Studien hätten einen Zusammenhang von Covid-19 und neurologischen Erkrankungen festgestellt, so Zarifkar. Unklar sei bisher geblieben, ob Covid-19 auch die Häufigkeit bestimmter Erkrankungen beeinflusse.

„Diese Ergebnisse werden dazu beitragen, unser Verständnis der langfristigen Auswirkungen von Covid-19 auf den Körper und der Rolle, die Infektionen bei neurodegenerativen Erkrankungen und Schlaganfällen spielen, zu verbessern“, stellt Studienautorin fest.

  • Covid-19 wird mit einem dreifach erhöhten Risiko für Alzheimer in Verbindung gebracht.
  • Covid-19 verdoppelt Risiko für die Parkinson-Krankheit.
  • Für einen Hirninfarkt war das Risiko nach Covid-19 um das 2,7-fache erhöht.
  • Gefahr einer Hirnblutung war nach Covid-19 um das 4,8-fache erhöht.

Die Ergebnisse wurden auf dem Kongress der European Academy of Neurology (EAN) 2022 vorgestellt und am 23. Juni online in Frontiers in Neurology veröffentlicht.

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