VonVictoria Krumbeckschließen
Abwasseruntersuchungen sind eine effiziente Möglichkeit, Corona-Ausbrüche schneller zu erkennen. Amtsärzte fordern nun eine konsequente Durchführung der Abwasseranalyse in allen Kommunen.
Berlin – Amtsärzte fordern eine Ausweitung der Abwasseruntersuchungen. Dadurch könnten Corona-Ausbrüche schneller festgestellt werden. Bereits in 20 deutschen Städten wird die Abwasseruntersuchung auf das Coronavirus durchgeführt. Schon letztes Jahr hatte die Europäische Kommission den Mitgliedsstaaten der EU das Pilotprojekt empfohlen.
„Die Abwasseranalyse ist ein hervorragendes Instrument für die Pandemiekontrolle“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Johannes Nießen, der Funke-Mediengruppe. „Optimal wäre, wenn alle Kommunen mitmachen würden“, so Nießen weiter. „Je mehr Städte daran teilnehmen, desto präziser wird unser Bild vom Infektionsgeschehen.“ Zurzeit werden Abwasseruntersuchungen in 20 deutschen Städten durchgeführt, darunter Köln, Berlin und Stuttgart.
Corona: Abwasseruntersuchungen liefern Informationen zur Ausbreitung
Das Abwasser eigne sich besonders gut für die Untersuchung der Verbreitung der Sars-CoV-2-Viren. Beim Zähneputzen oder beim Toilettengang gelangen die Viren in das Abwasser. Bei den Abwasserproben können dann kleine, stark verdünnte Virusbestandteile nachgewiesen werden. Es lässt sich nicht nur die Konzentration der Coronaviren nachweisen, sondern auch die Variante. Mit geringem Aufwand und niedrigen Kosten kann so eine Echtzeitlage des Pandemiegeschehens abgebildet werden.
Die Abwasseruntersuchungen wurden schon erfolgreich angewendet. In Köln ergaben die Zahlen eine Sieben-Tage-Inzidenz, die fast doppelt so hoch ist, wie die offizielle Angabe des Robert-Koch-Instituts. „Die offizielle Inzidenz liegt bei aktuell bei rund 800, durch die Abwasseranalyse wissen wir aber, dass sie tatsächlich bei über 1500 liegt“, erklärte Nießen.
Noch befindet sich das Projekt in der Pilotphase. Die EU-Kommission hatte schon im März 2021 den Mitgliedsstaaten eine Empfehlung ausgesprochen. In anderen Staaten ist die Abwasseruntersuchung bereits ein festes Instrument zur Überwachung der Pandemielage. So berichtete das Schweizer Bundesamt für Gesundheit, dass das Überwachungssystem bereits über 100 Klärwerke erfasst. (vk)
