VonJennifer Lanzingerschließen
Die Corona-Herbstwelle erlebt aktuell einen deutlichen Dämpfer. Das RKI rechnet in den kommenden Wochen mit deutlich mehr Influenza-Fällen und RSV-Infektionen bei Kindern.
Berlin – Ist es die Ruhe vor dem Sturm oder entspannt sich die Corona-Welle in diesem Herbst tatsächlich schneller als noch in den Jahren zuvor? Mehrere Indikatoren deuten darauf hin, dass die Corona-Herbstwelle einen deutlichen Dämpfer bekommen hat. Das Robert Koch-Institut veröffentlicht nun seinen aktuellen Wochenbericht. Darin wird klar: Es gibt noch andere Krankheitserreger, mit deren Erstarken in den nächsten Wochen gerechnet wird.
Corona-Welle deutlich abgebremst: Ist das die Ruhe vor dem Sturm?
Die rückläufige Entwicklung bei den gemeldeten Corona-Neuinfektionen in Deutschland könnte laut RKI mit den Herbstferien zusammenhängen und nur vorübergehend sein. Vergangene Woche seien die Sieben-Tage-Inzidenzen in allen Bundesländern und Altersgruppen gesunken, heißt es im RKI-Wochenbericht von Donnerstagabend. „Hierbei muss weiterhin der Faktor der Schulferien mit bedacht werden, der sowohl Kontakt- als auch Testverhalten beeinflusst.“ Der Inzidenz-Rückgang betrug demnach im Vergleich zur Woche zuvor insgesamt 33 Prozent.
Und auch die Zahl der gemeldeten Ansteckungen ist in dieser Woche weiter gesunken. Im Großteil der Bundesländer war am Montag oder Dienstag Feiertag. Rückläufig war vorige Woche laut RKI-Bericht aber nicht nur die Inzidenz: Auch wurden weniger schwere Covid-19-Verläufe erfasst. Die geschätzte Zahl der Arztbesuche in dem Zusammenhang fiel im Wochenvergleich ebenfalls geringer aus, ebenso die Zahl der Labortests auf Sars-CoV-2. Bei der Viruslast im Abwasser zeigte sich beim Großteil der untersuchten Standorte ein fallender Trend – diese Art der Überwachung ist unabhängig von der Inanspruchnahme von Tests.
RKI rechnet mit hoher Zahl an Atemwegserkrankungen
Insgesamt rechnet das RKI in den kommenden Wochen mit einer hohen Zahl an Atemwegserkrankungen. „Insbesondere die Positivenrate und die Zahl der Erkrankungen durch Influenza zeigen einen steigenden Trend, zudem führen RSV-Infektionen insbesondere bei Kleinkindern zu vermehrten Erkrankungen und Krankenhauseinweisungen.“ RSV steht für Respiratorisches Synzytial-Virus. Der Erreger hatte bereits vergangenes Jahr für eine außergewöhnliche Welle in einigen Ländern gesorgt, was auch als Folge der Pandemie gilt.
Unverändert herrscht in Deutschland nach den aktuellsten verfügbaren Daten von vorvergangener Woche die Omikron-Sublinie BA.5 vor - mit 96 Prozent, wie aus dem Bericht hervorgeht. Neue Abkömmlinge von BA.5 wie BQ.1 und BQ.1.1, die sich nach Modellierungen der europäischen Seuchenschutzbehörde ECDC in den kommenden Wochen durchsetzen dürften, nehmen auch in Deutschland zu. Das Niveau sei aber mit je rund drei Prozent Anteil in einer Stichprobe sehr niedrig, schreibt das RKI. Bisher gibt es Fachleuten zufolge auch keine Anzeichen, dass der etwa in sozialen Medien gebrauchte Spitzname von BQ.1.1 - „Höllenhund“ - Programm ist.
Im Oktober sind laut einem weiteren RKI-Bericht speziell zu Covid-19-Immunisierungen vom Donnerstag mehr als zwei Millionen Impfungen bundesweit verabreicht worden. Fortschritte gebe es insbesondere bei zweiten Auffrischimpfungen, die etwa älteren Menschen empfohlen werden. Aber: „Bei den Bewohnenden und Gästen von Langzeitpflegeeinrichtungen lässt sich nur ein langsamer Anstieg der Impfquoten für die 2. Auffrischimpfung beobachten“, schreibt das RKI. Es ruft dazu auf, die Grippeschutzimpfung „unbedingt“ zum Anlass zu nehmen, um auch den Covid-19-Schutz der gefährdeten Gruppe zu vervollständigen.
Wissenschaftler haben aktuell den „Höllenhund“ (Cerberus) im Visier. Die neue Omikron-Subvariante BQ.1.1. Die Symptome sind offenbar anders ausgeprägt.
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