Mehrere Orcas greifen Segelboot an – Seenotrettung muss Crew zu Hilfe kommen
VonUlrike Hagen
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Attacke nach Mitternacht: Mehrere Orcas versenken eine Jacht vor Gibraltar. Das Boot schlägt schließlich Leck, die Segler werden in letzter Sekunde gerettet.
Gibraltar – Es ist der Albtraum eines jeden Seglers: Mitten in der Nacht kommt es im Mai zu einer lebensbedrohlichen Begegnung auf offener See vor Gibraltar. Eine Gruppe von Orcas attackiert und versenkt die Jacht „Champagne“. Die Seenotrettung rettet die Crew in letzter Sekunde von dem schwer leckgeschlagenen Segelboot. Die von der Bootsbesatzung aufgenommenen Bilder zeigen beängstigende Szenen, auch das Schnauben der aggressiven Tiere ist deutlich zu hören. Zuletzt zeigte ein Video unfassbare Szenen von Orcas, die zwei Grauwale angreifen.
Orcas greifen Segelboot an – Seenotrettung muss Crew zu Hilfe kommen
Erst 2022 sorgte ein verirrter Orca in Frankreich, der tot in der Seine gefunden wurde, für Wirbel. Nun versenken Killerwale fast ein Segelboot vor der spanischen Küste.
Die Angriffe waren brutal. Es waren zwei kleinere und ein größerer Orca.
Um Mitternacht herum verspürten die Crewmitglieder der „Champagne“ plötzlich den Aufprall eines großen Objekts gegen die Jacht, berichtet Skipper Werner Schaufelberger gegenüber yacht.de. „Wir liefen unter Maschine und Groß bei 7 bis 8 Knoten achterlichem Wind, als es plötzlich laut rumpelte“. Sofort habe er den Motor und den Autopiloten abgeschaltet und ein Notsignal an die spanische Küstenwache gesendet.
00:04h. Velero Alborán Champagne, con timón roto y vía de agua, tras interacción con orcas en Barbate. Salvamar Enif auxilia a los 4 ocupantes y traslada a puerto. CCS Tarifa moviliza también el Helimer 222. La Enif intenta achicar el agua pero a las 5.50 h. el velero se hunde pic.twitter.com/eRnv3tKVJk
— SALVAMENTO MARÍTIMO (@salvamentogob) May 5, 2023
Segelcrew gerät in Seenot: Totalverlust nach Orca-Attacke
Die Jacht wird durch eine Kollision erschüttert, gefolgt von einer weiteren. Die Besatzung erkennt rasch, dass die Jacht nicht mit einem anderen Boot zusammengestoßen ist, sondern von den Orcas angegriffen wird.
Natur ohne Gnade – Die gefährlichsten Tiere der Welt
„Im ersten Moment dachte ich, dass wir etwas gerammt hatten“, erzählt Schaufelberger, dessen Crew auf einem Ausbildungstörn der Schweizer Segel- und Motorbootsschule HOZ Hochseezentrum International unterwegs war, „doch dann wurde mir schnell klar, dass es Orcas waren, die auf das Schiff losgingen.“ Schaufelberger befand sich zusammen mit drei anderen Seglern auf einem Ausbildungstörn der Schweizer Segel- und Motorbootsschule HOZ (Hochseezentrum International), der sie von Teneriffa über Malaga nach Palma führte.
Der Große nahm immer wieder Anlauf und rammte dann mit voller Wucht von der Seite das Schiff.
„Angriffe waren brutal“: Jacht sinkt nach Orca-Attacke vor Spaniens Küste
Der Skipper stellt sofort den Motor ab, schaltet auf Autopilot und setzt einen Funkspruch ab. Doch die Orcas kennen keine Gnade und attackieren weiter die „Champagne“: „Die Angriffe waren brutal. Es waren zwei kleinere und ein größerer Orca. Die beiden Kleinen rüttelten hinten am Ruder, während der Große immer wieder Anlauf nahm und dann mit voller Wucht von der Seite das Schiff rammte. Wir lagen dann jeweils um 90 bis 100 Grad anders“, berichtet der Skipper der yacht.de.
Orca-Attacke: Crewmitglieder müssen über eine Stunde auf Rettung warten
Etwa 90 Minuten später bemerkt die Besatzung Wasser im hinteren Teil der Jacht. Zwei Löcher, seitlich vom Ruder, wurden notdürftig geflickt, das Wasser im Boot steigt. Schnell ist der Crew klar, dass sie dringend Hilfe benötigten. Die Küstenwache in Tarifa wird alarmiert; sie schickt einen Helikopter sowie einen Seenotrettungskreuzer.
Nicht mehr zu retten: Jacht sinkt nach Orca-Attacke vor Spaniens Küste
Nach 20 Minuten trifft der Rettungskreuzer ein und nimmt die vier erschöpften Segler an Bord, in buchstäblich letzter Sekunde. Denn trotz leistungsstarker Pumpe an Deck und sofortigem Abschleppen der „Champagne“ in den Hafen von Barbate, westlich von Gibraltar, gibt es keine Rettung mehr für die Jacht. Die „Champagne“ versinkt kurz vor dem Hafen, nur noch der Mast ragt einige Meter aus dem Wasser.
Schwertwale oder Orcas gelten allgemein als friedliche Meeresriesen, Aufnahmen zeigten kürzlich, wie ein Orca-Weibchen ein Baby-Grindwal adoptiert. Doch aufgrund ihrer brutal wirkenden Jagdmethoden – ein Killerwal-Paar zerfleischte 17 Haie in nur einer Woche – sind Orcas berüchtigt, nicht jedoch für Angriffe auf Menschen. Doch in den letzten Monaten haben sich entlang der Küste zwischen der Bretagne und Marokko in Spanien, immer wieder Orca-Angriffe auf Segelboote ereignet.