- VonFabian Pieperschließen
Zwei von drei Demenz-Patienten in Deutschland sind Frauen. Eine neue Studie liefert nun einen Erklärungsansatz, weshalb das so ist.
Berlin – Sie beginnt schleichend, zumeist im hohen Alter, ist dann allerdings unaufhaltsam und für Erkrankte, Verwandte und Pfleger eine große Belastung: Mehr als 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) an Alzheimer. Mehr als 400.000 Menschen erkranken weltweit jährlich neu an der Krankheit, die oftmals mit unscheinbaren Anzeichen beginnt. Etwa 1,2 Millionen der Erkrankten in Deutschland sind Frauen – der überwiegende Großteil.
Bislang hatte die Wissenschaft angenommen, dass der Grund dafür die höhere Lebenserwartung von Frauen ist; im Schnitt leben sie vier bis fünf Jahre länger als Männer und haben ein entsprechend größeres Risiko, im Alter an Demenz zu erkranken. Doch alleine durch die höhere Lebenserwartung ließen sich die Unterschiede nicht erklären. Nun könnte allerdings eine chinesische Studie diese Lücke schließen.
Demenz: Das könnte der Grund für die häufigere Erkrankung von Frauen sein
Denn schon vorher war vermutet worden, dass die Tatsache hormonelle Gründe haben könnte. Forscher aus China haben diese These aufgegriffen und herausgefunden, dass eine Veränderung eines bestimmten Proteins im Gehirn Demenz verursachen könnte – das sogenannte C3-Protein.
Eigentlich ist dieses Protein Teil des Immunsystems und soll Krankheitserreger im Körper identifizieren. Manchmal allerdings sorgt es dafür, dass das Immunsystem intakte Nervenzellen im Gehirn angreift. Das ist zwar schon länger bekannt, doch die Studie brachte Neues zutage.
Auffälliges Protein mutiert bei Östrogen-Mangel
Im Rahmen der Studie untersuchten die Wissenschaftler Gehirne von an Demenz erkrankten und gestorbenen Männern und Frauen. Diese wurde mit denen von Menschen verglichen, die keine Demenz hatten. Dabei fanden die Forscher heraus, dass das C3-Protein in einer mutierten Form deutlich häufiger in den Gehirnen der weiblichen Demenz-Patienten zu finden war als bei den restlichen Probanden.
Das sind die Risikofaktoren für Demenz
- Schwerhörigkeit
- Geringer Bildungsgrad in jungen Jahren
- Rauchen
- Soziale Isolation/Depression
- Kopf- und Hirnverletzungen
- Hoher Blutdruck
- Bewegungsmangel
- Luftverschmutzung
- Diabetes
- Übergewicht
- Alkoholkonsum
Dass sich das Protein verändert, könnte laut dem Forschungsbericht auf den im Alter abfallenden Östrogen-Spiegel zurückzuführen sein. Denn der sei dafür verantwortlich, das C3-Protein vor Mutation zu schützen. Entsprechend könne laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine zeitnah nach Beginn der Menopause begonnene Hormontherapie das Demenz-Risiko senken – es allerdings auch erhöhen, wenn sie erst spät begonnen wird. Doch diese Erkenntnisse sind nicht unumstritten.
Derzeit geht der Blick für Demenz-Erkrankte in die USA. Dort ist nämlich ein neues Medikament im Eilverfahren zugelassen worden, das das Fortschreiten der Krankheit im frühen Stadium verlangsamen soll. Ob Sie selber zur Risiko-Gruppe für Demenz gehören, können Sie mit einem einfachen Test herausfinden. Übrigens: Auch Hunde können an Demenz erkranken.