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Ein Basejumper ist bei einem Sprung von einer Felswand über dem Comer See in den Tod gestürzt. Offenbar hatte sich der Schirm des 62-Jährigen nicht geöffnet.
Lecco – Der Comer See ist eine italienische Idylle wie aus dem Bilderbuch. Seit jeher zieht er die Reichen und Schönen an: Leinwandgrößen wie Gary Cooper, Liz Taylor und Frank Sinatra machten einst hier gerne Urlaub, heute verbringen hier Superstars wie Robert De Niro, Lady Gaga oder Bruce Springsteen ihre schönsten Tage – und George Clooney hat sogar eine eigene Villa. Am Mittwoch (21. Februar) wurde der mondäne See Schauplatz eines tödlichen Dramas.
Ein 62-jähriger Basejumper wollte mit einem Wingsuit von der etwa 400 Meter hohen Forcella-Wand springen. Die Felswand ist ein beliebtes Ziel von Basejumpern, die sich mit ihren Fledermausanzügen wie Greifvögel in die Tiefe stürzen und die Felswände entlang gleiten, um rechtzeitig ihren Fallschirm zu ziehen. Bei YouTube kann man in mehreren Videos sehen, wie Männer an der Wand oberhalb des Sees in die Tiefe springen.
Der Wingsuit-Pilot ist auch eine schillernde Figur: Alessandro F. aus Gallarate im Nordwesten Lombardei, ein pensionierter Jumbojet-Pilot. Er hatte früher eine Fracht-Boeing 747 für Cargolux Italia geflogen, berichtet das Portal ilgiorno.it.
Der Basejumper stürzte ohne Halt vor den Augen eines Zeugen in die Tiefe
Ein Einheimischer beobachtete den Sprung, bei dem etwas schiefging. Der einzige Zeuge erklärte später laut ilgiornale.it den Rettern, dass sich der Wingsuit nach dem Start nicht wie erwartet geöffnet hatte und dass dieser nach 200 und 300 Metern ins Trudeln geriet. Das Opfer schlug in einem Waldgebiet oberhalb des Seeufers auf. Der Zeuge rief sofort den Rettungsdienst.
Ein Rettungswagen fuhr umgehend an den Fuß der Wand, das Sanitätsteam musste zu Fuß, mithilfe der Bergwacht und unter Begleitung der Staatspolizei zum Verunglückten aufsteigen. Bald fanden die Retter den Basejumper leblos am Boden liegen, sie konnten nur noch seinen Tod feststellen.
Die Felswand am italienischen See wurde bereits Schauplatz mehrerer Dramen
Die Forcella-Wand wurde schon in der Vergangenheit Schauplatz von Wingsuit-Unfällen: Letzte Woche verfehlte ein 32-jähriger Basejumper aus Rom den Landeplatz und rutschte in den See. Im vergangenen Mai blieb ein 51-Jähriger aus der Lombardei wie durch ein Wunder mit seinem Segel an einem Felsvorsprung hängen, gegen den er prallte.
Der Profi-Basejumper Maurizio Di Palma (27), mit mehr als 5000 Sprüngen einer der besten Basejumper- und Wingsuit-Piloten überhaupt, berichtet gegenüber ilgiorno.it über die Forcella-Wand: „Natürlich weiß ich es, jeder in unserem Umfeld weiß es, es ist ein sehr bekannter Ort, seit der Amerikaner Dean Potter von dort gesprungen ist. Es gehört nicht zu den schlimmsten, aber es ist immer noch ein nicht trivialer Sprung, der ein gutes Maß an Erfahrung voraussetzt.“
Gefährliche Sportart forderte schon über 500 Todesopfer
Der US-Outdoor-Star Dean Potter war 2015 bei einem Basejump im Yosemite-Nationalpark in den USA mit einem Kameraden in den Tod gestürzt. Wie gefährlich Basejumping ist, kann man einer im Internet geführten Liste entnehmen, die derzeit 503 Todesopfer seit 1981 aufführt. Alessandro F. war am Freitag noch nicht vermerkt.
Erst kürzlich hatten dubiose Unfälle am Comer See für Aufsehen gesorgt. Der Film diente in einigen Kinostreifen wie Star Wars als Kulisse, was den Touristenrun auf das Idyll nochmals verstärkte.
