Bluttat im Veneto

„Du tust mir weh“: Mord an Studentin schockiert Italien – Neue grausame Details

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Giulia Cecchettin wurde ermordet. Wie die Polizei berichtet, haben Zeugen die schreiende Studentin am Abend ihres Todes gehört.
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Der Femizid an Giulia Cecchettin in Italien schlägt weiter große Wellen. Zeugen hörten Schreie des Opfers. Ein erstes Verhör des Verdächtigen dauerte nur kurz.

Venedig/Verona – Was zunächst als Vermisstenfall zweier junger Studierenden begann, wurde mittlerweile zum Mordfall. Der bald 22-jährige Filippo Turetta soll seine gleichaltrige Freundin Giulia Cecchettin entführt und getötet haben. Laut der Nachrichtenagentur Ansa habe Turetta die Tat bei seiner Festnahme nahe Leipzig bereits zugegeben. Nun sind neue Details zum Femizid an der Studentin aus Italien bekannt geworden.

Protokoll der Tat – Zeugen vernahmen offenbar Schreie des Opfers

Bild rekonstruierte unter Berufung auf den achtseitigen Haftbefehl des ordentlichen Gerichts in Venedig den Tag des Verschwindens des Paares. Nach einem letzten gemeinsamen Abendessen in einem Fastfood-Restaurant am 11. November 2023, sollen Anwohner 150 Meter vom Elternhaus des Tatopfers Schreie gehört haben. Jemand habe gerufen: „Du tust mir weh“, sagte ein Zeuge, der auch vom Eintreten auf eine am Boden liegende Person berichtete.

Auch Ansa berichtete bereits von einer Auseinandersetzung zwischen Turetta und Cecchettin. Die Carabinieri sollen trotz getätigten Notrufes am Tatabend nicht reagiert haben. Wie Bild schreibt, sollen Kameraaufnahmen aus einem Industriegebiet westlich von Venedig kurz vor Mitternacht einen vereitelten Fluchtversuch aus Turettas Auto zeigen. Eine weitere Überwachungskamera zeichnete den Tatverdächtigen unweit des Fundortes der Leiche Cecchettins am Barcis-See auf.

Erste Vernehmung des Tatverdächtigen in Verona

Am 28. November 2023 fand ein erstes Verhör Turettas durch Ermittlungsrichterin Benedetta Vitolo und Staatsanwalt Andrea Petroni in Verona statt, wie italienische Medien berichten. Laut La Repubblica sei die Vernehmung nach einer halben Stunde beendet gewesen. Turetta sei nicht näher auf die Fragen der Ermittler eingegangen und habe vom Recht Gebrauch gemacht, zu schweigen. Laut Corriere della Sera geschah dies in Abstimmung mit dessen Verteidigung, um mehr Zeit für die Einsicht in die Ermittlungsakten zu erlangen.

Femizide in Italien (Daten: Italienisches Statistikamt ISTAT)Jahr
1492016
1232017
1332018
1112019
1162020
1192021
1262022

Vor Richterin und Staatsanwalt soll er jedoch in Tränen erneut gestanden haben, seine Freundin umgebracht zu haben. Laut dem Anwalt von Elena Cecchettin, der Schwester des Opfers, sei die Tat durch regelrechtes Stalking Turettas noch erschwert worden. Sein Verhalten sei durch einen „Besitzanspruch“ gegenüber Giulia Cecchettin geprägt gewesen, zitiert La Repubblica Nicodemo Gentile.

Der Tatverdächtige ist derzeit auf der psychiatrischen Krankenstation im Gefängnis von Montorio bei Verona untergebracht – im selben Trakt wie Benno Neumair, schreibt der Corriere della Sera in der Printausgabe vom 28. November 2023. Der 31-jährige Neumair hatte Anfang 2021 seine beiden Eltern in Südtirol ermordet und deren Körper in die Etsch geworfen.

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