VonRichard Stroblschließen
Heftige Vorwürfe in Italien. Eine Gruppe deutscher Touristen soll in einer historischen Villa gewütet haben – und dabei großen Schaden angerichtet haben.
Como/Varese – „Sie wollten mir 200 Euro als Entschädigung hinterlassen“. Mit diesen entsetzten Worten richtet sich Bruno Golferini, Verwalter einer historischen Villa im Norden Italiens, an die Öffentlichkeit. Es sind anklagende Worte, die er in der Repubblica spricht – anklagend gegenüber einer Gruppe von Deutschen, die nach seinen Angaben die Villa, in der er einst aufwuchs, verwüstet haben und dabei eine historische Statue von großem Wert beschädigten.
Dem Bericht nach hatte eine Gruppe aus deutschen Influencern die besagte Villa, die zwischen dem Lago Maggiore und dem Lago Como gelegen ist, für ein Wochenende gemietet. Demnach wollte man mit knapp 20 Personen dort übernachten, um einen Geburtstag zu feiern. Party in historischem Luxus – so stellte man sich das Wochenende offenbar vor. Ziel sei es demnach auch gewesen, in dem Haus Videos und Fotos für die Social-Media-Kanäle zu erstellen.
Italien-Gastgeber entsetzt: Deutsche sollen historische Villa verwüstet haben
Die Szenen eskalierten nach Angaben des Haus-Managers schnell. Bei ihrem Versuch, möglichst ausgefallene Videos zu erstellen, wurde die Hausordnung demnach massiv missachtet. Es kam zu großen Schäden. So kletterten demnach unter anderem sechs junge Deutsche in den Brunnen der Villa – was in der Hausordnung untersagt ist. Dabei sollen sie sich an eine sehr wertvolle Skulptur des Künstlers Enrico Butti geklammert haben. Diese wurde dabei beschädigt. Dem Bericht der Repubblica nach entstand allein hier ein Schaden von mindestens 100.000 Euro.
Nach Sichtung der Video-Aufzeichnungen der Überwachungskameras der Villa hat der Manager nun Anzeige wegen Vandalismus erstattet.
„Als ich diese Szene miterlebte, erinnerte ich mich an die historischen Episoden der Plünderung antiker Städte, als die Barbaren alles verwüsteten und als Zeichen der Verachtung die Statuen der Götter umstürzten“, berichtet der bestürzte Manager Bruno Golferini dem Blatt. Dieser „Akt des Vandalismus“ habe ihn besonders schwer getroffen, da er in der Villa aufgewachsen sei und gerade die betroffene Statue einen „großen emotionalen Wert“ gehabt habe. „Sie war das Symbol des Hauses, in gewissem Sinne sein Beschützer“, so Golferini.
Eklat in Italien: Wertvolle Statue beschädigt
Die Touristen-Gruppe sei dabei von Anfang an negativ aufgefallen: „Sie hingen an den Simsen, um Erinnerungsfotos zu machen, sie tranken direkt aus Flaschen Limoncello“, berichtet der Manager. Dann sei es zu der Zerstörung der Statue gekommen.
Der Schaden an der Statue sei „irreparabel“ gibt er zu Bedenken. Der bestürzte Golferini berichtet, dass er bereits einen Experten zurate gezogen habe.
Ranking: Die 15 schönsten und beliebtesten Urlaubsorte Italiens




Doch die wahre Bestürzung folgte erst durch die Reaktion der Gäste auf ihre Zerstörung. Demnach hätten sich die Gäste nicht für den Schaden entschuldigt. „Sie sagten, dass diese Statue aus Sand sei und dass sie mir, wenn ich gewollt hätte, 200 Euro als Entschädigung hinterlassen hätten“. Dies empfindet der Gastgeber offenbar als Affront. Gegenüber der italienischen Zeitung gibt er zu Bedenken, dass die Gruppe aus vielen Personen bestand und offenbar bereit war, an dem Wochenende sehr viel Geld auszugeben. Für das beschädigte Kunstwerk habe man dann aber wohl nicht sammeln wollen. Auch deshalb habe er Beschwerde bei der Polizei eingereicht und sogar Interpol kontaktiert.
Die Gruppe Influencer widersprach in einem Statement. Nach dem Vorfall habe man sofort den Verwalter benachrichtigt: „Wir informierten sofort Herrn B. Golferini über den Unfall und entschuldigten uns persönlich und mehrfach bei ihm“, erklärte Janis D. Die Statue sei versehentlich zu Bruch gegangen.
Rubriklistenbild: © IMAGO / Independent Photo Agency Int./Maurizio Maule

