VonAnika Zuschkeschließen
Seit der Gaskrise sollte klar sein: Deutschland darf sich nicht mehr so abhängig von einem Land machen – doch hat China nun bei der Solarenergie die Nase vorn.
Peking – Die Nachfrage von Solarzellen steigt in Deutschland kontinuierlich an – kein Wunder bei einem Blick auf die hohen Strompreise und den Wunsch nach einem Ausbau von erneuerbaren Energien. Auf Dächern der Bundesrepublik sind infolgedessen immer mehr Photovoltaikanlagen zu sehen, in Bremen sollen neue Häuser in Zukunft sogar verpflichtend mit Solarzellen ausgestattet werden. Doch könnte China diesem Solar-Boom künftig mit Exportbeschränkungen von gewissen Technologien gewaltige Steine in den Weg legen – denn wie schon beim russischen Gas hat sich Europa von einem einzigen Land extrem abhängig gemacht.
Erneuerbare Energien: China nimmt in der Solarbranche eine Vormachtstellung ein
Bereits Ende letzten Jahres gaben das chinesische Handelsministerium (MOFCOM) und das Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MOST) bekannt, dass sie eine Überarbeitung des Katalogs der verbotenen und mit Ausfuhrbeschränkungen belegten Technologien aus China planen. Wie das Photovoltaik-Magazin pv magazine berichtet, könnten infolgedessen die für die Solarindustrie wichtigen Technologien Wafer, schwarzes Silizium und Ingots in den Katalog aufgenommen werden.
Sollte es so weit kommen, bräuchten chinesische Unternehmen für den Export dieser Stoffe in Zukunft eine behördliche Genehmigung. Für Europa hätte das gewaltige Folgen – denn der chinesische Anteil im Solarsilizium-Sektor liegt bei mehr als 80 Prozent und über 98 Prozent der weltweiten Waferproduktion stammten im Jahr 2021 aus der Volksrepublik. Angaben des Spiegels zufolge kamen zudem 85 Prozent der Zellen und etwa drei Viertel der aus ihnen zusammengefügten Photovoltaikmodule aus dem sozialistischen Staat. China hat sich im Solar-Sektor also fast eine Monopol-Stellung erkämpft.
Denn wenngleich die Nachfrage nach Solarenergie in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen ist, blieb der deutsche Markt auf Hersteller-Ebene im Zuge des weltweit harten Preiskampfes auf der Strecke. Als Subventionen gekürzt wurden und die Kosten für die Herstellung von Solarenergie in den Keller sanken, kollabierte der deutsche Markt vor über zehn Jahren. Zahlreiche Photovoltaik-Unternehmen in Deutschland gingen infolgedessen Pleite – und China erarbeitete sich eine Vormachtstellung.
Deutschland macht sich bei erneuerbaren Energien abhängig: „China will Führungsposition behalten“
Diese Stellung möchte das Land nicht aufgeben, die Absicht der aktuell anvisierten Exportbeschränkungen sei laut Frank Haugwitz also klar: „China will seine Führungsposition in diesem Teil der Wertschöpfungskette behalten“, erklärte der Senior Advisor bei Apricum Cleantech Advisory dem pv magazine. Damit könnte das Land die Wettbewerbsfähigkeit in der eigenen Solar-Blase schützen – und gleichzeitig die Solarindustrie in Europa blockieren.
Würde China gar einen Exportstopp auf beispielsweise das für die Solarindustrie wichtige Material Wafer verhängen, bekäme Europa auch laut Andreas Bett ein großes Problem. „Dann kann hier in Europa keine Zellfertigung stattfinden, weil keine Wafer vorhanden sind. In Konsequenz kann dann auch keine eigenständige Modulfertigung stattfinden. Und wir sind letztendlich komplett abhängig von einem einzigen Land dieser Welt“, erklärt der Leiter des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme dem mdr. Europa müsse ihm zufolge nun mit Subventionsprogrammen reagieren – sonst würde die Abhängigkeit vom Ausland bei erneuerbaren Energien bestehen bleiben.
China kündigt Exportbeschränkungen an – Deutschland muss sich bei Solarenergie unabhängig machen
Auch im Gespräch mit dem Spiegel warnt Bett: „Wenn die Exportrestriktionen kommen, kann sich die Technologie in Europa erst mal nicht weiter entwickeln.“ Um dem vorzubeugen und einer erneuten Abhängigkeit von einem einzigen Land entgegenzutreten, müssten im Westen neue Solarfabriken entstehen. Das dürfte ohne die Hilfe von China aber ebenfalls schwierig werden, da laut dem Spiegel auch die zehn weltweit führenden Maschinenbauer für den Solarsektor in der Volksrepublik ansässig sind.
Europa muss sich nun also ranhalten, um den Fehler der Abhängigkeit nach dem russischen Gas nicht auch bei den erneuerbaren Energien zu wiederholen. Schließlich ist ein Ausbau derer – gerade mit Blick auf die Gaskrise – unabdingbar. Auf Verbraucher-Ebene wird die Grundlage dafür bereits geschaffen, denn mit Steuererleichterungen wird Solarstrom in Deutschland seit Anfang des Jahres noch attraktiver gemacht.
