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Ein Felssturz hat die Silhouette an der Cima Carega zerstört: Die Spitze der Nadel L‘Omo stürzte ins Tal. Nur durch Zufall waren keine Wanderer vor Ort.
Recoaro Terme – Die kleinen Dolomiten an der Grenze zwischen dem Trentino und dem Veneto (Italien) sind ein Geheimtipp unter Bergtouristen. Die vielen Felstürme rund um das Massiv der Cima Carega (2259 Meter) sind vor allem für angehende Kletterer ein beliebtes Ziel. Einen Felsturm müssen die Alpinisten jetzt aber von ihrer Bucket List streichen: Die Felsnadel L‘Omo (der Mann) ist eingestürzt, seine Frau La Dona, der zweite Felsen, ist jetzt alleine.
| Gebirgsgruppe | Dolomiten |
| Höchstpunkt | Marmolata |
| Höhe | 3.343 m |
| Provinz | Belluno |
Dolomiten-Berg stürzt ein – Wanderer schlugen bei Wirt Alarm
Wanderer schlugen am Montag bei dem Wirt eines Lokals in Recoaro Terme Alarm: Der Gastronom Gianluca Santagiuliana postete dann ein Bild der eingestürzten Felsspitze bei Instagram und verbreitete damit die Hiobsbotschaft. Wann die auf 1830 Meter Höhe liegende Spitze eingestürzt ist, ist unklar. Bei Facebook berichten Wanderer, dass es bereits am Samstag geschehen sei. Jedenfalls stürzte der Turm in einem Moment ein, wo sich kein Wanderer in der Nähe befand, sodass niemand zu Schaden kam. Erst vergangenes Jahr ist es in den Dolomiten zu einem Gletschersturz gekommen.
Armando Cunegato, Bürgermeister, von Recoaro Terme, ist entsetzt: „Ich verstehe, dass es für manche nur ein Stück Stein ist, aber für uns ist es, als ob jemand aus der Familie verschwunden wäre“, so das Stadtoberhaupt zum Corriere della Sera. Paolo Aznicar, Stadtrat, Leiter der Battisti-Berghütte vor Ort und Bergretter, schätzt das Gewicht des 10 bis 15 Meter hohen abgestürzten Turms auf mindestens 500 Tonnen. „Wir organisieren uns bereits mit einer Drohne und werden eine Inspektion durchführen“, sagt er.
Turbulentes Wetter in den kleinen Dolomiten im Mai schuld?
Aznicar glaubt, dass der Turm nach hinten abgebrochen ist, was einen großen Erdrutsch verhindert habe. „Leider kennen wir die Natur dieses Landes gut und wissen, dass solche Fälle wieder passieren werden.“ Aznicar vermutet, dass das turbulente Wetter der vergangenen Wochen den Felssturz verursacht hat: „Ein verregneter Mai, wie wir ihn seit langem nicht mehr erlebt haben, hat sicherlich dazu beigetragen, dass die Situation noch fragiler wurde, als sie schon ist.“
In den kleinen Dolomiten ist es bereits das dritte Mal innerhalb von drei Jahren, dass ein Felsturm abstürzte: Im April 2021 brach eine der vier Spitzen des Corno-Turms in der Fumante-Gruppe bei Recoaro Terme in sich zusammen, rund 100 Kubikmeter Fels stürzten hier ins Tal. Im Juni 2021 stürzte ein weiterer Felsturm an der Punta delle Losche ein, eine Straße wurde verschüttet.
Nicht der erste Felssturz in Italien in diesem Jahr
„Plötzliche Temperaturänderungen und der Klimawandel haben die Oberfläche, die auf den noch stabilen Wänden ruht, abgesenkt, die Risse haben sich erweitert und das Gestein hat sich bewegt“, erklärt Bergführer Asnicar den Grund für die vermehrten Felsstürze. Wasser, das im Winter fror, habe für Risse gesorgt, in die Regenwasser eindringe und Felsen ablöse.
In den vergangenen Wochen kam es immer wieder zu spektakulären Felsstürzen in Norditalien: Ende Mai stürzten in Vinschgau mehrere Felsen auf eine Staatsstraße und trafen fast ein Auto. Anfang Mai schlug ein weiterer Steinkoloss in einem Kindergarten im Pustertal ein. Ende April donnerte im Ahrntal ein riesiger Stein an einer Pizzeria vorbei und landete ebenfalls auf einer Straße.
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