- VonBettina Menzelschließen
Ein Foto des idyllischen Örtchens Pomfret in den USA ging viral. In der Folge strömten Massen an Influencern in das Dorf – und trieben die Anwohner mit ihrem Verhalten zu einem extremen Schritt.
Pomfret – Das beschauliche Örtchen Pomfret im US-Bundesstaat Vermont ist zur Herbstzeit in satte Farben gehüllt, wenn sich die Blätter der Bäume rot und braun färben. Die Sleepy Hollow Farm des Dorfes liegt zwischen kleinen Hügeln – ein Motiv wie auf einer Postkarte. Das blieb auch Touristen und Influencern nicht verborgen, die infolgedessen im Herbst in Scharen in die Ortschaft pilgerten, um Fotos zu knipsen. Damit ist es nun vorbei: Pomfret sprach in der Hauptsaison ein Influencer-Verbot aus.
US-Ortschaft wehrt sich erfolgreich gegen Influencer-Hype
Touristen aus der ganzen Welt kamen in Massen nach Pomfret, bis die kleine Ortschaft in den USA dem einen Riegel vorschob. Auslöser war ein Foto der Idylle, das auf Instagram viral gegangen war. Die schiere Anzahl der Reisenden, die daraufhin den kleinen Ort entdeckte, hätte bereits alles durcheinander gebracht. Touristen wurden teils in Reisebussen nach Pomfret gekarrt. Anfang Oktober war rund die Hälfte der dort parkenden Autos von außerhalb, wie BBC berichtete. Ausschlaggebend für den Ärger der Einheimischen war aber offenbar das Verhalten der Reisenden.
Manche Touristen rasten mit ihrem Auto durch die Ortschaft und blieben plötzlich abrupt stehen, wenn sie ein geeignetes Fotomotiv entdeckten. Andere wiederum parkten die schmalen Schotterwege zu, kletterten über Tore mit „Betreten verboten“-Schildern, nur um den besten Winkel für ihre Fotos zu erwischen und nutzten private Gärten und Einfahrten als Toiletten. Die Bewohner forderten daraufhin eine Sperrung der Straße in den Ort für Auswärtige und starteten kurzerhand eine Crowdfunding-Kampagne. Dabei sammelten sie 16.000 US-Dollar (etwa 15.200 Euro), die nun der Finanzierung der Straßensperre dient – etwa für Schilder und Kontrollen.
Influencer-Verbot: Pomfret sperrt im Herbst Straßen für Reisende
Der Begleittext zur Crowdfunding-Kampagne für den „Influencer-Stopp“ in Pomfret listet anschaulich die Gründe für die Wut der Anwohner auf: Man habe in der Ortschaft „einen beispiellosen Anstieg an touristischen ‚Influencern‘ erlebt, die von Instagram und TikTok angetrieben werden“, zitiert BBC aus der Begründung. Die Touristen hätten Straßen beschädigt, Unfälle verursacht, mussten aus Gräben abgeschleppt werden, zertrampelten Gärten, erledigten ihr Geschäft auf Privatgrundstücken und hätten gar die Anwohner beschimpft. Die Bewohner waren erfolgreich: In der Hochsaison zwischen 23. September bis 15. Oktober ist die Straße in den kleinen Ort nun für alle Auswärtigen gesperrt.
Es sei ein wunderschöner Ort. „Schade, dass er für alle ruiniert wurde“, sagte Deborah Goodwin aus Pomfret dazu der BBC. „Die Hölle sind die anderen“, wusste schon der Philosoph Jean-Paul Satre. Trotz der schlechten Erfahrungen sagen die meisten Bewohner Pomfrets aber, nicht generell gegen Touristen zu sein. Ryan Palmer, der zuständige Sheriff, betonte, dass man durchaus wolle, dass die Menschen die Schönheit der Natur genießen. „Bitte kommen Sie vorbei“, so der Polizist und ergänzte: „Seien Sie einfach respektvoll.“ Pomfret ist nicht der erste Ort, der Overtourism - also überbordendem Tourismus - Einhalt gebietet. Die niederländische Hauptstadt Amsterdam startete jüngst eine Kampagne, um Spaßtouristen von einem Besuch abzuhalten.
