Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Droht jetzt schon der große „Arktis-Split“? Polarwirbel-Crash könnte unser Winterwetter komplett umkrempeln

  • schließen

Ein außergewöhnlicher Frühstart: Der Polarwirbel zeigt Schwächen – was das konkret für unseren Winter bedeuten könnte. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

München – Seit Tagen deuten die Höhenwettermodelle auf eine intensive Störung in der Stratosphäre hin. Dort oben, rund 30 Kilometer über der Arktis, beginnt der Polarwirbel an Stabilität zu verlieren. Normalerweise rotiert er im Winter als kompakter Kälte-Käfig um den Nordpol. Doch in diesem Jahr zeigen sich ungewöhnlich starke Temperaturanstiege und Windabschwächungen schon im Spätherbst.

Bis Anfang Dezember 2025 soll es laut der neusten ECMWF-Prognose in Mitteleuropa und Deutschland „zu kalt“ weitergehen.

Genau diese Kombination bringt den Wirbel ins Straucheln: Hochdruckkuppeln drücken von Süden in die Stratosphäre, der Windring verformt sich, und die ersten Signale eines möglichen Splits zeichnen sich ab. Ein solch früher Angriff auf die Struktur des Polarwirbels ist selten – und oft ein Vorbote kräftiger Wetterumschwünge.

Wetter-Phänomen: Der Polarwirbel wankt früher als üblich – Kommt dadurch der Eiswinter?

Ein gesunder Polarwirbel hält die arktische Kaltluft dort, wo sie hingehört. Wird er jedoch geschwächt oder sogar gespalten, verliert dieser riesige Kälte-Motor seine abschirmende Wirkung. Dann können arktische Luftpakete nahezu ungebremst nach Süden driften – manchmal nach Nordamerika, manchmal nach Europa, manchmal in beide Richtungen. Für Mitteleuropa bedeutet das: Die Wahrscheinlichkeit für markante Kaltluftschübe, Schneeeinbrüche und längere Frostphasen steigt. Ein garantierter Eiswinter ist es aber nicht. Denn ob die Kälte zu uns gelangt, hängt von der Großwetterlage am Boden ab: Blockiert ein Hoch über Grönland den Atlantik, kann die Kälte direkt zu uns vordringen. Fehlt diese Blockade, bleiben die Extremwerte trotz Wirbelstörung aus.

Zwischen Spannung und Vorsicht: Risiko für Extremwinter steigt – Auswirkungen bleiben aber abzuwarten

Der aktuelle Zustand ist eindeutig: Der Polarwirbel zeigt deutliche Schwächesignale, und die Atmosphäre könnte in den kommenden Wochen eine entscheidende Weichenstellung erleben. Das Risiko für winterliche Extremphasen steigt – aber die Richtung bleibt offen. Wer auf einen Schnee- und Frostwinter hofft oder sich davor fürchtet, sollte die Lage aufmerksam verfolgen. Vieles spricht dafür, dass der Winter 2025/26 dynamischer und kälter ausfallen könnte als die vergangenen Jahre. Doch erst wenn klar ist, wie tief die Störung in die Troposphäre durchgreift, wissen wir, ob uns nur ein paar eisige Episoden erwarten – oder tatsächlich ein Winter, über den man noch lange sprechen wird.

Rubriklistenbild: © ECMWF

Kommentare