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Schwarmbeben in Italien: Supervulkan donnert und verursacht 13 Beben

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Der Supervulkan der Phlegräischen Felder hat die Region rund um die Hafenstadt Pozzuoli mit einem kräftigen Erdbebenschwarm durchgeschüttelt.

Pozzuoli – In den vergangenen Wochen war der Supervulkan im Westen Neapels im Süden Italiens relativ ruhig gewesen. Im September hatte er mit über 1100 Erdstößen die rund 350 000 Einwohner in der Bucht von Pozzuoli terrorisiert, der stärkste Stoß hatte eine Stärke von 4,2 auf der Richterskala. Es fielen Fassadenteile auf die Straßen. In der Spitze bebte die Erde sogar 160 Mal innerhalb von 24 Stunden.

Nach einer Pause wird Italiens gefährlichster Vulkan wieder aktiv

Die Phlegräischen Felder bei Neapel zeigen erhöhte Aktivität.

Im Oktober wurde der Supervulkan plötzlich merkwürdig ruhig. Doch am Sonntag (15. Oktober) meldete sich der Supervulkan wieder mit zwei Beben der Stärke 1,45 und 1,9 zurück, am Montag folgte ein Beben der Stärke 3,6. Doch das war noch lange nicht alles: In der Nacht auf Donnerstag (19. Oktober) bebte die Erde zwischen 19.32 Uhr und 6.05 Uhr gleich 13 Mal. Acht der Stöße lagen über der Stufe eins auf der Richterskala, das heftigste Beben um 6.01 Uhr hatte eine Stärke von 2,2.

Supervulkan sorgt für Angst und Schrecken – diese Bilder zeigen die spektakulärsten Vulkanausbrüche Italiens

Die Stadt Centuripe westlich von Catania wird vom Ätna überragt.
Der zur Zeit etwa 3357 Meter hohe Ätna bei Catania (hier mit der Stadt Centuripe im Vordergrund) ist der größte aktive Vulkan Europas. Er bricht gewöhnlich mehrmals in einem Jahr aus. Im Jahre 2021 spuckte er fünf Mal Lava, dieses Jahr (2023) bereits zwei Mal. Meistens ergießen sich die Lavaströme aber nicht in bewohntes Gebiet. © Imago/UIG
Eine Eruption des Ätnas
Lava fließt aus dem Krater des Ätna in Richtung Tal - hier im Jahre 2012. Wenn sich neue Spalten an den Flanken des Vulkans bilden, kann es vorkommen, dass der Lavastrom Straßen sich über Seilbahnstationen und Straßen ergießt.  © imago stock&people
Ätna-Ausbruch: Lava überquert eine Straße
Am 18. Juli 2001 ströme nach einem Ausbruch des Ätna aus einer Spalte ein Lavastrom auf die Kleinstadt Nicolosi zu, in der 1983 Lava 20 Häuser verschüttet hatte. Durch das Bespritzen der Lava mit Wasser und dem Bau eines Erdwalls gelang es, dieses Restaurant zu retten. Später brannte die Bergstation der Ätna-Seilbahn aus, als sie die Lava erreicht hatte. © epa ansa Scardino-Ragonese
Ein Deckenfresko zeigt den Lavafluss vom Ätna nach Catania im Jahr 1669.
Der schwerwiegendste Ausbruch des Ätna ereignete sich 1669, als die Lava sich bis in die Hafenstadt Catania ergoss. Sie schloss das zuvor an einer Bucht gelegene Castello Ursino wurde von der Lava umströmt und liegt seitdem mehrere hundert Meter landeinwärts. Gut zehn Ortschaften, darunter Nicolosi und Belpasso, wurden von der Lava verschlungen. Es gab aber keine Tote, da die Lava langsam floss. © wikipedia Fresko von Gioacinto Platania
Eine riesige Aschwolke steigt beim Ausbruch des Vesuv 1944 empor.
Weitaus gefährlicher als der Ätna ist der Vesuv bei Neapel, der meist sehr explosiv ausbricht und bis zu 7000 Grad heiße Gas- und Aschwolken ausstößt. Der letzte Ausbruch ereignete sich am 18. März 1944. Trotz Evakuierung von 12 000 Menschen fanden 26 Einwohner den Tod, die Städtchen Massa di Somma und San Sebastiano wurden nahezu vollständig unter Lava begraben. © Giovanni Manfredonia/Facebook
„Der letzte Tag von Pompeji“, gemalt von Karl Briullov zwischen 1830 und 1833.
Am 24. August 79 n. Chr. ereignete sich der wohl bekannteste Vulkanausbruch der Geschichte: Der Vesuv explodierte unter einer riesigen Pyroklastischen Wolke aus glühend heißem Gas und verschüttete die Städte Pompeji und Herculaneum unter einer meterhohen Schicht von Asche und Bimsstein. Ein Öl-Gemälde des russischen Malers Karl Briullov (1799 –1852) zeigt, wie er sich die Katastrophe vorstellte. © imago stock&people
Gipsabgüsse der Todesopfer des Vulkanausbruchs des Ätna von 79. n. Chr.
Beim Ausbruch des Vesuv 79. n. Chr. kamen schätzungsweise 5000 Menschen ums Leben. Alleine in Pompeji wurden die Überreste von 1150 Todesopfern ausgegraben. Nachdem sie durch die Gas- und Aschewolken erstickt und verbrannt waren, deckte sie der Ascheregen zu. In den Jahrhunderten danach bildeten sich Hohlräume, die in der Neuzeit durch Gips ausgefüllt wurden. © IMAGO/Vandeville Eric/ABACA
Der Stromboli ist ein Weltkulturerbe der UNESCO.
Der Vulkan Stromboli auf der gleichnamigen Insel ist der aktivste Vulkan der Welt. Im Abstand von wenigen Minuten ereignen sich im Gipfelkrater kleine Eruptionen, die durch Gasblasen verursacht werden, die nach oben steigen. Touristen können das Spektakel von einem Beobachtungspunkt aus betrachten. Doch ab und an gibt es auch aktivere Phasen und auch größere Ausbrüche. Zurzeit ist der Aussichtspunkt am Gipfel wegen einer aktiveren Phase gesperrt. © Imago Robert Francis
Die Raucwolke über dem Stromboli bei der Eruption am 3. Juli 2019
Ab und an gibt es am Stromboli auch schwerere Ausbrüche, wie am 3. Juli 2019. Dabei kam ein Tourist ums Leben, der am Gipfel oberhalb des Kraters den Vulkan beobachtete. Am 11. September 1930 starben drei Inselbewohner durch einen pyroklastischen Strom aus Aschen, Schlacken, Steinen und heißen Gasen. 2002 rutschte bei einer Eruption ein Teil des Gipfels ins Meer, ein Tsunami beschädigte einige Häuser am Ufer, Lavabomben schlugen in den Dörfern ein.  © Mapsism/Facebook
Der Krater des Vullans der Insekl Vulcano
Die Insel Vulcano ist eine Nachbarinsel des Stromboli nördlich von Sizilien. Die Römer glaubten, dass hier der Gott Vulcanus, der Gott des Feuers lebt. Im 5. Jahrhundert v. Chr. hat sich wahrscheinlich ein heftiger Ausbruch ereignet, dessen Donnern in weiten Teilen Siziliens hörbar war. Im 19. Jahrhundert mussten im Krater Sträflinge Schwefel abbauen. Heute ist Vulcano ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen. Am Ufer gibt es heiße Quellen, in einem Mini-Krater kann man baden. © Wikipedia/Geak
Die Explosion des Vulcani im Jahr 1888.
Am 3. August 1888 begann der bislang letzte Ausbruch auf Vulcano mit einer Explosion, der rasch weitere und immer heftigere folgten. Lavabomben schlugen drei Kilometer auf den bewohnten Nordteil der Insel ein. Sie durchschlugen die Dächer der Fabrik- und Wohngebäude und setzten die Schwefelvorräte sowie einige an der Mole liegende Schiffe in Brand. Die wenigen Bewohner von Vulcano hatten sich mit Booten gerettet. Die Sträflinge, die zuvor im Krater Schwefel abbauen mussten, flüchteten in Höhlen. Die Aktivität hielt bis 1890 an. © ResearchGate
Die Insel Ferdinandea in einer zeitgenössischen Darstellung von Camillo de Vito (1790-1835).
Im Sommer 1831 tauchte mitten im Meer 60 Kilometer südlich von Sizilien plötzlich eine Vulkaninsel aus dem Meer auf. Die Insel war der Gipfel eines Unterwasservulkans, der damals ausbrach. Der deutsche Forscher Friedrich Hoffmann benannte sie nach dem sizialinischen König Ferdinand II Ferdinandea. Der britischen Kapitän Senhouse beanspruchte das rund 63 Meter hohe und 800 Meter breite Eiland als Graham Island für das britische Empire. Bis zum Winter verschwand die Insel wieder: Durch die Eruption war die Magmakammer leer und der Krater sackte ab. ©  Camillo De Vito/Wikipedia
Der Solfatara-Krater bei Pozzuoli
Der Super-Vulkan der Phlegräischen Felder bei Neapel brach in vorgeschichtlicher Zeit mindestens der Mal verheerend aus: Bei einem einzigen Ausbruch vor 39 280 Jahren löschten die Feuerströme alles Leben im Umkreis von gut 100 Kilometern aus. Rund 10 000 Quadratkilometer Land (etwa die Fläche Niederbayerns) versanken unter einer bis zu 100 Meter dicken Schicht aus Asche. Der Krater mit einem Durchmesser von 16 Kilometer brach ein. Heiße Quellen und Dampfwolken am Solfatara zeugen noch heute von dem Mega-Ausbruch. © IMAGO/Antonio Balasco
Eruption de Monte Nuovo, Illustration of the eruption of Monte Nuovo in the year 1538 from the 18th century,
Der letzte Ausbruch der Phlegräischen Felder ereignete sich 1538. Hier ein Kupferstich, der den Ausbruch zeigt. Damals erstand aus dem Nichts ein neuer Vulkan westlich der Hafenstadt Pozzuolo, der das Dorf Tripergle, die Villa des römischen Staatsmanns Cicero und antike Bäder verschüttete. Es gab 24 Tote. Es waren Schaulustige, die am Kraterrand bei einer Explosion ums Leben kamen. Die Einheimischen waren durch Erdbeben und den Rückzug des Meeres gewarnt worden. ©  via www.imago-images.de
Der Krater des Monte Nuovo ist aus der Luft am besten als erloschener Vulkan zu erkennen.
Der Monte Nuovo ist ein kleiner Vulkan nahe der Küste bei Pozzuoli. Insgesamt sind die Phlegräischen Felder von rund 40 Vulkankratern übersät, 20 davon sind deutlich erkennbar. Einige sind mit Wasser gefüllt und sind idyllische Seen. Schon in der Antike wurden die heißen Quellen als Thermalbäder genutzt, noch heute kann man in mehreren Thermen sich in vom Vulkanismus erhitzten Wasser erholen. © IMAGO/Pond5 Images

Alleine zwölf der Beben ereigneten sich zwischen 5.24 Uhr und 6.05 Uhr – ein klassisches Schwarmbeben. Dieses weist auf vulkanische Tätigkeiten im Untergrund hin. Magma, Gas oder erhitztes Wasser steigt nach oben und setzt den felsigen Untergrund in Bewegung. Tatsächlich fürchten viele Einheimische, dass die Beben Vorboten eines Ausbruchs des Supervulkans sind, der in der Vergangenheit verheerende Auswirkungen hatte.

Supervulkan terroristiert Region in Italien: Einwohner erwägen, aus Pozzuoli wegzuziehen

Die Bewohner von Pozzuoli und dem benachbarten Neapolitaner Stadtteil Bagnoli sind mit den Nerven am Ende: „Ich überlege ernsthaft, Pozzuoli zu verlassen, ich habe seit August nicht mehr ruhig geschlafen“, schreibt ein User in der Facebook-Gruppe „Die in der Roten Zone der Phlegräischen Felder“. Ein anderer antwortet: „Wenn du die Möglichkeit dazu hast, tu es.“ Eine Frau schreibt sarkastisch: „Drei schöne Stöße, yeah, was für ein schöner Weckruf!“ Das Epizentrum des Schwarmbebens befand sich einmal mehr am Solfatara-Krater, der bekannt für seine heißen Quellen und Dampfgeysire ist.

Was wieder viele Einwohner feststellten: Viele von ihnen hörten zuerst ein Donnergrollen, bevor sie das eigentliche Beben spürten. „Der Boden verhält sich wie ein riesiger Lautsprecher, der sich unter unseren Füßen bewegt und die Schwingungen an die Luft und damit an die Atmosphäre überträgt“, erklärt der Geologe Pietro Bongiorno das Phänomen auf der Seite geopop.it.

Erst ein mächtiges Donnern – und dann wackelt die Erde

Diese Wahrnehmung eines Donners vor dem Spüren der Schockwellen einer Beobachtung erklärt Bongiorno durch die unterschiedliche Ausbreitungsgeschwindigkeit seismischer Wellen erklärt: „Die ersten Wellen, die ankommen und gefühlt werden, sind die longitudinalen („ersten“ P-Wellen), sie sind am schwierigsten als Vibration wahrzunehmen, können aber ein akustisches Signal erzeugen.“ Die spürbaren Wellen werden dem Geologen zufolge Transversalwellen, auch „S“-Wellen genannt. Bongiorno : „Sie sind meist langsamer als die P-Wellen.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/Antonio Balasco

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