„Falsche Gewohnheiten“

Mit einfacherem Berufseinstieg könnten Lehrer „im Burnout landen“, warnt Lehrerverband

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Lehramtsstudierende könnten bald nebenbei als Lehrer arbeiten. Der Lehrerverbandspräsident mahnt vor negativen Folgen, auch für die Schüler.

Der Lehrermangel belastet bundesweit Schulen. Um kurz- oder langfristig mehr Personal zu gewinnen, haben die Bundesländer Reformen bei der Lehrerausbildung vereinbart. Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) sprach sich am 15. März 2024 in einem Beschluss für eine Öffnung der Wege zum Lehrerberuf aus. Lehrerverbandspräsident Stefan Düll zeigt sich bei BuzzFeed News Deutschland, einem Portal von IPPEN.MEDIA nicht begeistert.

Duale Lehramtsstudiengänge könnten fachliche Kompetenz der Lehrer gefährden

Als zusätzlichen Ausbildungsweg befürworten die Länder in dem Beschluss duale Lehramtsstudiengänge. In dem Fall unterrichten Studierende bereits von Beginn ihres Studiums an einer Schule. Diese Option lehnt der Deutsche Lehrerverband ab. Düll hält es für notwendig, dass junge Lehrkräfte Praktika an Schulen absolvieren, bevor sie selbstständig unterrichten.

Fehlt diese Vorbereitung, leidet ihm zufolge die fachliche Kompetenz. „Beim Unterrichten ohne das notwendige didaktische und pädagogische Wissen können sich schnell falsche Gewohnheiten einschleifen, die auf Dauer zu viel Kraft kosten oder Autoritätsprobleme verursachen.“ Düll sieht die mentale Gesundheit der Lehramtsstudierenden in Gefahr. „Lehrkräfte brauchen das entsprechende Wissen, um nicht in wenigen Jahren im Burnout zu landen.“

Wenn Lehrer nicht ausreichend vorbereitet seien, wirke sich das negativ auf die Schülerinnen und Schüler aus. Sie würden nicht davon „profitieren, wenn an der Ausbildung der Lehrkräfte zeitlich und inhaltlich gespart wird.“ In einzelnen Bundesländern, etwa Berlin oder Nordrhein-Westfalen, unterrichten Studierende bereits teilweise an Schulen, weil zu viele Lehrkräfte fehlen. Bisher gibt es dafür aber keinen offiziellen dualen Lehramtsstudiengang.

Wer mit weniger Wissen in den Lehrerberuf startet, hat möglicherweise einen stressigen Job. (Symbolbild

Dies ist ein Artikel von BuzzFeed News Deutschland. Wir sind ein Teil des IPPEN.MEDIA-Netzwerkes. Hier gibt es alle Beiträge von BuzzFeed News Deutschand.

Lehrerverbandspräsident befürwortet Ein-Fach-Lehrkräfte nur in „besonderen Mangelfächern“

Nach der Kultusministerkonferenz soll es zudem die Möglichkeit geben, mit nur einem Studienfach Lehrer oder Lehrerin zu werden. Momentan müssen angehende Lehrkräfte in der Regel auf mindestens zwei Fächer studieren. Lehrer aus dem Ausland haben oft nur ein Studium in einem Fach abgeschlossen, weshalb sie bisher kaum in Deutschland arbeiten können. Das Modell Ein-Fach-Lehrkraft soll ihnen erleichtern, hier in ihrem Beruf Fuß zu fassen. Auch angehende Mathematiker oder Informatiker, die Lehrer werden wollen, könnten damit angesprochen werden. Sie alle müssten dann nicht mehr ein zweites Fach studieren, was möglicherweise viele davon abhält, Lehrkraft zu werden. 

Düll findet die Ein-Fach-Lehrkräfte nur für „besondere Mangelfächer“ sinnvoll. Das sind Fächer, für die Lehrerinnen und Lehrer besonders gesucht werden. Häufig sind das naturwissenschaftliche Fächer, aber auch Musik oder Kunst. Für alle anderen Fächer sollte die Sonderregelung, ginge es nach Düll, nicht gelten. „Schulorganisatorisch ist die Lehrkraft mit zwei Fächern zu bevorzugen, dazu kommt, dass eine Lehrkraft mit zwei Fächern, die sie auf hohem fachlichem Niveau studiert hat, einen breiteren Wissenshorizont hat und fächerübergreifend denkt und unterrichtet.“

(Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © xAndreyPopovx/ Imago

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