Ein Wetter-Phänomen sorgt für „Sommer“ im November in Deutschland
VonMichel Guddat
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Sonnenbrille bereit: Um den Martinstag herum wird es oft wieder warm. Aber ist der Martinssommer mehr als nur ein alter Aberglaube?
München – Die Bauernregeln sind eine gern gewählte Option, um Prognosen für das Wetter in den kommenden Tagen und Wochen zum Ausdruck zu bringen. Eine davon besagt: „Bringt Allerheiligen einen Winter, bringt Martini einen Sommer“. Tatsächlich scheint es, als ob der November gelegentlich eine letzte warme Überraschung bereithält. Doch handelt es sich hierbei um ein echtes Wetterphänomen oder nur um ein Gerücht, das sich hartnäckig hält?
„Martinssommer“ im November– Hochdruckgebiet sorgt für warmes Wetter in Deutschland
Der Martinssommer tritt tatsächlich auf, wenn ein Hochdruckgebiet über Mittel- und Osteuropa die Wetterlage dominiert. Diese Konstellation ermöglicht es, dass warme Luft aus dem Süden nach Norden strömt und die Temperaturen in die Höhe treibt, berichtet weather.com.
Meteorologisch gesehen gehört der Martinssommer zu den sogenannten Singularitäten, ähnlich wie der Altweibersommer oder die Eisheiligen. Diese Phänomene sind bekannt dafür, dass sie außerhalb der üblichen Jahreszeiten auftreten und so manch einen überraschen.
Weinlese im November des Martinssommers
In der Schweiz und Süddeutschland ist der Martinssommer besonders willkommen, denn er ermöglicht eine Weinlese im November. Während die meisten schon die Winterjacken aus dem Schrank holen, können Winzer noch einmal die Trauben ernten und den goldenen Herbst genießen.
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Woher kommt die Bauernregel? Sommer-Wetter und die Legende vom heiligen Martin
Der Martinssommer verdankt seinen Namen dem heiligen Martin, der am 8. November 397 verstarb, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) aufklärt. Der Legende nach erlebte die Natur bei der Überführung seines Leichnams auf der Loire einen plötzlichen Wärmeeinbruch. Die Ufer erblühten, und selbst die Obstbäume sollen vor Freude geblüht haben. Ein Wunder, so dachte man damals. Vielleicht wollte die Natur einfach nur sicherstellen, dass der heilige Martin in angemessener Pracht empfangen wird.
Auch wenn der Martinssommer nicht lange währt, bietet er doch eine willkommene Gelegenheit, die Sonnenbrille noch einmal hervorzuholen, bevor der Winter endgültig Einzug hält. Ein kurzer, aber herzlicher Gruß des Sommers. (mg)