VonJana Stäbenerschließen
Wer sich im Büro einen schönen Feierabend wünscht, meint es wohl nur gut. Eine Expertin erklärt, was die Worte bei Eltern bewirken können.
Die Abschiedsworte „Schönen Feierabend!“ sind aus den meisten Unternehmen in Deutschland nicht wegzudenken. Jeder und jede hat sie schon einmal gehört oder zu Kollegen und Kolleginnen gesagt. Das Problem: So wird Sorgearbeit unsichtbar, findet Annemarie Lazar, die Unternehmen berät, wie sie attraktivere Arbeitgeber für Frauen werden können. „Care-Arbeitende kennen leider keinen Feierabend“, schreibt Lazar Anfang Februar 2025 auf Linkedin.
Väter und vor allem Mütter, die den Großteil der Care-Arbeit in Deutschland übernehmen, erwarte nach einem Arbeitstag überwiegend ein „noch längerer Care-Arbeitstag“ mit Kinder-Abholen, Wutanfällen, Einkaufen, sagt sie und plädiert dafür, mehr wertschätzende „Feierabend“-Sätze zu nutzen wie „Ich wünsche euch einen ruhigen Nachmittag“ oder „Ich hoffe, dein Sohn ist nicht so müde nach der Kita!“
Wäre es besser, wenn wir Müttern und Vätern im Job keinen schönen Feierabend mehr wünschen? BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA stellt diese Frage der Soziologin Jutta Allmendinger vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, die sich schwerpunktmäßig mit den Themen Gleichberechtigung und Arbeitsmarkt beschäftigt.
Soziologin: „Das Wort Feierabend gibt es im Englischen gar nicht“
Allmendinger erzählt, dass sie eine Zeit lang in den USA studiert und dort eine „Kultur der offenen Türen“ kennengelernt habe. Sie sei oft bei Professoren und Professorinnen zu Hause gewesen, habe einen Einblick in das Familienleben bekommen. Umgekehrt seien die Kinder an der Universität sichtbar gewesen, wurden dort gestillt und betreut. „Diese Offenheit hat dem wechselseitigen Verständnis sehr geholfen“, sagt die Soziologin BuzzFeed News Deutschland.
„Man wusste, was die anderen nach der Arbeit tun. Zum Abschied wünschte man sich einen ‚nice evening‘, das Wort Feierabend gibt es im Englischen gar nicht“, sagt sie. Da Sprache unser Denken präge, zeige das Wort, ähnlich wie die Schulferien, wie es um Erziehung und die Sichtbarkeit von Sorgearbeit in Deutschland stehe. „Die Abschiedsworte ‚schönen Feierabend‘ müssen fast zynisch klingen in den Ohren jener Frauen, die noch die zweite Hälfte ihres Arbeitstages vor sich haben.“
Allmendinger glaube zwar nicht, dass es die Sichtbarkeit der Sorgearbeit erhöhen würde, wenn wir uns zum Abschied nicht mehr „Schönen Feierabend“, sondern „wenig Gebrüll, Stress und Streit“ wünschen, so wie es Lazar vorschlägt. Aber es sei wichtig, dass wir als Gesellschaft Pflegetätigkeiten während der Erwerbsarbeit mehr thematisieren und weniger auf Frauen konzentrieren würden.
„Wenn wir nicht nur die Erwerbstätigkeit nach Hause schleifen, sondern die Familienarbeit auch mal Teil der Erwerbsarbeit werden ließen. Das wäre Fortschritt“, sagt sie. „Und dieser würde dann vielleicht sogar dazu führen, dass man am Ende des Erwerbsarbeitstages fragen würde: Kann ich etwas tun, dass du auch mal deinen Abend zu einem Feierabend werden lässt.“
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