- VonAnna-Lena Kiegerlschließen
Das Feuer von Notre Dame ging um die Welt. Doch der Brand hat eine Entdeckung erst möglich gemacht. Und diese könnte weitreichende Folgen für die Forschung haben.
München/Paris – Der Brand von Notre Dame im April 2019 in Paris ging um die Welt. Die Bilder des verheerenden Feuers in der Kathedrale schockierten die Menschen weltweit. Mittlerweile steckt die Kirche in Frankreichs Hauptstadt mitten in ihrem Wiederaufbau. Doch die Feuerkatastrophe des weltberühmten katholischen Gotteshauses bot auch die Chance, deren Geschichte neu zu erforschen. Eine Studie brachte nun eine beeindruckende Entdeckung hervor.
Kathedrale Notre Dame in Paris: Wiederaufbau nach Brand bringt innovative Eisen-Bautechnik ans Licht
Besagte Studie wurde von einer Gruppe französischer Wissenschaftler erstellt. Sie wurde auf dem wissenschaftlichen Fachportal Plos One veröffentlicht. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass beim Bau der Kathedrale bereits Eisen zu den verwendeten Materialen gehörte. Eine neue Erkenntnis, denn bisher wurde angenommen, dass man damals eher auf hölzerne Stabilisatoren setzte.
Notre Dame wurde bereits im 12. Jahrhundert errichtet. Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen war es in dieser Zeit übliche Praxis, die Steine von Bauwerken mit Holz zusammenzuhalten. Doch in der weltberühmten Kathedrale benutzte man bereits Eisenvorrichtungen (25 Zentimeter bis einen Meter lang), um die Steine nicht auseinanderbrechen zu lassen.
Mit archäologischen Beobachtungen sowie Radiokohlestoffdatierungen war es nun erstmals möglich, die Eisenklammern im Gemäuer von Notre Dame einer Zeit zuzuordnen. Denn die Kathedrale wurde mehrmals in den vergangenen Jahrhunderten renoviert. Somit musste ein Hinzufügen des Eisens bei einem späteren Bauabschnitt ausgeschlossen werden. Doch jetzt ist klar: Das Material wurde bereits zu Beginn des Baus der Kathedrale um etwa 1163 genutzt. Und hat bis heute einen großen Effekt auf die Stabilität und das Gleichgewicht von Notre Dame.
Neuaufbau von Notre Dame nach Feuer deckt auf: Eisenklammern im Gemäuer verwendet
Damit ist die Notre Dame das früheste bekannte Beispiel einer gotischen Kathedrale mit Eisen als stabilisierendem Material. Bisher ging man davon aus, dass die ersten gotischen Kirchen mit Eisenmaterial die Kathedrale von Soissons sowie die Kathedralen von Chartres und Bourges waren. Damit kann die Verwendung von Eisen beim Bau von gotischen Kathedralen nun dank der Studie schon 15 bis 20 Jahre früher belegt werden als zuvor angenommen.
Notre Dame ist nun zweifelsfrei die erste bekannte gotische Kathedrale, bei der Eisen massiv genutzt wurde, um Steine als maßgebendes Baumaterial zusammenzuhalten.
Die neue Studie zeigt, wie innovativ der Bau der Notre Dame für die damalige Zeit war. Sobald der Wiederaufbau 2024 abgeschlossen und die Kathedrale wieder geöffnet ist, können auch Besucher aus aller Welt den Prachtbau wieder bestaunen. Derweil gab es einen weiteren sensationellen Fund in der Kathedrale Notre Dame: Dort fand man uralte Gräber.
Rubriklistenbild: © Thibault Camus/dpa
