Lippenstiftflecken und Abwasser-Gestank

„Einfach chaotisch und peinlich“: Rentner nach Kreuzfahrt-Urlaub bitter enttäuscht

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Statt den Urlaub auf der Kreuzfahrt in vollen Zügen genießen zu können, werden zwei Rentner aus Großbritannien mit „schrecklichen“ Erinnerungen zurückgelassen.

München – Es sollte die Reise ihres Lebens werden. Doch was ein Rentner-Paar aus Harworth in Großbritannien bei seiner Kreuzfahrt erlebte, schlug schnell in das genaue Gegenteil um – und das lag nicht am turbulenten Wetter, das kürzlich einigen Aida-Urlaubern Probleme bereitete.

„Die meisten Erinnerungen, die wir gesammelt haben, sind wirklich schrecklich“, erklärt Linda Cobby gegenüber dem Nachrichtenportal Nottinghampost. Die beiden wollten auf ihren Kreuzfahrt-Trips in Nordeuropa einfach nur die Seele baumeln lassen. Mit ihrem vorherigen Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff in der Karibik waren sie noch überaus zufrieden. Doch nun sollte es ganz anders werden.

Kreuzfahrt-Urlaub: Unschöne Wahrheiten, die alle kennen sollten

Es ist der Qualm eines Kreuzfahrtschiffs zu sehen.
Auf den Meeren gelten andere Schadstoff-Regelungen als an Land. Doch warum ist das so? Bisher gibt es keine gesetzlichen Vorschriften für Rußpartikelfilter im Schiffsbetrieb. Kreuz- und Frachtschiffe können daher ohne Einschränkungen auf den Meeren umherfahren. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) fordert die Kreuzfahrtreedereien daher auf, auf Schiffsdiesel für Kreuzfahrten umzusteigen sowie flächendeckend Rußpartikelfilter und Stickoxidkatalysatoren an Bord einzusetzen. © Frank Bienewald/Imago
Kreusfahrtschiff „Mein Schiff 2“ von Tui Cruises.
Der Energieverbrauch eines Kreuzfahrtschiffes ist nicht auf die Fahrten auf dem Meer begrenzt. Auch bei Landgängen sowie dem Ein- und Auschecken müssen wird Energie benötigt. Gastronomie, Klimaanlagen und Licht laufen in dieser Zeit weiter, obwohl keine Passagiere an Bord sind.  © imago
Umweltverschmutzung in Form von Qualm am Himmel verursacht durch ein Kreuzfahrtschiff.
Kreuzfahrtschiffe schaden der Umwelt auch durch enormen Ausstoß von Treibhausgasen. Bei jeder Fahrt fallen Umwengen CO2- Feinstaub- und Stickoxid-Emissionen an. Dem Umweltbundesamt (UBA) zu Folge verbraucht eine Person bei einer einwöchigen Mittelmeerkreuzfahrt rund 1,9 Tonnen CO2-Äquivalent – An- und Abreise sind dabei nicht mit einberechnet. Zum Vergleich: Ein Mensch in Deutschland verbraucht jährlich 1,5 Tonnen CO2-Äquivalent.  © Katrin May/Imago
Abstrakte Deckansicht eines luxuriösen Passagierkreuzfahrtschiffs und Reling.
Die meisten Kreuzfahrtschiffe werden immer größer. Sie können mehr Touristen aufnehmen, und sind länger auf den Meeren unterwegs – davon profitieren vor allem die Reedereien. Denn je mehr Menschen verpflegt werden können, umso mehr Geld wird an Bord verdient.  © Andy Dean/Imago
Rialto Brücke in Venedig.
Angefahrene Urlaubsorte profitieren kaum von Landgängen. Die Urlaubsströme belasten dagegen vielmehr beliebte Reiseziele wie Barcelona und Venedig. Denn wenn sich plötzlich bis zu 6.000 Kreuzfahrer durch die engen Gassen der Städte zwängen, bleibt von der entspannten Urlaubs-Athmosphäre nicht mehr viel übrig. Die gute Nachricht: Venedig verbannt die Schiffsriesen in Zukunft vor die Stadt, um die einzigartigen Gebäude und Grachten zu schützen.  © Frank Bienewald/Imago
Ein rotes Schiff auf schwarzem Hintergrund.
Schlechte Arbeitsverhältnisse auf dem Schiff: Viele Beschäftigte, die auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten, verdienen lediglich 450 bis 700 Euro pro Monat - und das bei einem Arbeitspensum von bis zu 70 Stunden pro Woche.  © maxkabakov/Imago
Vendig riesiges Kreuzfahrtschiff
Schiffsabgase belasten nicht nur die Meere. Auch die angefahrenen Hafenstädte leiden unter der von den Schiffen verursachten Luftverschmutzung. Die ultrafeinen Partikel sorgen insbesondere an den Kreuzfahrt- und Fährterminals für eine Überschreitung der empfohlenen Grenzwerte. Dies stellt eine Gefährdung für die dort arbeitenden Menschen dar, denn Feinstaub kann im schlimmsten Fall zu Herz-Kreislauf-Beschwerden und Atemwegserkrankungen führen.  © viennaslide/Imago
Es ist Wasser hinter einem Kreuzfahrtschiff zu sehen.
Die meisten Kreuzfahrtschiffe werden immer noch mit Schweröl betrieben. Der Kraftstoff muss nicht nur energieintensiv aufbereitet werden. Das umwelt- und gesundheitsschädliche Schweröl ist zudem mit besonders vielen Schadstoffen belastet. Das durch die Destillation von Erdöl entstehende Schweröl ist auf dem Land verboten. Auf See hat es jedoch gravierende Auswirkungen: Kommt es zu einem Unfall, verteilt sich das Öl im Meer und schadet so Tieren und dem Ökosystem nachhaltig.  © Roshchyn/Imago
Eine Malteser Flagge auf einem Kreuzfahrtschiff.
Um Steuern zu sparen, fahren viele Kreuzfahrtschiffe unter „fremden“ Flaggen. Kreuzfahrtschiffe werden nicht selten „ausgeflaggt“ in Steuerparadiese wie Malta, Bahamas oder Liberia. Unter „Ausflaggung“ versteht man dabei die Registrierung des Schiffs in einem vom Land des Schiffseigentümers abweichenden Land.  © xhansennx/Imago
Korallen die während des El Niño 2015 auf Hawaii, USA durch warme Meerestemperaturen gebleicht wurden.
Obwohl Umweltzonen helfen, die Auswirkungen des Schweröls einzudämmen, gibt es immer noch zu wenige schadstofffreie Zonen in den Weltmeeren. In sogenannten Emissionskontrollgebieten ist der Einsatz von Schweröl verboten. Es darf also nur der schwefelarmer Schiffsdiesel verwendet werden. Dazu zählen in Europa der Ärmelkanal, Nord- und Ostsee. Saubere Kraftstoffe sowie Kraftstoffe auf Basis erneuerbarer Energien könnten die Verschmutzungen verringern.  © Nature Picture Library/IMAGO

Kreuzfahrt-Urlaub läuft schief: Schmutz, Abwassergeruch und laute Kabinen enttäuschen Rentner

Für die beiden Rentner begannen die Probleme bereits, als sie das Kreuzfahrtschiff betraten und das erste Mal ihre Kabine sahen. Sie lag demnach direkt über einem der Raucherbereiche und nahe an einer lauten Event-Location. Dabei hatten sie nach eigenen Aussagen extra um eine Kabine, weit fernab von derartigen Stellen gebeten, denn Lyndas Mann David hat Lungenprobleme. Doch damit endeten es nicht.

Schnell wollten die Urlauber ihre Kabine tauschen, doch das gestaltete sich offenbar schwierig. Es kam zu Verzögerungen und sie konnten die Kabine erst am Tag darauf wechseln. Dann der nächste Schock. Die Kabine sei „schmutzig“ gewesen, erklären sie gegenüber dem Portal. Das sei auch generell auf dem Kreuzfahrtschiff ein Problem gewesen. „Wir mussten alles abwischen, bevor wir uns hinsetzen konnten. Wenn man Besteck oder Gläser in die Hand nahm, musste man überprüfen, ob sie sauber waren, wir haben Bilder von Gläsern mit Lippenstiftflecken darauf“, berichtet das Rentner-Paar.

Für zwei Rentner aus Großbritannien endete eine Kreuzfahrt enttäuschend. (Symbolfoto)

Ärger im Kreuzfahrt-Urlaub: „Es war einfach chaotisch und peinlich“

Trotzdem blieben sie für eine zweite Kreuzfahrt-Tour auf dem Schiff und bekamen eine neue Kabine. In der soll es regelmäßig nach Abwasser gerochen haben und auch hier sei es sehr laut gewesen. „Es war einfach chaotisch und peinlich“ resümiert die enttäuschte Rentnerin Lynda den Urlaubstrip. Auf eine Bitte um eine Stellungnahme seitens des Nachrichtenportals habe das Kreuzfahrt-Unternehmen bislang nicht reagiert.

Besonders bei der Buchung von Kreuzfahrten sollten Urlauber genau hinsehen. Vorab sollten Sie sich über Kostenfallen und Tipps informieren. Beispielsweise sollte das Kleingedruckte genau studiert werden. (slo)

Rubriklistenbild: © Pond5/Imago

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